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Istanbul: Recep Tayyip Erdogan und der neue Flughafen

Erdogans neuer Flughafen : Groß, größer, Istanbul

In für Berliner Verhältnisse rekordverdächtigen 42 Monaten haben die Bautrupps den Istanbul Airport aus dem Boden gestampft. Vor allem Turkish Airlines verspricht sich vom neuen Flughafen Aufwind.

Der neue Flughafen startet mit einer Kapazität von 90 Millionen Passagieren pro Jahr. Im Endausbau soll Istanbul Airport im Jahr 2028 für 200 Millionen Passagiere jährlich ausgelegt sein. Das wären fast doppelt so viele Fluggäste wie vergangenes Jahr am weltgrößten Airport Atlanta in den USA gezählt wurden. Umgerechnet sechs Milliarden Euro kostete der erste Bauabschnitt, weitere fünf Milliarden sollen in den Endausbau fließen.

Vom Baubeginn bis zur Eröffnung vergingen nur 42 Monate. Noch sind die Arbeiten allerdings nicht komplett abgeschlossen. Der Flugverkehr beginnt deshalb in kleinen Schritten. Am Mittwoch nimmt der Nationalcarrier Turkish Airlines erste Verbindungen auf. Zunächst werden die Inlandsziele Ankara, Antalya und Izmir angeflogen sowie Ercan in Nordzypern und Baku in Aserbaidschan. Flughafen-Geschäftsführer Kadri Samsunlu spricht von einer „sanften Eröffnung“: Man wolle in den nächsten Wochen alle Systeme und Abläufe testen.

Der eigentliche große Umzug findet am Jahresende statt. Dann sollen binnen 48 Stunden alle Fluggesellschaften vom bisherigen Istanbuler Flughafen Atatürk auf den neuen Airport umziehen. Atatürk wird dann geschlossen. Ein Teil des Freigeländes wird in einen Park umgewandelt, kündigte Erdogan an. Die bisherigen Terminalgebäude sollen als Messe- und Ausstellungshallen genutzt werden. Auch wenn der Flugverkehr eingestellt wird, soll das Gelände den Namen des Staatsgründers Atatürk behalten, sagte Erdogan.

Vor allem Turkish Airlines verspricht sich von dem neuen Flughafen Aufwind. Die bisherige Heimatbasis auf dem Atatürk Flughafen, der zuletzt bei 120 Prozent seiner rechnerischen Kapazität arbeitete, bot kein Wachstumspotenzial mehr. Die geografische Lage Istanbuls an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien prädestiniert den neuen Flughafen als Drehscheibe des interkontinentalen Luftverkehrs: New York, Schanghai und Johannesburg sind jeweils etwa zehn Flugstunden von Istanbul entfernt.

Airportchef Samsunlu unterstrich bei der Eröffnung die Energieeffizienz des „grünen Flughafens“. Aber das Projekt ist nicht unumstritten. Umweltschützer fürchten negative Langzeitfolgen für den Grundwasserhaushalt und das Mikroklima der Region. Auch an den Arbeitsbedingungen beim Bau, der unter einem extremen Zeitdruck stand, gab es viel Kritik.

Das riesige Terminalgebäude mit seinen lichtdurchfluteten Hallen und die von schlanken Säulen getragene Dachkonstruktion, deren verglaste Kuppeln viel Tageslicht in den Bau lassen, unterstreicht den Anspruch des Flughafens auf eine globale Spitzenstellung.

Gebaut wurde er von einem Konsortium fünf türkischer Firmen. Sie bilden zugleich die Flughafengesellschaft IGA, die den Airport auf 25 Jahre betreiben wird.  Die Konzession soll über die gesamte Laufzeit Lizenzeinnahmen von umgerechnet 26 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen.

Rekordverdächtig ist auch der Duty-Free-Komplex mit Dutzenden Geschäften und Luxus-Boutiquen, mit einer Verkaufsfläche von 53.000 Quadratmetern einer der größten Flughafen-Ladenstraße der Welt. Die zunächst auf 25 Jahre befristete Konzession zum Betrieb der Läden ging an das türkische Unternehmen Unifree, an dem die deutsche Firma Gebr. Heinemann knapp 61 Prozent der Anteile hält.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist der neue Flughafen in Istanbul