1. Wirtschaft

NRW-Landtag entscheidet morgen über Fracking: In Deutschland wird längst gefrackt

NRW-Landtag entscheidet morgen über Fracking : In Deutschland wird längst gefrackt

Seit 1961 wird mittels Fracking Erdgas in konventionellen Lagerstätten gefördert. Der Einsatz der Technologie im Muttergestein ist aber umstritten. Morgen will der NRW-Landtag über die Pläne der Niederlande debattieren.

Der 27. Juli 1961 hat der Gemeinde Wetschen im niedersächsischen Landkreis Diepholz einen Eintrag ins Geschichtsbuch gebracht. An jenem Tag bohrte die BASF-Tochter Wintershall erstmals tief in den Boden und sprengte mit einem Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien Risse ins Gestein, um an Gasvorräte zu gelangen - heute heißt dieser Vorgang "Fracking" und sorgt in NRW wieder für eine neue Debatte, seit bekannt ist, dass die Niederlande eine Prüfverfahren zum Fracking auch im grenznahen Raum startet.

Die rot-grüne Mehrheit im Landtag setzte das Thema gestern per Eilantrag für die morgige Sitzung auf die Tagesordnung des Landtages. Die NRW-Staatskanzlei bekräftigte unterdessen ihr Vorhaben, einen breiten Dialog zu führen. SPD-Angaben zufolge will die Landesregierung mit Bürgern und Vertretern von Unternehmen und Wissenschaft die Risiken und offenen Fragen zu Fracking abklären. Dazu seien auch die Benelux-Staaten sowie die umliegenden Bundesländer eingeladen. Allerdings stehe man dabei nicht unter Zeitdruck, sagte Regierungssprecher Thomas Breustedt auf Anfrage unserer Zeitung unter Hinweis auf das in NRW geltende Moratorium.

"Nicht ein einziger Zwischenfall"

Die Befürworter der Fracking-Technologie verstehen die ganze Aufregung nicht. "Auch in Deutschland wurde bereits über 300 mal gefrackt. Und das ohne einen einzigen Zwischenfall", sagt Klaus Torp vom Energie-Multi ExxonMobil. Deutschland decke zwölf Prozent seines Erdgasbedarfs durch heimische Förderung und davon wiederum ein Drittel aus Quellen, die via Fracking erschlossen wurden. "Damit werden rund zwei Millionen Haushalte in Deutschland mit Erdgas versorgt", sagt Josef Schmid, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG). "Wir müssen die Ressourcen, die wie haben, bestmöglich nutzen."

Mit 180 Fracking-Bohrungen ist Exxon in Deutschland die umtriebigste Firma auf diesem Gebiet. Aber auch Wintershall, die französische Gaz de France und die RWE Dea haben sich in Deutschland schon Fracking eingesetzt - allerdings nur in sogenannten konventionellen Lagerstätten. Nun geht es darum, Erdgas-Vorkommen in schwerer zu knackenden unkonventionellen Lagerstätten im Muttergestein zu erschließen.

Drei Bohrungen in NRW

Fast alle bisherigen deutschen Fracking-Projekte wurden in Niedersachsen realisiert. In NRW gab es bislang lediglich drei Probebohrungen. Eine in Oppenwehe (Kreis Minden) im Jahr 2008 und je eine in den münsterländischen Kreisen Drensteinfurt und Warendorf durch ein Konsortium aus Conoco, Ruhrkohle und Ruhrgas im Jahr 1994. Für eine weitere Probebohrung in Nordwalde (Kreis Steinfurt) hat Exxon eine Lizenz beantragt, den Antrag inzwischen aber wieder zurückgezogen.

Hintergrund ist das Moratorium, mit dem die Politik neue Frackingvorhaben seit drei Jahren faktisch verbietet: Sie sollen frühestens wieder erlaubt werden, wenn die Fracking-Industrie Umweltschäden beim Einsatz der Technologie ausschließen kann. Was, wie Kritiker einwenden, beim Fracking ebenso wie auch bei fast jeder anderen Technik so gut wie unmöglich ist.

(RP)