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Wiesbaden: Heizöl und Sprit billiger - Inflation nur bei 0,2 Prozent

Wiesbaden : Heizöl und Sprit billiger - Inflation nur bei 0,2 Prozent

Die niedrige Preissteigerungsrate stärkt die Kaufkraft der Verbraucher, macht aber der EZB Kopfzerbrechen.

Sinkende Energiepreise haben die Inflation in Deutschland im Juli erneut gedrückt. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise nur noch um 0,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Mai hatte die Inflationsrate noch bei 0,7 Prozent gelegen. Im Juni war die jährliche Teuerungsrate dann erstmals seit Januar wieder gesunken.

Deutlich billiger wurden im Juli leichtes Heizöl (minus 22,4 Prozent) und Sprit (minus 7,1 Prozent). Der Rückgang der Energiepreise habe sich nochmals verstärkt, erklärten die Statistiker. Ohne den Einfluss der Energiepreise wäre die Inflationsrate mit 1,0 Prozent deutlich höher ausgefallen.

Mehr als vor einem Jahr mussten Verbraucher für Nettokaltmieten zahlen (plus 1,2 Prozent). Deutlich höher war der Preisanstieg bei Taxifahrten (plus 12,9 Prozent). Die Branche begründet die Preiserhöhungen mit der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde zum Jahresbeginn. Weniger mussten Verbraucher für sogenannte andere Dienstleistungen wie beispielsweise Makler-Courtagen zahlen. Ursache war hier vor allem die Einführung des Bestellerprinzips bei der Wohnungsvermittlung. Danach bekommt der Makler sein Geld von demjenigen, der ihn beauftragt. Das ist in der Regel der Vermieter.

Die niedrige Inflation stärkt die Kaufkraft der Verbraucher, zumal die Tarifabschlüsse in diesem Jahr deutlich über der Preissteigerungsrate liegen. Den Währungshütern bereitet die Entwicklung dagegen Kopfzerbrechen. Die Inflation ist nämlich derzeit weit entfernt von der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die ein stabiles Preisniveau bei knapp unter 2,0 Prozent anstrebt. Um diesen Wert wieder zu erreichen, pumpt die EZB seit Anfang März pro Monat etwa 60 Milliarden Euro in den Markt.

Die Gefahr einer Deflation sehen Ökonomen derzeit aber nicht. Die schwache Inflation im Juli sei vor allem der jüngsten Ölpreisschwäche geschuldet, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner, "das Auf und Ab des Ölpreises wird noch länger die Veränderung der Preise prägen." Ähnlich argumentiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: "Die Inflation liegt nur nahe null, weil die Preise für Benzin und Heizöl stark gefallen sind". Von Deflation zu sprechen, sei ökonomisch unsinnig. "Stattdessen sollten wir uns über billigeres Öl freuen."

(dpa)