In vier Stunden mit dem Zug von Berlin nach Amsterdam

Streckenausbau: Berlin-Amsterdam in vier Stunden

Deutschland und die Niederlande wollen ihre Zugverbindungen ausbauen. Doch für die angepeilten Zeitersparnisse müssen die Loks auf den Strecken deutlich schneller fahren können.

Die Deutsche Bahn will von 2023 an neue Züge für Fahrten in die Niederlande einsetzen. Für diese Verbindung plane man „eine Investition in dreistelliger Millionenhöhe“, sagte eine Bahn-Sprecherin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Damit könnten 20 bis 30 Minuten Reisezeit eingespart werden. Früher als 2023 sei die Umstellung aber nicht zu realisieren. Grund seien das europaweite Vergabeverfahren, die Lieferfristen der Fahrzeugindustrie sowie die Abnahme- und Genehmigungsprozesse zur Inbetriebnahme. Die Züge „in ICE-Qualität“ sollten – anders als bisher – ohne Lokwechsel die Grenze überqueren.

Vor allem die niederländische Bahn drängt auf eine schnellere Anbindung von Amsterdam über Niedersachsen nach Berlin. Die Zahl der Reisenden auf der über Rheine, Osnabrück, Hannover, Wolfsburg und Stendal führenden Strecke steigt. Außerdem liegen Niedersachsen und die Bundeshauptstadt bei niederländischen Touristen im Trend. Bisher dauert die Fahrt mit dem Intercity rund sechseinhalb Stunden.

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Roger van Boxtel, Chef der niederländischen Staatsbahn NS, will die Reisedauer auf vier Stunden verkürzen. Zwölf neue Schnellzüge sollen dafür angeschafft werden. Das Projekt soll im Laufe der Woche auf der Bahnmesse Innotrans in Berlin vorgestellt werden. Die Zeitersparnis gelingt jedoch nur, wenn die Züge auf der Strecke 200 Stundenkilometer fahren können und seltener anhalten müssen. Derzeit erreichen die Loks zwischen Berlin und Amsterdam meist nur eine Höchstgeschwindigkeit von 130 (in den Niederlanden) und 160 Stundenkilometern (in Deutschland). Ein Ausbau des Streckennetzes wäre also notwendig.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) betonte auf der Innotrans, die Schiene werde gebraucht, um den wachsenden Verkehr zu bewältigen. Inzwischen sei „die Finanzausstattung gegeben“, um das komplexe und deshalb auch teure Schienennetz in Deutschland auszubauen. Von den 270 Milliarden Euro, die nach den Plänen des Bundes bis 2030 in die Infrastruktur investiert werden sollen, kämen 42 Prozent der Schiene zugute.

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