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Hoher Weizenpreis verteuert Lebensmittel

Engpässe verteuern Getreide : Hoher Weizenpreis verteuert Lebensmittel

Die Entwicklungen auf dem Weltmarkt wirkt sich indirekt auch hierzulande auf Produkte wie Brot und Nudeln aus. Auch wegen höherer Kosten für Düngemittel müssen Verbraucher mehr zahlen.

Schon lange vor der russischen Invasion in der Ukraine kamen aus der Region Hiobsbotschaften, was die Weizenernte angeht. In Russland wurde im September die Prognose für die einheimische Erntemenge von mehr als 82 Millionen auf knapp 76,5 Millionen Tonnen gesenkt, weil die Größe der Ernteflächen nach unten korrigiert worden war. Das hieß: höhere Ausfälle im Winter, weniger Exporte nach Westeuropa. Das Problem hat sich durch den Krieg verschärft. Russland und die Ukraine bestreiten zusammengerechnet etwa 14 Prozent des weltweiten Getreidehandels – und dieser Anteil ist durch den Krieg und den Stillstand in den ukrainischen Seehäfen größtenteils zum Erliegen gekommen. Die Kornkammer Europas ist also vorerst so gut wie verschlossen.

Folge: Das Gut Weizen wird knapp, die Preise auf dem Weltmarkt steigen. Zuletzt auf bis zu 400 Euro pro Tonne. Welche Folgen hat das für uns? Die gute Nachricht vorweg: Der Ukraine-Krieg löst keine Lieferengpässe in Deutschland aus: „Die Mühlen kaufen zu 95 Prozent Getreide aus Deutschland“, sagt eine Sprecherin des Verbands der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) in Berlin. Russland und die Ukraine spielten als Lieferanten hierzulande nur eine untergeordnete Rolle. Deren Lieferausfall trifft andere Regionen nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes weitaus stärker: „Wir gehen davon aus, dass die Einschränkungen der Getreideversorgung aus Russland und der Ukraine zu massiven Engpässen in Nordafrika und Arabien führen werden. Wir müssen alles daran setzen, dass andere Regionen, insbesondere auch die EU hier einspringen“, erklärt Verbandspräsident Joachim Rukwied.

Aber auch hierzulande gilt: Wer Weizenprodukte kauft, muss mehr dafür bezahlen. Denn die Preise orientieren sich am Weltmarkt, und dort hat der Engpass diese Notierungen steigen lassen. Das liegt auch nicht allein an der Schwarzmeerregion, sondern auch daran, dass andere große Lieferanten zuletzt massive Probleme hatten. Kanada beklagte 2021 angesichts extremer Hitze und Dürre die schlechteste Weizenernte seit 14 Jahren, der Wirbelsturm „Ida“ legte in den USA Exporthäfen lahm. Dazu kommt, dass die Chinesen große Mengen gekauft haben – auch in Deutschland. Und wo die Asiaten viel zahlen, müssen das auch deutsche Abnehmer tun. Da hilft es auch nicht, dass wir von Getreidelieferungen aus Russland und der Ukraine unabhängig sind.

Außerdem treibt teures Düngemittel die Preise. In Deutschland besteht etwa die Hälfte des Düngers aus Stickstoff-Dünger, und Stickstoff ist ein Bestandteil von Erdgas. Heißt: Wird das Erdgas teurer, wird es auch der Dünger. In der deutschen Landwirtschaft werden traditionell auch stickstoffhaltige Dünger wie Gülle und Mist eingesetzt.

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Werden Brot und Brötchen im Ergebnis also bald deutlich teurer? „Wie stark sich der Mehlpreis am Ende auf den Preis für Brot und Brötchen auswirkt, hängt auch davon ab, zu welchem Preis sie im Handel angeboten werden“, erklärt eine Sprecherin des VGMS auf Anfrage. Zudem liefen viele Lieferverträge zu fest vereinbarten Preisen über Monate, was zunächst eine gewisse Stabilität für die Verbraucherpreise bedeute. Was die Preise womöglich viel stärker treibt: Energie wird immer teurer, und die Löhne steigen. Die Getreidepreise machten nicht einmal zehn Prozent des Endpreises aus; viel bedeutsamer seien Herstellungs- und Personalkosten, heißt es. „Jedes Unternehmen wird dann für sich kalkulieren und entscheiden, ob, wie hoch und wann Verkaufspreise angehoben werden müssen“, so die Verbandssprecherin. Unabhängig davon gilt: Wem tut es weh, dass das Brötchen ein paar Cent teurer wird, wenn in der Ukraine täglich im Krieg Menschen ihr Leben, ihre Familie und ihr ganzes Hab und Gut verlieren?

Zurück zur Ökonomie: Beim Hartweizen sind die Verwerfungen in den vergangenen Monaten teils noch spürbarer gewesen. Das lag auch am Klimawandel, der Missernten beim Hartweizen verursacht hat wie beim Großlieferanten Kanada. Hartweizen wird nicht nur für die Herstellung von Nudeln verwandt, sondern beispielsweise auch für Couscous und Bulgur. Auch deren Liebhaber müssen wohl mehr zahlen. „Steigt der Preis für Hartweizen – wie im vergangenen Jahr geschehen – um das Dreifache, ist schwer vorstellbar, dass dies keine Auswirkungen auf den Verkaufspreis im Supermarkt hat“, so die VGMS-Sprecherin. Hier wirken sich Engpässe in deren Versorgung und Preissteigerungen beim Rohstoff noch stärker aus. Je größer der Anteil des Getreides im Lebensmittel, desto enger hängen die Verbraucherpreise für diese Waren von den Rohstoffpreisen ab.