Hannover Messe 2017: Mensch und Maschine Hand in Hand

Hannover : Mensch und Maschine Hand in Hand

In fast allen Branchen haben amerikanische Firmen die Digitalisierung besser und schneller umgesetzt als die deutschen Kontrahenten. Die Hannover-Messe zeigt ab heute neue Projekte einer digitalen Offensive.

Die Hannover Messe ist die weltgrößte Industrieschau. Doch um Maschinen allein geht es schon längst nicht mehr. Viele der 6500 Unternehmen zeigen, wie die Digitalisierung die Fabriken verändern wird. Einer der Schwerpunkte ist auch 2017 die Zusammenarbeit zwischen Roboter und Mensch.

Heute werden Bundeskanzlerin Angela Merkel und die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo zum Eröffnungsrundgang erwartet. Polen ist in diesem Jahr das Partnerland bei der Messe. Nutzen die Polen die Chance, für sich zu werben? Nach einem Rechtsruck 2015 hatte das Land bei ausländischen Investoren an Attraktivität eingebüßt. Zahlreiche Gesetzesänderungen der neuen nationalkonservativen Regierung hatten Unternehmer verunsichert und für einen Investitionsstopp gehabt. Deutsch-polnische Handelsvertreter hoffen darauf, dass das Nachbarland seine Chance nutzt. "Es ist eine Gelegenheit für ein Neuerfindung von Polens Image", sagte Katarzyna Soszka-Ogrodnik, Sprecherin der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer (AHK). Gleiches gilt für viele andere Länder, deren Unternehmen in Hannover ausstellen. Diskussionen um Handelsschranken und Abschottung hatten in den vergangenen Monaten die Medien beherrscht. Abseits der neuen Technologien dürfte die Messe daher politischer werden.

Letztlich bringt auch die Digitalisierung politische Fragen mit sich. Sie stellt gleichzeitig viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Für viele ist sie notwendig, auf lange Sicht unausweichlich. Dennoch passiert laut einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) noch viel zu wenig, auch in Deutschland. 31 Prozent der Unternehmen hierzulande mit mindestens 2500 Mitarbeitern seien digitale Nachzügler, heißt es in der Studie. In den USA liegt der Anteil der Unternehmen, die bei der Digitalisierung nicht ausreichend aufgestellt sind, bei nur 23 Prozent. 21 Prozent der Unternehmen in Deutschland zählen zu den digitalen Vorreitern, in den Vereinigten Staaten liegt der Anteil bei 28 Prozent.

Bewertet wurden Unternehmen aus der Telekommunikation, Technologiefirmen, Banken und Maschinenbauer. Auffällig ist, dass die Digitalisierung im Maschinenbau besonders schleppend voranschreitet. Nur jedes fünfte Unternehmen wird in dieser Branche von BCG als Vorreiter bewertet. Gleichzeitig ist es der einzige gemessene Bereich, in dem deutsche Unternehmen vor den US-Firmen liegen.

Welche Möglichkeiten sich in diesem Feld inzwischen bieten, zeigen die Unternehmensberater mit Schaufabriken - oder direkt auf der Hannover Messe. Die Digitalberatung Accenture wird in Hannover verschiedene Beispiele zu künstlicher Intelligenz und der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine zeigen. Gleichzeitig betreibt die Unternehmensberatung an verschiedenen Standorten Zentren, an denen Mitarbeiter von Unternehmen vor Ort Technik gezeigt bekommen und ausprobieren können.

Auch BCG oder Konkurrenten wie McKinsey haben solche Schaufabriken, weil sie um die Bedeutung von Industrie 4.0 wissen. Im "Digital Capability Center" von McKinsey in Aachen wird beispielsweise anhand der Herstellung eines Armbandes gezeigt, wie Kosten und Materialverbrauch durch smarte Maschinen reduziert werden können. Lösungen sollen hier entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der ersten Nachfrage der Kunden bis zur Lieferung, gezeigt werden.

(RP)