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Neuer Immobilien-Index: Ist das Ende des Mietpreis-Booms erreicht?

Neuer Immobilien-Index : Ist das Ende des Mietpreis-Booms erreicht?

Der Wohnungsbau in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2013 weiter an Schwung gewonnen - und die Mieten in den meisten Großstädten sind einer Studie zufolge im Juli überraschend gesunken. Nur in einer Stadt nicht.

Die ständig steigenden Mieten und die Wohnungsnot haben es nach ganz oben auf die Wahlkampf-Agenda der Parteien geschafft. Für viele Deutsche sind die rekordverdächtigen Mietpreise ein wichtiges Thema. Schließlich kannte die Preisentwicklung - zumindest in den größeren Städten - in den vergangenen Monaten und Jahren nur eine Richtung: steil nach oben. Bis jetzt.

Eine aktuelle Auswertung des Immobilienindex' IMX von Immobilienscout24 zeigt, dass die Mieten in vier der fünf größten deutschen Metropolen gesunken sind. Eine überraschende Entwicklung. In Hamburg hat sich der Mietspiegel am stärksten verändert. In der zweitgrößten deutschen Stadt sind die Mieten um 0,9 Prozent gesunken.

Nur in Berlin wird's teurer

Auch in München (minus 0,5 Prozent), Frankfurt und Köln (beide minus 0,2 Prozent) sind die Preise auf Mietwohnungen im vergangenen Monat gesunken. Nur in der Hauptstadt Berlin wurde es im Juli um 0,5 Prozent teurer. "Dies zeigt, dass die sehr hohen Mieten in den Metropolen am Markt nicht mehr durchsetzbar sind", sagt Michael Kiefer, Leiter der Immobilienbewertung bei Immobilienscout24.

Ganz anders sieht die Entwicklung im Kaufbereich aus: Die Angebotspreise für Wohneigentum sind im Juli im bundesweiten Durchschnitt um 0,7 Prozentpunkte gestiegen. Als Basis der monatlichen Untersuchung dienen elf Millionen Immobilienangebote, die seit 2004 auf der Webseite veröffentlicht wurden.

Mehr Wohnungen genehmigt

Eine erfreuliche Entwicklung auch auf dem Wohnungsmarkt insgesamt: Im ersten Halbjahr 2013 wurden so viele neue Wohnungen genehmigt wie seit 2006 nicht mehr. Doch damit auch preiswerter Wohnraum entsteht, seien Subventionen notwendig, sagen die Wohnungsunternehmen.

In den sechs Monaten wurden insgesamt 124.876 neue Wohnungen genehmigt und damit 9,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden berichtete. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) zweifelt aber daran, dass aktuell genug preiswerter Wohnraum entsteht.

141.000 Genehmigungen

Das erste Halbjahr 2013 war laut Statistik das stärkste seit 2006. Damals gingen knapp 141.000 Genehmigungen raus. In der ersten Jahreshälfte 2009 wurde ein Tiefpunkt mit knapp 81.000 Wohnungen erreicht. Seitdem ist die Zahl der Genehmigungen kontinuierlich gestiegen.

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Knapp jede zehnte in diesem Jahr neu genehmigte Wohnung liegt in bereits bestehenden Gebäuden. Bei den neuen Wohngebäuden legte insbesondere die Zahl der Einheiten in Mehrfamilienhäusern deutlich um 21,7 Prozent auf über 52.000 zu. Die Zahl der genehmigten Einfamilienhäuser wuchs hingegen nur um 1,5 Prozent auf gut 44.700.

"Positives Signal"

Der Verband GdW begrüßte die gestiegene Zahl als "positives Signal" für den Wohnungsmarkt. Die Neubauten seien dringend nötig, um den Wohnraummangel in den Großstadtregionen nicht weiter zu verschärfen, erklärte Präsident Axel Gedaschko in Berlin.

Mehr bezahlbare Wohnungen seien nur mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen zu erreichen. Dazu zählt der GdW den zweckgebundenen Einsatz von Bundesmitteln für den sozialen Wohnungsbau, höhere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, schnellere Genehmigungsverfahren und höhere Baudichten in den Ballungsräumen.

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(rpo)