IW-Studie zur Wohnungsnot: Deutschland braucht 341.700 neue Wohnungen

Geringe Bautätigkeit verschärft Wohnungsnot : 341.700 neue Wohnungen werden in Deutschland benötigt

341.700 neue Wohnungen werden in Deutschland in den nächsten beiden Jahren benötigt, das ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Zu wenig Wohnraum wurde bislang fertiggestellt – die Gründe dafür sind vielfältig.

„Zwar wurden zuletzt im Jahr 2018 mit 346.810 insgesamt ausreichend Wohnungen genehmigt, jedoch nur 287.352 fertiggestellt“, heißt es in der am Montag in Köln veröffentlichten Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Zwischen 2016 und 2018 seien in den sieben größten Städten gerade einmal 71 Prozent des benötigten Wohnraums fertiggestellt worden.

In Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt am Main liege die Quote bei 79 Prozent. In den anderen großen Städten fehlten nicht nur kurzfristig Wohnungen, sondern auch eine Steigerung der Bautätigkeit. Demnach liegen die Wohnungsbedarfsquoten in Berlin bei 73, in München bei 67, in Stuttgart bei 56 und in Köln bei 46 Prozent. „In insgesamt 215 Kreisen wurden im Zeitraum 2016 bis 2018 zu wenige Wohnungen gebaut, davon in 30 Kreisen weniger als 50 Prozent des Bedarfs bis 2020“, schreiben die Studienautoren.

Die Bautätigkeit spiegelt sich der Studie zufolge auch in den Mieten wider. Mietpreissteigerungen in Hamburg, Frankfurt am Main und Düsseldorf seien weniger stark ausgeprägt als in Berlin, München und Stuttgart. „Natürlich werden die Mieten nicht nur von der Bautätigkeit in den Großstädten beeinflusst, sondern auch von der Bautätigkeit in den Umlandgemeinden sowie der Lohnentwicklung“, hieß es.

Aufgrund der hohen Auslastung der Bauwirtschaft, dem Fachkräftemangel im Baugewerbe sowie langwierigen Prozessen bei Planung, Genehmigung und Fertigstellung sei der Bau von mehr als 300.000 Wohnungen unwahrscheinlich, heißt es in der Studie. Hinzu kämen Widerstände in der Bevölkerung, Personalmangel in Behörden und restriktive Bauvorschriften, die den Bau erschwerten und verzögerten.

Für die Untersuchung gingen die Studienautoren nach eigenen Angaben unter anderem von der prognostizierten demografischen Entwicklung, dem altersabhängigen Wohnungskonsum und dem derzeitigen Leerstand aus, um das erwartbare Niveau der Bautätigkeit zu bestimmen. Dieses Wohnungsbedarfsmodell könne allerdings keine lokale Analyse ersetzen, sondern nur einen Überblick über die Entwicklung der Kreise bieten und Fehlsteuerungen identifizieren, hieß es.

(epd)
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