Stärkster Rückgang seit 2007 So massiv sind die Preise für Immobilien zuletzt gefallen

Wiesbaden · Während die deutsche Baubranche mit dem schlechtesten Jahresauftakt seit 14 Jahren kämpft, haben sich Wohnimmobilien in Deutschland Ende des vergangenen Jahres so stark verbilligt wie seit 2007 nicht mehr.

 Ein Schild mit der Aufschrift «Baugrundstücke» steht am Rande eines Baufeldes (Symbolbild).

Ein Schild mit der Aufschrift «Baugrundstücke» steht am Rande eines Baufeldes (Symbolbild).

Foto: dpa/Patrick Pleul

Die Preise für Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser fielen im vierten Quartal durchschnittlich um 3,6 Prozent zum Vorjahresquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Gegenüber dem Vorquartal war der Rückgang mit minus 5,0 Prozent noch deutlicher.

Stärker als zum Jahresende 2022 haben sich die Kaufpreise für Wohnimmobilien zuletzt im ersten Quartal 2007 verringert mit minus 3,8 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2006, schrieben die Statistiker in Wiesbaden. „Ausschlaggebend für den Rückgang der Kaufpreise dürfte eine gesunkene Nachfrage infolge gestiegener Finanzierungskosten und der anhaltend hohen Inflation sein.“

Mit dem rasanten Anstieg der Zinsen ist der lange Boom am deutschen Immobilienmarkt zum Erliegen gekommen, da Kredite so teurer geworden sind. Im Gesamtjahr 2022 stiegen die Preise für Wohnimmobilien aber wegen der Zuwächse in den ersten drei Quartalen noch um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2021 waren die Preise mit plus 11,5 Prozent so stark gestiegen wie noch nie gegenüber einem Vorjahr seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2000.

Sowohl in den Städten als auch in ländlichen Regionen waren im Schlussquartal 2022 laut Statistik größtenteils Preisrückgänge zu verzeichnen. Dabei sanken die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser stärker als die für Eigentumswohnungen. In den sieben Metropolen Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf gingen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 2,9 Prozent zurück, für Wohnungen musste 1,6 Prozent weniger gezahlt werden.

Und auch die Auftragskrise in der deutschen Baubranche hat sich mit dem schlechtesten Jahresauftakt seit 14 Jahren verschärft. Das Neugeschäft im Bauhauptgewerbe fiel im Januar inflationsbereinigt um 5,8 Prozent schwächer aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es sogar einen Auftragsschwund von 21,0 Prozent. „Einen größeren Rückgang zum Jahresbeginn hatte es zuletzt im Januar 2009 gegeben“, betonten die Statistiker. Damals hatte das Minus 21,8 Prozent betragen.

Als Ursache für die sinkende Nachfrage gelten steigende Zinsen und höhere Baukosten. „Die Investoren treten zu Jahresbeginn auf die Bau-Bremse“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie, Tim-Oliver Müller. „Die starken Preis- und Zinssteigerungen haben die Verunsicherung weiter verstärkt.“ Die „Schockstarre“ müsse sich bald lösen, da die Auftragsbestände nicht mehr lange reichten, um die Unternehmen auszulasten.

Die Flaute schlägt mittlerweile auf den Umsatz durch. Dieser fiel im Bauhauptgewerbe im Januar um real 8,3 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor. Auch der Auftragsbestand nimmt ab. Am Jahresende 2022 lag er real um 4,5 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Nicht inflationsbereinigt summierte sich das Volumen auf 68,3 Milliarden Euro. Am stärksten ging der reale Auftragsbestand im Wohnungsbau zurück: Er brach hier um 9,3 Prozent ein. „Dies war der erste Rückgang in dieser Bauart in einem Kalenderjahr seit 2009“, hieß es dazu. Die Abwärtsdynamik habe sich dabei im Jahresverlauf verschärft.

Die Bundesregierung hat mittlerweile vor dem Hintergrund dieser Entwicklung ihr Ziel aufgegeben, dass jährlich 400.000 Wohnungen gebaut werden. Experten zufolge ist die Lage am Immobilienmarkt derzeit dramatisch: Demnach fehlen in den nächsten Jahren rund 700.000 Wohnungen. Wirtschaft und Gewerkschaften fordern von der Bundesregierung eine stärkere staatliche Förderung. Die Politik müsse sich stärker auf die Nachverdichtung im Bestand fokussieren, um bezahlbaren neuen Wohnraum gerade in den Ballungsräumen zu schaffen, rät das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

(felt/dpa/REU)
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