Holpriger Start bei Opel

Holpriger Start bei Opel

Karl-Friedrich Strackes erster Arbeitstag als neuer Opel-Chef wird von Problemen überlagert: Entwicklungspannen beim neuen Corsa verzögern offenbar den Verkaufsstart, und in Bochum drohen Kündigungen.

Rüsselsheim Opel hat einen neuen Chef: Wie angekündigt berief der Aufsichtsrat gestern den bisherigen Entwicklungschef des Detroiter Mutterkonzerns General Motors (GM), Karl-Friedrich Stracke, an die Spitze des Rüsselsheimer Traditionsunternehmens. Die Top-Personalie geriet aber vor dem Hintergrund neuer Probleme bei Opel in den Hintergrund. Wie unsere Zeitung aus Kreisen des Betriebsrates erfuhr, wird sich die Auslieferung des neuen Corsa-Modells sogar um fast zwei Jahre auf 2014 verschieben.

Zuvor hatte das "Handelsblatt" von Entwicklungspannen bei Opels wichtigstem Massenmodell und unter Berufung auf Konzernkreise von einer neunmonatigen Lieferverzögerung beim neuen Corsa berichtet. Opel bestritt gestern auf Anfrage, dass der Verkaufsstart für den neuen Corsa jemals für das Jahr 2012 geplant gewesen sei. "Zu Details der laufenden technischen Entwicklung äußern wir uns aus Wettbewerbsgründen grundsätzlich nicht", sagte ein Sprecher.

Kein Wunder. Opel rechnet beim neuen Corsa mit jährlichen Verkaufserlösen in dreistelliger Millionenhöhe. Vor dem Hintergrund der immer noch angespannten Ertragslage des Unternehmens, das schon mehrfach um Staatshilfe bitten musste, könnte ein solches Loch im Etat unter Umständen dazu führen, dass die US-Mutter General Motors doch noch die Schließung eines weiteren Opel-Standortes in Europa einfordert.

Die neue Plattform des Corsa soll entsprechend der internen Arbeitsteilung im GM-Konzern aus Korea geliefert werden. Dem Vernehmen nach soll der bisherige Opel-Chef Nick Reilly bei der Abnahme des Prototypen aber festgestellt haben, dass dieser 100 Kilo schwerer als geplant ausgefallen sei. Weil der neue Corsa damit weniger wendig und im Spritverbrauch höher als geplant geworden wäre, soll Reilly die koreanische Plattform abgelehnt und Opel mit einer Neuentwicklung beauftragt haben. "GM hätte die Plattform gleich in Deutschland entwickeln lassen sollen", sagte gestern der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. "Die deutschen Ingenieure haben den spritsparenden Leichtbau mit der Muttermilch aufgesogen und hätten einen solchen Fehler nicht gemacht."

Laut Einenkel werden die Corsa-Werke Eisenach und Saragossa nun den Alt-Corsa länger bauen, was gut für das Bochumer Werk ist, das für Eisenach die Getriebe liefert. Zwar passt das Getriebe technisch auch in den neuen Corsa. Aber für dieses Modell hat Bochum noch keinen Zuliefer-Vertrag.

Außer den neuen Corsa-Problemen warten auf den neuen Opel-Chef noch heftige Auseinandersetzungen mit der Bochumer Belegschaft. GM verlangt, dass in Bochum bis Ende dieses Monats rund 1200 Stellen mehr als bisher abgebaut werden – egal wie. Sollten sich keine Freiwilligen auf die Angebote des Managements einlassen, will Opel Kündigungen aussprechen. Am Freitag treffen Betriebsrat und Management sich zu einer neuen Schlichtungsrunde.

(RP)
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