Hartmut Mehdorn: Der Flughafen-Retter ist beschädigt

Pannen-Airport Berlin : Der Flughafen-Retter Mehdorn ist beschädigt

Die Hauptstadt holte den ehemaligen Bahn- und Air-Berlin-Chef als Krisenmanager. Aber auch Mehdorn bekommt die Kosten bei dem Flughafen-Desaster nicht in den Griff. Zudem macht er sich mit seiner ruppigen Art Feinde.

Bei einem Verkehrsunfall am späten Freitagabend blieb Hartmut Mehdorn unverletzt. Aber unbeschadet hat der Chef des Berliner Flughafens den Tag trotzdem nicht überstanden.

Über zwölf Stunden stritt er zuvor mit dem Aufsichtsrat um mehr Geld. 1,1 Milliarden Euro zusätzlich forderte Mehdorn von den Eigentümern, damit Deutschlands peinlichste Baustelle endlich fertig wird: Der Hauptstadtflughafen, der ursprünglich 1,7 Milliarden Euro kosten und 2012 eröffnet werden sollte. Der stattdessen schon 4,3 Milliarden Euro verschlungen hat und immer noch nicht fertig ist. Und von dem Hartmut Mehdorn nach ein paar voreiligen Versprechen nun auch nicht mehr sagen kann, wann er überhaupt fertig wird. Der Aufsichtsrat, nach sieben Jahren Chaos-Bauzeit heillos zerstritten, war sich am Freitag ausnahmsweise mal einig: So geht es nicht weiter.

Mehdorn sieht sich als Manager von altem Schrot und Korn. Als Macher, der nicht lange fackelt. Immerhin hat der 71-Jährige nach eigener Lesart in seinem früheren Managerleben schon die Deutsche Bahn aufs richtige Gleis gesetzt und die Fluggesellschaft Air Berlin umgekrempelt. Um so härter trifft ihn, wie jetzt der Aufsichtsrat mit ihm umspringt. Die hohen Herren der Politik (der Flughafen gehört den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund) muten ihm doch tatsächlich zu, sein Anliegen erst einmal vor dem nachrangigen Finanzausschuss zu rechtfertigen. Ausgerechnet ihn, den genau diese Politiker vor gut einem Jahr als Retter für ihr schon damals verkorkstes Projekt eingekauft hatten. Dabei hatte der Finanzausschuss Mehdorns Geldbitte doch schon vor einer Woche kaputtdiskutiert. Zudem wollen sich Teile des Aufsichtsrates sich auch noch an Mehdorn vorbei direkt aus dem Unternehmen berichten lassen.

Wie die Grünen-Fraktion gestern ankündigte, soll in Kürze ein wichtiger Kritiker Mehdorns im Berliner Abgeordnetenhaus aussagen: Harald Siegle. Der Architekt war Leiter der Immobilienvermarktung am Berliner Flughafen, bis er dem Aufsichtsrat vor wenigen Wochen einen Brandbrief schickte. Auch der erhoffte Eröffnungstermin 2016 sei inzwischen "akut gefährdet", schreibt Siegle. Angeblicher Grund: Missmanagement, auch von Mehdorn persönlich. Als die "Süddeutsche" vor zwei Wochen aus dem Brief zitierte, setzte Mehdorn den Topmanager vor die Tür.

Er war nicht der erste Kritiker, den Mehdorn abserviert hat. Auch Technikchef Horst Amann und dessen Nachfolgerin Regina Töpfer mussten schon gehen. Selbst in den Aufsichtsrat hat Mehdorn schon einen Juristen geschickt, der dem Gremium seine Grenzen aufzeigen sollte. Andererseits: Der Aufsichtsrat wusste, dass er mit Mehdorn keinen Diplomaten einkauft. Er wollte die aufgekrempelten Hemdsärmel offenbar — schließlich gehörte der passionierte Ruderer und Briefmarkensammler schon in seiner Zeit als Bahn-Chef zu den umstrittensten Managern des Landes.

Inzwischen scheint Mehdorn auch bei Deutschlands größtem Industriekonzern jemandem auf die Füße getreten zu sein. Ausgerechnet kurz vor der Aufsichtsratssitzung lancierte ein Informant ein zweiseitiges Fax der Firma Siemens an die "Zeit". Wohl kein zufälliges Timing: Das Fax ist in Wahrheit schon Monate alt. Aber der Inhalt ist aktuell, denn er wirft ebenfalls Fragen zu Mehdorns Management auf: Siemens soll die Steuerung der Entrauchungsanlage bauen und damit eines der größten Probleme auf der Berliner Flughafen-Dauerbaustelle beseitigen. In dem Schreiben beschweren die Absender sich, die Unterlagen des Flughafens seien "durchweg mangelhaft". Zudem seien die Räume im gesamten Terminal falsch nummeriert: die Zahlen passen nicht zu den Plänen. Statt den Mangel einfach zu beseitigen, soll Mehdorn ihn unwirsch als Bagatelle abgetan haben.

Die Uhr tickt. Die Baugenehmigung für Teile des Flughafens verfällt im Oktober 2016. Ein neuer Antrag würde noch mehr Zeit kosten. Und noch mehr Geld: Die Baustelle kostet den Steuerzahler über eine Million Euro pro Tag.

(RP)
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