Düsseldorf: Honda ruft zwei Millionen Autos in die Werkstätten

Düsseldorf : Honda ruft zwei Millionen Autos in die Werkstätten

Ein fehlerhaftes Bauteil in den Airbags könnte einen Brand auslösen. Auch BMW überprüft in Amerika seine 3er-Reihe.

Die Flut an Rückruf-Aktionen globaler Autohersteller reißt nicht ab. Gestern beorderte der japanische Hersteller Honda weltweit insgesamt 2,03 Millionen Autos in die Werkstätten. Grund ist ein möglicherweiser fehlerhaftes Bauteil in den vorderen Airbags, das bei einem Unfall im schlimmsten Fall einen Brand verursachen könne. Bei den betroffenen Fahrzeugen müsste der Gasgenerator, der die Airbags im Notfall mit Gas befüllt, ausgetauscht werden, teilte Honda Deutschland mit. In einem Fall war es beim Konkurrenten Toyota, der dieselben Bauteile des Zulieferers Takata einsetzt, zu einem Brand gekommen.

Weitere Hersteller zogen nach: Nissan bat 128 000 Autos weltweit, Mazda 20 300 Fahrzeuge allein in Deutschland zur Kontrolle. Toyota hatte vor wenigen Tagen 648 000 Autos zum Check gebeten. Der Fehler hatte bereits im vergangenen Jahr dazu geführt, dass weltweit mehr als drei Millionen Fahrzeuge zur Kontrolle mussten. Damals war auch BMW betroffen, weil in der 3er-Reihe Airbags des Zulieferers verbaut waren. Wie ein BMW-Sprecher gestern erklärte, sei auch der bayerische Autobauer von US-Behörden zu Rückrufen in den USA "zu Analysezwecken" aufgerufen worden. Fahrzeuge der 3er-Reihe, die zwischen Juni 2000 und August 2006 produziert wurden, würden überprüft. Die Module seien aber nicht baugleich. Der Rückruf beschränke sich auf Nordamerika.

Auch vom Honda-Rückruf ist Nordamerika am stärksten betroffen, in Deutschland müssen knapp 35 000 Autos in die Werkstätten. Gemessen an der Gesamtzahl der Hondas auf deutschen Straßen (laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 500 000 Autos) ist das durchaus nennenswert. Wie teuer das wird, ist nach Angaben eines Honda-Sprechers noch unklar. Den Angaben zufolge ist der defekte Generator, der laut Zulieferer in Mexiko produziert wurde, in den Modellen Accord (Baujahr 2003), Civic (2001 bis 2003), CR-V (2002 bis 2003), Jazz (2002 bis 2003) und Stream (2001 bis 2003) verbaut worden.

Große Rückrufaktionen gehören für viele Hersteller mittlerweile fast zum Tagesgeschäft. Toyota hatte in den vergangenen Jahren immer wieder millionenfache Rückrufe gestartet. Aber auch viele weitere Hersteller haben mit wachsenden Qualitätsproblemen zu kämpfen. Nach einer Studie des Auto-Instituts der Fachhochschule Bergisch Gladbach wurden auf dem US-Markt, der als Referenzmarkt gilt, in den vergangenen fünf Jahren 28 Prozent mehr Fahrzeuge wegen Fehlern in die Werkstatt gebeten als überhaupt verkauft wurden.

Laut Stefan Bratzel, Chef des Auto-Instituts, sind die Produktionsfehler mit immensen Auswirkungen oft hausgemacht und zeigen die größte Schwachstelle der gesamten Branche: Um Kosten bei der Entwicklung und bei der Produktion zu sparen, bauen die Hersteller immer mehr unterschiedliche Modelle aus immer weniger Baukasten-Teilen zusammen. Wenn nur eines dieser Teile Schwächen hat, ist der Hebel entsprechend groß. "Insbesondere hohe Wachstumsziele können die Hersteller dazu verleiten, die Qualitätsanforderungen zu vernachlässigen", folgert Automobil-Experte Bratzel.

(RP)
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