Atlanta: Größter Airport der Welt ohne Strom

Atlanta: Größter Airport der Welt ohne Strom

Nach einem Brand in einer Schaltanlage war der Flughafen Atlanta für knapp elf Stunden ohne Energie. Die Folgen waren noch gestern spürbar.

Mitten zum einsetzenden Weihnachtsreiseverkehr ist es am verkehrsreichsten Flughafen der Welt zu einem mehrstündigen Stromausfall gekommen. Am Hartsfield-Jackson Interantional Airport in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) tappten Passagiere und Beschäftigte über Stunden im Dunkeln. Mehr als 1100 Flüge von und nach Atlanta blieben unfreiwillig am Boden. Aufgrund des eng getakteten Flugplans kam es in den gesamten USA daraufhin zu massiven Störungen im Flugbetrieb. US-Medien sprachen von "einem logistischen Alptraum".

Der Vorfall begann am Sonntag um kurz nach 13 Uhr Ortszeit. Wie der Stromversorger Georgia Power mitteilte, soll die Ursache für den mehrstündigen Stromausfall ein Brand gewesen sein. Vorstandschef Paul Bowers zeigte sich gestern Morgen reumütig: "Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten", sagte er US-Medien. Das Feuer habe sich in einem Tunnel ereignet, der parallel zu demjenigen des Untergrundzuges verläuft, mit dem die Passagiere zu den Gates gebracht werden. Die betroffene Schaltanlage liege nahe dem Flugsteig E. Die genaue Brandursache müsse noch geklärt werden. Die Behörden ermittelten in alle Richtungen und würden noch nicht wissen, ob das Feuer möglicherweise absichtlich gelegt worden sei. Bowers schloss aus, dass es aufgrund veralteten Materials ausgebrochen sei: "Wir führen kontinuierlich Inspektionen durch", sagte er dem "Atlantic-Journal Constitution", "wir inspizieren die Anlagen einmal im Jahr, um die Netzstabilität sicherzustellen." Er kündigte Maßnahmen an, um solche Vorfälle künftig auszuschließen.

Wie weitgehend die von Bowers bezeichneten "Unannehmlichkeiten" tatsächlich gingen, belegen die Aussagen zahlreicher Augenzeugen: Passagiere mussten über mehrere Stunden in den Maschinen ausharren - unter ihnen auch Journalisten, die die Lage an Bord live schilderten. Mit Leitern befreiten Flughafenmitarbeiter die Fluggäste. Die letzte Maschine wurde erst gegen 22 Uhr Ortszeit geräumt.

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Auch im Flughafengebäude selbst, kam es zu chaotischen Szenen. Betroffene mussten über Stunden kampieren. Sicherheitskräfte und Flughafenmitarbeiter verteilten Wasser an die Festsitzenden. Da es in Teilen des Gebäudes stockfinster war, konnten die Reisenden nur dank der Taschenlampenfunktion ihrer Smartphones den Weg finden. Auch die Rolltreppen waren großflächig ausgefallen, so dass die Mitarbeiter gehbehinderte Menschen in Rollstühlen die Treppen hochwuchten mussten. Nach und nach gelang es dem Stromanbieter, die Versorgung wieder herzustellen. Augenzeugen berichteten, es sei spontaner Applaus ausgebrochen, als die Lichter in einer der Wartehallen wieder angegangen seien. Erst kurz vor Mitternacht gelang es Georgia Power, den Strom komplett wiederherzustellen.

Bis gestern Nachmittag noch dauerte das Chaos an. Allein die Fluggesellschaft Delta strich noch einmal 300 Flüge wegen des Vorfalls am Sonntag. Da bis zum Morgen der Untergrundzug nicht verkehrte, mussten Passagiere lange Strecken bis zu den Flugsteigen laufen.

(maxi)