Huawei: Android-Sperre durch Google - das müssen Kunden jetzt wissen

USA und China im Handelskrieg : Das sind die Folgen des Huawei-Boykotts

Der teilweise Boykott von Huawei durch Google macht Smartphones in Deutschland teurer. Zudem müssen Huawei-Kunden wohl auf die nächste Version des Betriebssystems Android verzichten. Donald Trump mag dies recht sein, aber er führt sein Land in die Isolation.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China führt dazu, dass nun auch der globale Smartphone-Markt in Turbulenzen kommt. Google kündigte an, Huawei nicht mehr mit dem Betriebssystem Android zu versorgen, weil man sich an Auflagen der US-Regierung halten müsse. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu der Krise.

Preise Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen rechnet damit, dass die Smartphones nun teurer werden könnten. „Diese Entscheidung ist extrem ärgerlich“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Neben steigenden Preisen sind Einschränkungen bei Nutzungsumfang und Sicherheit der Smartphones durch den Handelskrieg zu befürchten.“ Müller macht darauf aufmerksam, dass Huawei neben Apple und Samsung eine der drei beliebtesten Smartphone-Marken der Welt ist: „Das ist nun der Vorbote weiteren Verbraucherärgers.“


Sicherheit Kurzfristige Sicherheitsrisiken müssen die mehr als viele Millionen Nutzer von Huawei-Smartphones in Deutschland anscheinend nicht befürchten. Google erklärt schriftlich, der App-Store Googleplay und der Sicherheitsmechanismus von Android würden auf bereits existierenden Huawei-Smartphones weiter „funktionieren“. Nutzer können also weiterhin Apps herunterladen. Das Android-Betriebssystem sorgt für Sicherheit durch Virenscans und Fernsperrung des Geräts bei einem Verlust.

Es steht jedoch praktisch fest, dass die für Herbst angekündigte nächste Version des Android-Betriebssystemes auf Huawei-Smartphones nicht geladen werden kann. Dies würde bedeuten, dass eine Reihe an Edelhandys wie das Mate 20, Mate 20 Pro, Mate 20 X, P30 oder P30 Pro anders als bisher erwartet das Update nicht erhalten. Auch künftige Geräte wie das faltbare Mate X müssen auf das neue Betriebssystem verzichten – für Huawei eine Katastrophe. „Sie haben sich in den vergangenen Jahren einen immer besseren Ruf als Anbieter sehr anspruchsvoller Smartphones gemacht“, sagt der Branchenexperte Torsten Gerpott, „jetzt droht ihnen der größte anzunehmende Unfall.“


Marktverschiebung Es ist klar, wem der Gegenwind für Huawei recht sein muss. Apple und Samsung. Denn nachdem Huawei im vergangenen Quartal den Verkauf von Smartphones im Jahresvergleich um 50 Prozent auf 59,1 Millionen Stück erhöht hat, liegen sie mit einem Weltmarktanteil von 19 Prozent nur noch knapp hinter Samsung aus Südkorea, die mit 72 Millionen Geräte auf 23,1 Prozent kommen. Apple haben die Chinesen bereits deutlich überholt. Der Marktanteil des iPhones in allen seinen Varianten liegt laut der Marktforschungsfirma IDC nur noch bei rund zwölf Prozent global.

Chips Die Lage für Huawei wird noch schlimmer, weil wichtige Hersteller von Halbleitern aus den USA künftig auf Lieferungen verzichten müssen. Die Auslieferung von Geräten könnte also zeitweise zum Stillstand kommen.


Marktspaltung Huawei darf zwar weiter auf die jedermann zugängliche Open-Source-Version von Android zugreifen, doch nun ist damit zu rechnen, dass Chinas wichtigster Technologiekonzern die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems viel entschlossener als bisher vorantreibt. „Die Amerikaner kastrieren sich selbst“, sagt der Kölner Wirtschaftsprofessor Klemens Skibicki. Weil Android sehr günstig global verteilt wurde, hätten die USA es erreicht, dass fast alle Smartphones der Welt auf US-Betriebssystemen laufen. Das sind einerseits diejenigen von Apple auf ihrem eigenen System (iOS) mit einem Marktanteil von global knapp 23 Prozent, andererseits Android von Google mit einem Marktanteil von rund 75 Prozent. Skibicki: „Nun wird es für China unumgänglich, ein eigenes Betriebssystem zu bauen.“ Der Nachteil: App-Entwickler werden ihre Ideen künftig für jeweils drei Betriebssysteme anpassen müssen, Huawei wird einige Jahre brauchen, bis das eigene System wettbewerbsfähig ist. Skibicki: „Das Vertrauen in der Weltwirtschaft sinkt, die Arbeitsteilung ebenso, die Verbraucher sind geschädigt.“


Eskalation Die große Frage ist, wie China auf die neue Eskalation des Handelsstreits reagiert. Gegen Zölle der USA hat das Riesenland Gegenzölle erhoben, auf den Huawei-Boykott könnte die Staatsführung reagieren, indem sie Apple wiederum mit einem Bann belegt. Schon bisher ist auffällig, dass der US-Vorzeigekonzern in China seit Monaten auffällig schwächelt.

Außerdem ist damit zu rechnen, dass der Druck der US-Regierung auf Europa und Europas Telefonkonzerne wächst, beim Aufbau der neuen 5G-Mobilfunknetze auf Technik von Huawei zu verzichten. Das würde den Netzaufbau rund zwei Jahre verzögern, sagt Vodafone-Chef Nick Read. Wem wäre das recht? Donald Trump: Er hätte Chinas Vorzeigekonzern geschwächt und Europas Wirtschaft geschadet. Europas Politik weigert sich allerdings bisher, den US-Boykott gegen Huawei als Netzwerkausrüster mitzumachen. Sie will alle Lieferanten härter prüfen, von einem Verbot der Produkte aus nur einem Land ist nicht die Rede.

Prognose Wie wird alles enden? Der außenpolitische Vordenker Josef Joffe vergleicht in der aktuellen „Zeit“ Donald Trump mit Wilhelm II. Der letzte Kaiser Deutschlands habe sich Anfang des 20. Jahrhunderts gleichzeitig mit allen damals wichtigen Mächten angelegt. So habe er den 1. Weltkrieg provoziert und dann verloren. Nun provoziere Trump auch praktisch jedes andere relevante Land. Also stelle sich die Frage, ob dies am Ende neue Bündnisse gegen die USA herbeiführt, was allerdings nicht Krieg bedeutet. Joffe, ein überzeugter Freund der USA: „Irgendwann rotten sich die anderen gegen den Quälgeist zusammen. Sie legen zeitweise Ideologie- und Interessenkonflikte beiseite, um das wild gewordene Mammut zu bändigen.“

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