Krefeld/Düsseldorf: Immer mehr Gaskraftwerke schreiben rote Zahlen

Krefeld/Düsseldorf : Immer mehr Gaskraftwerke schreiben rote Zahlen

Trianel verschiebt den Bau in Krefeld. Auch Eon und die Stadtwerke Düsseldorf haben Ärger.

Der Stadtwerke-Verbund Trianel legt den Bau seines hochmodernen Gaskraftwerks in Krefeld-Uerdingen vorerst auf Eis. "Das bereits genehmigte Gas- und Turbinenkraftwerk ist im jetzigen Marktumfeld nicht wirtschaftlich", teilte Trianel mit. Das 600-Millionen-Euro-Projekt werde um bis zu drei Jahre verschoben. Ursprünglich war eine Inbetriebnahme 2016 oder 2017 geplant.

Moderne Gaskraftwerke rechnen sich derzeit nicht, weil die Börsenpreise für Strom wegen des stark angewachsenen Angebots erneuerbarer Energien abgestürzt sind. Mit Gaskraft erzeugter Strom ist zwar klimafreundlich, aber auch vergleichsweise teuer. Die Erzeugung von einer Megawattstunde aus Gaskraftwerken kostet mehr als doppelt so viel wie eine Megawattstunde aus Braunkohle.

Unter diesem Dauerproblem leiden auch andere Versorger. Eons hochmoderne Gaskraftwerke "Ulrich Hartmann" im bayerischen Irsching sowie der Block Irsching 5 liefen im vergangenen Jahr 2400 und 2000 Stunden – ausgelegt sind sie auf 5000 Betriebsstunden. Zunächst hatte Eon-Chef Johannes Teyssen damit gedroht, die Blöcke vom Netz zu nehmen. Im Frühjahr einigte sich der Konzern mit der Bundesnetzagentur und dem Netzbetreiber Tennet darauf, die Blöcke als Reservekraftwerke weiterzubetreiben. Sie springen nun immer dann ein, wenn die Netzstabilität gefährdet ist. Zum Ausgleich dafür übernimmt Tennet einen Teil der Fixkosten. Zwei ältere Gaskraftwerke, Staudinger 4 und Irsching 3, laufen schon gar nicht mehr im Markt.

Auch die Stadtwerke Düsseldorf haben die Verwerfungen auf dem Strommarkt bereits zu spüren bekommen. Sie bauen derzeit das modernste Gaskraftwerk der Welt in Düsseldorf, das auch Fernwärme erzeugt und deshalb als besonders profitabel galt. Dennoch hakte es zwischenzeitig bei der Finanzierung, wie vor einigen Wochen bekannt wurde. Denn Banken, aufgeschreckt von Meldungen über unrentable Gaskraftwerke, zögerten mit der Kreditvergabe. "Wir mussten mit vielen Händen und Mündern helfen", hatte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft erklärt.

Auch der Trianel-Verbund, an dem 100 Stadtwerke beteiligt sind, stolpert nicht zum ersten Mal über die Fallstricke des Strommarktes. Selbst bei seinem Kohlekraftwerk in Lünen, das im Herbst ans Netz gehen soll, wird in den nächsten fünf Jahren mit Verlusten gerechnet. Dabei ist Kohle-Strom sogar günstiger herzustellen als Strom aus Gas.

In Krefeld hofft man nun darauf, dass es nach der Bundestagswahl einen Neustart der Energiewende geben wird. "Es wäre zu wünschen, dass die Politik mehr Farbe bekennt. Wir stehen als Stadtwerke vor der Problematik, unsere Investition auf 20 Jahre hin rechnen zu müssen, während die Politik nicht mal Sicherheit bis zum nächsten Jahr bietet", sagte Krefelds Stadtwerke-Vorstand Carsten Liedtke.

(RP)
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