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Henkel, Metro und Co. sagen Plastik den Kampf an

Metro und Co. kämpfen gegen Plastikmüll : Unternehmen kämpfen gegen Plastik-Müll

Die Deutschen verbrauchen so viel Plastik wie kaum eine andere Nation in Europa. Gleichzeitig sorgen Kunststoffe weltweit für Müllprobleme. Konzerne arbeiten an Lösungen – und ein Düsseldorfer Start-up bekommt sogar Unterstützung von Barbara Schöneberger.

Eigentlich sollte Barbara Schöneberger nur für Plakate posieren – aber das war der Moderatorin zu wenig. Die Produktidee sei so gut gewesen, dass sie sich stärker engagieren wollte, erzählt sie bei einem Besuch des Start-ups „Blaue Helden“ in Düsseldorf. Das Team um Gründer Christoph Heeren entwickelt Spülmittel, Glas- oder Badreiniger in Tablettenform. Statt immer wieder neue Plastikflaschen mit den Putzmitteln zu kaufen, können die Kunden inzwischen in Drogeriemärkten wie dm einfach zu den Tabletten greifen und die Reiniger zuhause mit Wasser selbst anrühren. „Ich bin leidenschaftliche Plastik-Vermeiderin, scheitere aber oft im Alltag, insofern war mir der Nutzen direkt klar“, sagt Barbara Schöneberger, die sich nun an dem Düsseldorfer Start-up beteiligt hat.

Der Kampf gegen den Plastikmüll ist eine große Herausforderung im Bestreben um mehr Nachhaltigkeit. Immer wieder tauchen schockierende Bilder auf von Inseln aus Plastik, die im Meer treiben. Deutschland zählt beim Pro-Kopf-Verbrauch von Plastik in Europa zu den Spitzenreitern. Das Problem ist: Ein großer Teil des Plastiks wird nicht recycelt, sondern immer noch verbrannt – und vom restlichen Kunststoff-Müll werden auch noch große Mengen von Deutschland ins Ausland exportiert.

Viele Unternehmen arbeiten daher inzwischen an Lösungen für das Problem. Es gibt Start-ups wie Blaue Helden, die den Verbrauch senken wollen. Andere, wie Plastic Fischer aus Köln, versuchen den Müll aus den Flüssen zu fischen, bevor er im Meer landet. Und wieder andere wie die Düsseldorfer Konzerne Henkel und Metro verbünden sich mit Sozialunternehmen, um die Plastik-Problematik in Asien und Afrika zu bekämpfen.

Henkel hat sich dafür bereits 2017 mit Plastic Bank zusammengetan, inzwischen gibt es das Spülmittel „Pril“ und Shampoo in Flaschen aus Social Plastic. Seit diesem Jahr macht auch der Handelskonzern Metro mit – und auch das Start-up Blaue Helden kooperiert mit dem kanadischen Sozialunternehmen. Gründer David Katz schafft mit seinem Sozial-Start-up Anreize, dass Plastik in den asiatischen und afrikanischen Ländern gesammelt und zu Recycling-Stationen gebracht wird. Die Sammler erhalten eine Prämie für das Abliefern des Kunststoffs, Plastic Bank wiederum bereitet die Abfälle auf, so dass sie wieder verwendet werden können. „Social Plastic“, nennt David Katz das Produkt dieses Prozesses. Das Geld für diese Arbeit kommt wiederum von Unternehmen.

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Katz sitzt gemeinsam mit den Nachhaltigkeits-Verantwortlichen von Metro und Henkel in einem Restaurant in Düsseldorf und erzählt von seiner Idee. Es ist seine erste Reise nach Europa seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. „Wenn jedes Stück Plastik fünf Euro wert wäre, würde man davon nichts in der Umwelt sehen“, sagt Katz: „Das Problem ist also nicht das Plastik, sondern wir.“ Inzwischen gibt es nach Angaben von Plastic Bank knapp 35.000 Sammler weltweit, die mehr als eine Milliarde Plastik-Flaschen gesammelt haben.

„Wir sagen nicht, dass wir die Welt retten werden“, sagt Veronika Pountcheva, Global Director Corporate Responsibility bei Metro: „Wir wissen, dass noch sehr viel mehr getan werden muss.“ Dennoch ist die auf mehrere Jahre angelegte Kooperation mit Plastic Bank aus ihrer Sicht ein wichtiger Schritt. Allein in diesem Jahr will Metro dazu beitragen, dass mehr als eine Million Kilogramm Plastikmüll abgefangen werden, bevor sie im Meer landen.

In Umweltorganisationen blickt man mit gemischten Gefühlen auf die Bemühungen der großen Konzerne. „Es spricht nichts dagegen, wenn Unternehmen Menschen dabei unterstützen, Plastik aus der Umwelt aufzusammeln“, sagt Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe: „Aber wenn man größer denkt, muss man zunächst mal fragen: Wie kommt das Plastik da überhaupt hin – und tun die Unternehmen genug, damit weniger Müll produziert wird?“ Aus Fischers Sicht wird das Plastik in homöopathischen Mengen gesammelt gemessen an dem, was in der Umwelt landet.

Ähnlich sieht das Manfred Santen von Greenpeace: „Es würde deutlich mehr Sinn machen, wenn Henkel und Co. ihre Herstellerverantwortung ernst nehmen, Mehrwegverpackungen und ein funktionierendes Rücknahmesystem einführen und Plastik aus der hiesigen Abfallverwertung nutzen würden – anstatt die überwiegende Anzahl an Produkten nach wie vor aus fabrikneuem Kunststoff herzustellen.“ Aus seiner Sicht würden sich Unternehmen mit dem von Katz propagierten „Social Plastic“ grüner machen als sie sind.

Auch die Veranwortlichen bei Henkel und Metro wissen, dass mehr passieren muss. Ulrike Sapiro, neue Nachhaltigkeitschefin bei Henkel, setzt auf die Kreislaufwirtschaft, bei der praktisch keine Abfälle mehr anfallen sollen. „Aber das können wir nicht alleine machen“, sagt sie. Es brauche Kooperationen. Auch Veronika Pountcheva würde gerne die Recycling-Quote erhöhen. Doch dafür, sagt sie, müssten auch Verpackungen von Anfang an anders entwickelt werden. Aktuell bestünden viele Verpackungen aus unterschiedlichen Materialschichten. Diese seien nicht so einfach zu recyceln.

Der Weg zu einer Welt frei von Plastikmüll ist lang, das hat auch Blaue-Helden-Gründer Christoph Heeren gemerkt. Aber: „Wir müssen lernen, mit unseren Ressourcen schonender umzugehen.“ In seinem Konzept ist die Kooperation mit Plastic Bank nur eine Ergänzung, die eigentliche Reduzierung der Abfallmenge findet mit dem Produkt, den Reinigungstabletten, statt. Barbara Schöneberger will künftig dafür sorgen, dass noch mehr Menschen auf die Tabletten-Variante umsteigen: „Ich werde jetzt als Botschafterin meine Reichweite nutzen – und wenn es kommerziell am Ende gut läuft, dann umso besser.“