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Innenstadt-Gipfel: Wie rettet man die Innenstädte

Innenstadt-Gipfel mit Ministerin Scharrenbach : Gegen die Leere in der City

Viele Stadtzentren drohen zu veröden. Ein Innenstadtgipfel soll neue Impulse zur Wiederbelebung von der Pandemie zusätzlich getroffener Einkaufsstraßen in Nordrhein-Westfalen geben.

(RP) Die Verödung der Innenstädte ist seit Jahren ein Thema. Das Online-Geschäft hat die deutsche Handelslandschaft nachhaltig verändert, und Corona hat die Entwicklung noch beschleunigt. Deshalb wird intensiv darüber diskutiert, wie die Zentren attraktiver gemacht und teils zu neuem Leben erweckt werden können.

An diesem Dienstag berät NRW-Städtebauministerin Ina Scharrenbach (CDU) mit Unternehmen, Handels- und anderen Verbänden sowie Kommunen über Konzepte. Scharrenbach hat 2020 bereits 70 Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Wie geht es weiter? „Es ist gut, dass wir ins Gespräch kommen“, sagt Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes NRW, unserer Redaktion. „Die Corona-Krise wird mehr Leerstände zur Folge haben, dafür müssen wir intelligente Konzepte entwickeln“, so Achten.

Christof Sommer, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW, hatte Öffnungsauflagen für Versorger und eine Besteuerung der großen Onlinehändler ins Spiel gebracht. Beim Gipfel dürfte auch Thema sein, wie man Handel, Wohnen und Gastronomie verzahnen könnte. Eines ist aus Sicht Scharrenbachs klar: „Es bedarf einer gesunden Mischung. Nur Restaurants und Cafés retten keine Fußgängerzone“, sagte sie Ende Dezember. Wie sieht es in der Region aus? Ein Überblick.

Dinslaken/Voerde In Dinslaken ist immer noch unklar, was aus dem Real-Markt wird. Findet sich kein Investor, drohen Leerstand und eine Schmuddelecke am Rande der Innenstadt. In Voerde ist eine ganze Ladenzeile mit Leerständen das große Problem – mitten in der City an Markt und Rathaus. Seit Jahren werden Investoren gesucht. Jetzt soll zumindest auf einem Teilstück der Immobilie neu gebaut werden. Eine Gesamtlösung ist nicht in Sicht.

Düsseldorf Auch abseits von Corona steht die Innenstadt wegen der Umbrüche in der Kaufhaus-Landschaft vor Herausforderungen. Ende 2020 hat eines von zwei Kaufhof-Häusern an der Einkaufsmeile Schadowstraße geschlossen, der benachbarte Karstadt wurde gerade noch gerettet. An der Straße, der am stärksten frequentierten im ganzen Land, wird kräftig gebaut. Mitten in der Pandemie hat in der Nähe zudem der Kö-Bogen II eröffnet, der Händler wie H&M, DM, Aldi und Depot beherbergt – welche Magnetwirkung das tatsächlich entfalten kann, dürfte aber erst vollständig sichtbar werden, wenn die Einschränkungen durch Corona vorbei sind.

Duisburg Leerstände und Ein-­Euro-Shops prägen das Bild in der City. Selbst eine Adresse wie die Einkaufs-Mall Königsgalerie kämpft mit Leerständen. Das Center-Management sucht nach Alternativen jenseits von Ladenlokalen und Einzelhandel. Dass die Warenhäuser Karstadt und Galeria Kaufhof überlebten, führte dazu, dass Duisburg beim Landesprogramm „Soforthilfe Innenstädte“ mit knapp 300.000 Euro wesentlich weniger Zuwendungen erhielt als vergleichbare Städte, in denen die Warenhäuser schließen mussten. „Die Gelder aus dem Sofortprogramm Innenstadt sind ein willkommener Impuls, reichen aber für dieses komplexe Thema nicht aus“, sagt Duisburgs Wirtschaftsdezernent Andree Haack.

Grevenbroich Trübe Aussichten in der Fußgängerzone: An der Kölner Straße steht beinahe jeder dritte Laden leer. Alleine die Einkaufspassage Coens-Galerie verlor 2020 mit einem Elektronikhandel und einem Schuh-Discounter zwei Ankermieter; ein weiterer wird im Sommer die Mall verlassen. Schuld am Ladensterben sind neben Corona hohe Mieten und der Rückzug von Filialisten aus der Innenstadt. Ein neuer Ausschuss für Innenstadtentwicklung und Stadtmarketing soll ein professionelles Citymanagement betreiben.

Mönchengladbach Die Debatte um die Zukunft der Innenstädte hat spätestens seit der Schließung der Karstadt-Filiale in Rheydt Fahrt aufgenommen. Allein in Rheydt haben sich in den vergangenen Jahren Karstadt, Saturn, C&A, Real und McDonald’s verabschiedet. Die Fast-Food-Kette schloss nach rund 40 Jahren auch im Stadtzentrum, Begründung: zu wenig Frequenz. Die Folge: verbreiteter Leerstand sowohl in Rheydt (wo es aber noch gute inhabergeführte Geschäfte gibt) als auch in Gladbach, je weiter man sich vom Einkaufszentrum Minto entfernt. Die Stadt bekommt deshalb vom Land 1,7 Millionen Euro als Sofortförderung, um stärkende Programme und kurzfristige Hilfe zu organisieren. Das Rathaus hat ein Stadterneuerungsteam einberufen, unter anderem mit der Wirtschaftsförderung, dem Kulturbüro und der Marketinggesellschaft.

Moers Die größte Stärke der Stadt, der inhabergeführte, stationäre Einzelhandel, ist gleichzeitig eine Schwäche. Denn der Onlinehandel gewinnt zunehmend Marktanteile, der stationäre Handel geht zurück. Die Frage, was Politik und Verwaltung tun können, um den lokalen Einzelhandel vor Ort zu stärken, beantwortet Doris Lewitzky, Geschäftsführerin des Handelsverbands Niederrhein mit Sitz in Moers, so: „Nicht zuletzt ist ausreichender und kostengünstiger Parkraum notwendig. Das Auto ist aktuell einfach nicht wegzudenken. Viele Kunden sind nicht bereit, für ein Paar Socken stundenlang mit dem Bus zu fahren, wenn man die Socken mit einem Klick im Internet bestellen kann.“