Guntram Schneider im Interview: "Ich kann die Wut der Opel-Belegschaft verstehen"

Guntram Schneider im Interview: "Ich kann die Wut der Opel-Belegschaft verstehen"

Guntram Schneider, der NRW-Arbeitsminister, spricht im Interview mit unserer Redaktion über das komplette Opel-Aus in Bochum und die Zukunft der Ruhrmetropole.

Herr Minister, die Opposition hat der Landesregierung am Freitag vorgeworfen, in der Opel-Debatte am Donnerstag im Landtag nichts von der von Opel geplanten Komplettschließung samt des Warenverteilzentrums gesagt zu haben...

Schneider Es war für mich schon überraschend, dass dieses Ausrufezeichen so abrupt gesetzt wurde.

Seit wann wussten Sie das?

Schneider Ich war am Donnerstag den ganzen Tag in Berlin und habe davon erst abends über die Medien erfahren. Aber das Ganze waberte doch schon seit Tagen. Bochum liegt unmittelbar in der Nähe meines Wahlkreises Dortmund entfernt. Auch insofern weiß ich, dass viele Betriebsräte und Beschäftigte seit Tagen darüber spekulieren, ob GM das Nein der Belegschaft zum Anlass nehmen würde, um einen generellen Schließungstermin zu verkünden.

Hat sich der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel mit dem harten Nein verzockt?

Schneider Ich will das nicht beurteilen. Ich verstehe die Wut der Belegschaft, die über Jahre hinweg hingehalten worden ist.

Ist der Betriebsrat in eine Falle getappt, indem er GM diese Steilvorlage bot?

Schneider Ich will weder dem Betriebsrat noch Opel etwas unterstellen.

Halten Sie eine erneute Abstimmung der Belegschaft für denkbar?

Schneider Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich weiß es nicht. Aber ich bin sicher, dass die Verantwortlichen in Belegschaft und Gewerkschaften jede Möglichkeit nutzen werden, um den Gesprächsfaden aufzunehmen. Im Betriebsrat und in der IG Metall sitzen doch Profis.
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Aber es sieht doch so aus, als wären die Würfel gefallen.

  • Fotos : Dezember 2012: Opel-Belegschaftsversammlung in Bochum

Schneider Aus Sicht von GM vielleicht ja.

Das heißt?

Schneider Der Wirtschaftsminister wird zusammen mit der Stadt, der IHK und unter Einbeziehung des Betriebsrates weitere Gespräche führen. Die sind ja nie abgebrochen worden.

Was soll dabei herauskommen?

Schneider Dann wird sich zeigen, ob und wie es mit der "Perspektive Bochum 2022" weitergeht. Opel ist ja bereit, an Perspektiven für Bochum mitzuarbeiten.

Und wenn sich nichts mehr ändert?

Schneider Dann muss man schauen, was mit den Grundstücken passiert. Die sind ja ein gewichtiges Pfund. Sie liegen verkehrsgünstig und sind gut erschlossen. Da sind unterschiedlichste Nutzungsmöglichkeiten denkbar.

Was kann die Landesregierung tun?

Schneider Sie wird diesen Prozess begleiten. Sie kann aus gutem Grund natürlich nicht entscheiden, wer und was dorthin kommt.

Das Gespräch führten Detlev Hüwel, Maximilian Plück und Gerhard Voogt

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2012: Opel-Werk in Bochum wird 50 Jahre alt

(felt)
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