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Große Zweifel an der Bankenfusion

Deutsche Bank/Commerzbank : Große Zweifel an der Bankenfusion

Die Börse feiert die Gespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank mit Kursgewinnen. Doch Experten bleiben skeptisch, vor allem, was den Zeitpunkt der Verhandlungen angeht.

Es scheint, als habe der Aktienmarkt nur darauf gewartet, dass die Deutsche Bank und die Commerzbank ihre Fusionsgespräche endlich offiziell bestätigen. Die Nachricht vom Sonntag hat am Montag beiden Banken an der Börse einen deutlichen Wertzuwachs beschert. Der Kurs der Deutsche-Bank kletterte um knapp 4,4, jener der Commerzbank um mehr als sieben Prozent.  Die Rechnung der Analysten ist  einfach: Bei einer Übernahme könnten Commerzbank-Aktionäre von einem Aufschlag beim Kaufpreis profitieren; für die Deutsche Bank könnten die Refinanzierungskosten sinken. Im Sog stieg der Kurs der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS gleich mit. Deren Verkauf könnte der Deutschen Bank Milliarden bringen und so einen nicht unerheblichen Teil zur Finanzierung des Deals beisteuern.

Viel Theorie, wo noch längst nicht sicher ist, ob die beiden Banken eine Fusion wirklich als sinnvoll ansehen. Bis zu den Hauptversammlungen im Mai soll klar sein, ob die Gespräche weitergeführt oder beendet werden. Allerdings sind einige Großaktionäre der Deutschen Bank dem Vernehmen nach immer noch skeptisch, ob eine Fusion  Sinn machen würde. Gewerkschaftsvertreter wettern gegen einen Zusammenschluss, weil sie den Abbau Zehntausender Stellen fürchten. Und auch  Ökonomen bezweifeln, dass das Bündnis derzeit betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre: „Der Zeitpunkt für Fusionsverhandlungen ist nicht besonders gut“, sagt Hans-Peter Burghof, Bankprofessor an der Uni Hohenheim. Beide Institute hätten nach schweren Zeiten wieder Fuß gefasst, „aber toll ist das noch nicht“. Die Deutsche Bank habe die Postbank noch nicht voll integriert, eine Entscheidung über die Größe im Investmentbanking stehe auch noch aus.

Dass eine neue deutsche Großbank erfolgreicher wäre, ist ohnehin kein Automatismus. „Die Deutsche Bank ist eine globale Bank, aber erfolgreich ist sie deswegen noch lange nicht“, sagt Burghof. Ein großes Problem für alle deutschen Institute ist die überbordende Regulierung, die große  personelle und technische Kapazitäten verschlingt. Diese Bürokratie müsste die „Deutsche Commerz“ ja genauso leisten und darüber hinaus noch die Fusion hinbekommen, einschließlich aller  Aufräumarbeiten. Mitarbeiter könnten die Bank verlassen und Kunden mitnehmen,  andere Kunden könnten das Vertrauen verlieren, so lange noch niemand weiß, wofür der neue Riese steht. Die neue Bank wäre vor allem mit sich selbst beschäftigt anstatt neue Ertragsquellen aufzutun.

Experte Burghof würde jedenfalls noch zwei bis drei Jahre warten, ehe er das Thema Fusion auf den Plan nähme. So viel Zeit wollen einige aus der Politik den Banken aber offenbar nicht lassen. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hat am Montag zwar  erklärt, Deutschland brauche nicht zwangsläufig eine internationale Großbank: „Es gibt keine alleinige politische Motivation, diese Fusion nun anzustreben. Es muss eine betriebliche sein“. Aber politisch gewollt scheint der Zusammenschluss schon. Was bei Bundesfinanzminister Olaf Scholz erstaunlich scheint angesichts der Tatsache, dass Peer Steinbrück, sozialdemokratischer Vorgänger im Amt zu Zeiten der Finanzkrise, noch Wahlkampf gegen überdimensionierte Banken machte. Und ein systemisches Risiko wäre auch eine neue Großbank. Das Argument fällt jedenfalls schwerer ins Gewicht als die Angst vor schwindendem Wettbewerb. Der wäre  zumindest im Massengeschäft angesichts der Übermacht von Sparkassen und Volksbanken nicht gefährdet.

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So oder so drängt die Politik. Immer öfter fällt der Name von Finanzstaatssekretär Jörg Kukies. Der war mal Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs. „Kukies ist durch die angelsächsische Vorstellung von der Bankenwelt geprägt“, sagen Insider, „der hat eher die Investoren- als die Kundensicht im Blick.“ Weniger Banken, mehr Marktmacht, geringere Kosten, höhere Erträge, höhere Gewinne. Eine Rechnung, die auch von Paul Achleitner stammen könnte, dem  Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Auch der hat eine Goldman-Sachs-Vergangenheit.