Duisburg: Hafen ist Duisburgs Hoffnung

Duisburg : Hafen ist Duisburgs Hoffnung

In den Rankings des wirtschaftlichen Trübsinns liegt die Stadt vorn: höchste Arbeitslosenquote im Westen, kaum Steuereinnahmen, viel Gewalt. Duisport dagegen ist ein Vorzeigeprojekt. Es gibt jedem siebten Duisburger Arbeit.

Mit der Abwahl des Oberbürgermeisters hat Duisburg bundesweit Schlagzeilen gemacht, wieder einmal, und meistens sind es negative. Duisburg ist die Stadt der Mafiamorde und der Loveparade-Katastrophe. Duisburg liegt auch in vielen Rankings des wirtschaftlichen Trübsinns hartnäckig vorn. Da werden Lichtblicke leicht übersehen.

Duisburg ist anhaltend die Stadt mit der höchsten Arbeitslosenquote in Westdeutschland. Während in manchen Regionen wie im Münsterland nahezu Vollbeschäftigung herrscht, sind in Duisburg noch immer über 13 Prozent der Erwerbsfähigen ohne Arbeit. Ein Großteil von ihnen seit Jahren. Der Anteil der Arbeitslosen, die Hartz IV beziehen, liegt bei 80 Prozent. Das ist im bundesweiten Vergleich hoch – und prägt die Stadt.

Wer lange arbeitslos ist, verliert nicht nur Qualifikation und Disziplin, sondern zahlt auch keine Steuern. Stattdessen ist er auf staatliche Fürsorge angewiesen. Entsprechend belastet ist die Stadtkasse. Jeder dritte Euro, den Duisburg ausgibt, geht für Transferzahlungen drauf.

Zugleich nimmt die Stadt, die einst die steuerstärkste in Westdeutschland war, kaum noch Steuern ein. Duisburgs Steueraufkommen je Einwohner beläuft sich nur auf drei Viertel der durchschnittlichen Steuerkraft anderer kreisfreier Städte, wie das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung errechnet hat. Die nüchternen Forscher sprechen von einer "dramatischen Entwicklung". Die Stadt ist heillos verschuldet, hängt am Tropf des Finanzausgleichs und steht unter der Haushalts-Kuratel des Landes. Freiwillige Ausgaben muss sie nun streichen, wo sie kann.

Beim Ranking der 50 einwohnerstärksten Städte der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft landete Duisburg abgeschlagen mit am Ende des Feldes. Die Forscher bemängelten die schlechte Versorgung mit Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahre. Dabei müsste gerade eine Stadt, in der jeder fünfte Bürger Ausländer ist, viel mehr für die Integration tun. Die Forscher kritisieren auch die hohen Gewerbesteuersätze, die Unternehmen verschrecken, und die Gewalt in der Stadt. Nur gut die Hälfte der befragten Unternehmen bewerteten die öffentliche Sicherheit in Duisburg positiv. Zum Vergleich: In den anderen untersuchten Städten waren etwa 75 Prozent der Unternehmen mit der öffentlichen Sicherheit zufrieden.

Doch die Forscher entdeckten auch Zeichen der Hoffnung. Der Anteil junger Menschen wächst, während das nördliche Ruhrgebiet weiter vergreist. Auch die Zahl der Hochqualifizierten in Duisburg steigt. Dazu dürfte die Universität beitragen. Vor allem aber der attraktive Hafen – als Wohnort und als Arbeitgeber.

Überhaupt der Hafen: Aus der verstaubten Ruhrort Hafen AG wurde Duisport. Mittlerweile beschäftigt der größte Binnenhafen der Welt 40 000 Menschen. Jeder siebte Arbeitsplatz in Duisburg hängt am Hafen. Jeder zweite Container, der heute auf dem Rhein zwischen den Niederlanden und der Schweiz unterwegs ist, wird in Duisburg umgeschlagen.

Der Pulsschlag der Stadt ist an den Kais zu hören. Doch auch die Stahlkocher von ThyssenKrupp sind noch da. Seine Edelstahlwerke etwa in Krefeld hat der Konzern gerade verkauft, in die klassischen Stahlwerke in Duisburg wird dagegen weiter investiert. Das Desaster beim ausländischen Billigstahl, der Kraftwerksneubauten verzögert, hat den Wert der Duisburger Hochöfen deutlich gemacht. Auch der Traditionskonzern Haniel steht, ungeachtet seiner jüngsten internen Machtkämpfe, weiter zu der Stadt.

Und dass ausgerechnet Star-Architekt Norman Foster, der in Berlin den Reichstag zum Wahrzeichen machte, erst den Duisburger Hafen und später auch die Innenstadt neu plante, lässt viele Duisburger hoffen. Strukturwandel braucht einen langen Atem.

(RP)
Mehr von RP ONLINE