Essen/Hannover: IG BCE attackiert Verdi wegen RWE

Essen/Hannover : IG BCE attackiert Verdi wegen RWE

Die Gewerkschaft hält kürzere Arbeitszeiten zur Jobsicherung für denkbar.

Die Gewerkschaft IG BCE verlangt einen Beschäftigungspakt bei RWE, um den Abbau von möglicherweise Tausenden Arbeitsplätzen zu verhindern. Damit die Gespräche dafür erfolgreich sein können, verlangt sie die Rückkehr der zweiten großen Gewerkschaft im Energiebereich, Verdi, in die bisherige Verhandlungsgemeinschaft. Das erklärte Peter Hausmann, Vorstand der IG BCE, gestern gegenüber unserer Zeitung. "Wir verhandeln bei RWE über die Sicherung von Tausenden Stellen. Da müssen wir als Arbeitnehmerorganisationen auch mit ganzer Kraft auftreten."

Hausmann reagierte darauf, dass Verdi Ende vergangener Woche die Verhandlungsgemeinschaft mit der IG BCE ausgesetzt hatte, weil rund 100 Mitarbeiter bei der Netzfirma Tennet von Verdi zur IG BCE wechselten. "Erstens hat Tennet nichts mit RWE zu tun", sagte Hausmann. "Zweitens ist es ein internes Problem von Verdi, wenn da hundert Mitglieder weggehen." Er bestreitet, man habe Mitglieder von Verdi abgeworben.

Gleichzeitig deutete Hausmann an, zur Sicherung der Arbeitsplätze bei RWE zu Kompromissen beim Gehalt bereit zu sein. Schon in den vergangenen Jahren habe seine Gewerkschaft im krisengeschüttelten Energiebereich weniger hohe Abschlüsse als in der florierenden Chemie durchgesetzt - diese Linie soll nun offensichtlich beibehalten werden. Dabei streitet Hausmann nicht ab, dass die Stromkonzerne mit die höchsten Gehälter zahlen - es sind im Schnitt rund 4600 Euro im Monat, deutlich mehr als Beschäftigte in der Autoindustrie oder im öffentlichen Dienst und erst recht im Handel.

Angesichts der guten RWE-Gehälter und angesichts der Gefahr für die Jobs hält Hausmann es auch für denkbar, die Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich teilweise zu senken - ähnlich wie es Volkswagen vor einigen Jahren mit der 28,5-Stunden-Woche in einigen Werken machte. "Ein Beschäftigungspakt bei RWE kann viele Teile beinhalten. Eine niedrigere Arbeitszeit könnte Teil einer solchen Vereinbarung sein."

(RP)
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