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Infront Sports & Media: Chinesische Firma kauft Sportvermarkter

Peking : Chinesische Firma kauft Sportvermarkter Infront

Das Schweizer Unternehmen, durch Günter Netzer vielen bekannt, wechselt für eine Milliarde Euro den Eigentümer.

Spektakulärer Deal im Geschäft mit der Sportvermarktung: Der chinesische Konzern Dalian des Multimillardärs Wang Jianlin übernimmt für gut eine Milliarde Euro vom Finanzinvestor Bridgepoint nahezu alle Anteile am größten europäischen Sportrechtevermarkter Infront Sports & Media. Infront besitzt Übertragungsrechte beispielsweise an der Fußball-WM und den Olympischen Winterspielen.

Das Unternehmen, in dessen Management Ex-Fußball-Nationalspieler Günter Netzer arbeitet, hat rund 600 Beschäftigte in zwölf Ländern, richtet auch Sponsoring und Werbung aus und betreibt Event-Management. Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) vermarktet die Schweizer Gruppe die Länderspiele und den DFB-Pokal. Präsident von Infront ist Philippe Blatter, ein Neffe des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter. Blatter wird das Unternehmen zusammen mit fünf seiner bisherigen Gesellschafter weiter führen. Die Sechs haben sich für 30 Millionen Euro als Minderheitsgesellschafter eingekauft.

Sport ist die neue Trumpfkarte in der Expansionsstrategie des 60-jährigen Wang. Vor drei Wochen hatte sich der zweitreichste Unternehmer Chinas, dessen Familien-Vermögen auf 25 Milliarden Dollar geschätzt wird, 20 Prozent der Anteile beim spanischen Fußball-Meister Atlético Madrid gekauft. Der Deal mit Infront ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Wang für China Sportpolitik machen will. Infront sei in der internationalen Sportwelt "bestens vernetzt". Es sei auch am besten positioniert, "um China bei seinen Bemühungen um die Austragung internationaler Sportevents zu unterstützen". Das IOC hatte jüngst Chinas Bewerbung um die Austragung der Winterspiele 2022 akzeptiert. Peking gilt als heimlicher Favorit, obwohl die schneearme Stadt keinerlei olympische Wintersport-Tradition hat. Trotzdem billigten alle sieben Internationalen Wintersport-Verbände Pekings Pläne - sechs von ihnen wurden bisher von Infront vertreten. Wie Blatter sagte, ist Infront inzwischen auch mit dem siebten Verband einig. Das Unternehmen ist damit Partner von mehr als 130 Verbänden und Organisationskomitees. Zudem ist Infront Nummer eins als Vermarkter etwa für die Eishockey-WM oder den Welt-Fußball. Gerade in diesen beiden Sportarten hat China besonderen Aufholbedarf. Da passt es, dass Infront die Übertragungsrechte für alle Fifa-Veranstaltungen bis 2022 für 26 asiatische Länder verfügt.

(erl)