IW-Studie: Brexit bringt deutscher Industrie Standortvorteile

EU-Austritt Großbritanniens : Brexit bringt deutscher Industrie Standortvorteile

Der drohende Brexit Ende Oktober bedeutet für deutsche Industrieunternehmen neben vielen Nachteilen auch Standortvorteile. Das zeigt das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Beispiel der Pharmaindustrie in einer noch unveröffentlichten Studie, die unserer Redaktion vorliegt.

Durch den britischen EU-Austritt „kann es punktuell zu einer Stärkung des Pharmastandorts Deutschland kommen“, heißt es in der Studie. Denn das Vereinigte Königreich werde für ausländische Investoren durch den Brexit an Attraktivität verlieren. Nutznießer dieser Entwicklung sei vor allem der starke deutsche Pharmastandort. „Deutschland bietet sich bei Produktionsverlagerungen, aber auch für die Forschung und Entwicklung sowie die Durchführung klinischer Studien als neuer Standort für den europäischen Markt an“, schreibt Studienautorin Jasmina Kirchhoff.

Deutschland sei schon heute Kernland der europäischen Pharmaindustrie. 21 Prozent der in der europäischen Pharmabranche Beschäftigten arbeiteten in Deutschland. Hier würden 15 Prozent des gesamten Branchenumsatzes in der EU erzielt und über 18 Prozent der Bruttowertschöpfung. Das besondere Interesse an Deutschland sei in seiner geografischen Lage in der MItte Europas begründet, aber auch in der Größe seines Absatzmarktes. Zudem würden die international anerkannte deutsche Ausbildung, leistungsstarke Regionen und eine hervorragende Forschungslandschaft für Deutschland als Standort sprechen. Fast ein Drittel aller Beschäftigten der europäischen Pharmaforschung arbeiteten in Deutschland, so das IW.

Nach einem ungeregelten Brexit dürfen Medikamente, die in Großbritannien für die EU zugelassen wurden, auf dem europäischen Kontinent nicht mehr vertrieben werden. Zurzeit werde noch fast jedes vierte Arzneimittel für den europäischen Markt im Vereinigten Königreich freigegeben und vertrieben. Um den viel größeren EU-Markt künftig versorgen zu können, müssten die Zulassungsverfahren für neue Arzneimittel künftig aus Großbritannien in die EU verlagert werden. „Eine Zulassung im Vereinigten Königreich dürfte für europäische Pharmahersteller künftig weniger Gewicht haben, wenn doch mit einer zentralen Zulassung in der EU der größere Markt erreicht werden kann“, schreibt Kirchhoff. Davon könne insbesondere Deutschland profitieren. Durch den Brexit würden Exporte nach Großbritannien zwar erschwert. Doch hätten das viele Pharmaunternehmen durch „Umlenkungseffekte“ aufgefangen, indem sie ihre Ausfuhr in andere Teile der Welt erhöht hätten.

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