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IW warnt Spahn vor zu starrer Personalvorgabe für Altenpflegeheime.

Fachkräftemangel in der Altenpflege : IW-Experten warnen Spahn vor starrer Personalvorgabe für Pflegeheime

Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft mahnt Gesundheitsminister Jens Spahn, die Personalvorgaben für Altenpflege-Einrichtungen in Deutschland zu starr zu gestalten. Am Dienstag berät die Pflegebranche in Berlin darüber - und über ein neues Instrument zur einheitlichen Personalbemessung.

Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und die Pflegeverbände vor negativen Auswirkungen des geplanten neuen Instruments zur bundeseinheitlichen Bemessung des Personalbedarfs in Altenpflegeheimen gewarnt. Wenn Pflegeheime die künftig erforderliche Mindestausstattung mit Pflegepersonal wegen des Fachkräftemangels nicht mehr erreichen könnten, müssten sie bei strenger Anwendung des neuen Instruments schließen. Damit drohe aber die Zahl der verfügbaren Pflegeplätze zu sinken, was kontraproduktiv sei, heißt es in einer noch unveröffentlichten IW-Studie.

Auf einer Fachkonferenz in Berlin will die Pflegebranche am Dienstag über das von Spahn geplante Instrument zur Personalbemessung in der Langzeitpflege beraten. Dazu stellt der Bremer Pflege-Forscher Heinz Rothgang die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zu dem Konzept vor. Ziel ist es, das einheitliche Mess-Instrument einzuführen, um mehr Transparenz und damit mehr Sicherheit mit Blick auf die Qualität der Pflege zu schaffen. So soll sichergestellt werden, dass überall in den Heimen eine Mindestzahl an Pflegern beschäftigt ist. Denn die Personalausstattung fällt regional sehr unterschiedlich aus: Während etwa in Bayern ein Pfleger nur 1,8 Pflegebedürftige betreut, gibt es in Mecklenburg-Vorpommern Einrichtungen, in denen ein Pfleger für 2,5 Pflegebedürftige zuständig ist.

Die neue Personalmindestvorgabe dürfe nicht als starres Korsett eingeführt werden, warnen die IW-Forscher. Denn Verbesserungen ließen sich auch durch Umstrukturierungen in Heimen erzielen, nicht nur durch mehr Personal. Da es immer schwieriger werde, qualifiziertes Pflegepersonal zu finden, könnten viele Heime auf der Strecke bleiben. „Droht einem Träger der Entzug seiner Betriebserlaubnis, weil er für die von ihm angebotenen Plätze nicht ausreichend Personal findet, kann es notwendig sein, Pflegeplätze still zu legen mit der Folge, dass entsprechend weniger Pflegebedürftige versorgt werden können“, so das Institut. Dies sei wegen der schnellen Alterung gerade nicht zielführend.

Mitte 2019 arbeiteten etwa 765.000 Beschäftigte in Pflegeheimen, knapp zwei Drittel in Teilzeit. Schon jetzt fehlen nach unterschiedlichen Schätzungen 35.000 bis 80.000 Mitarbeiter in Heimen.