Geldanlage in Kriegszeiten Goldpreis steigt auf mehr als 2000 Dollar

Düsseldorf · Der Kurs profitiert von der Unsicherheit wegen des Ukraine-Kriegs. Eine rasche Zinswende könnte den Preisanstieg aber bremsen. Denn höhere Zinsen machen Investments in Staatsanleihen und andere Anlageformen wieder attraktiver.

            

            

Foto: dpa/.

Mehr als eineinhalb Jahre ist es her, dass der Goldpreis zum ersten Mal über die Marke von 2000 Dollar gestiegen ist. Damals sagten manche Analysten dem Edelmetall eine „goldene Dekade“ voraus – auf welchem Niveau auch immer sie das gemeint haben könnten. 19 Monate später ist die 2000er-Marke erneut geknackt worden. Wieder einmal suchen immer mehr Anleger Zuflucht im „sicheren Hafen Gold“. Der Preis für eine Feinunze (31 Gramm) stieg am Dienstag zwischenzeitlich bis auf 2020 Dollar und hielt sich bis zum Nachmittag deutlich über der 2000er-Marke. Rund 3,5 Prozent trennten ihn da noch von seiner historischen Bestmarke.

Aber bleibt das so? Wie viel Kurs-Potenzial hat Gold noch? Die Unsicherheit über den Fortgang des Ukraine-Krieges ist ein Grund für den Preisanstieg der vergangenen Wochen. Erstens macht der Krieg allen generell Angst; zweitens schürt er die Furcht vor einem globalen Wachstumseinbruch, weil Rohstoffe immer teurer zu werden drohen (erst recht, falls es einen Lieferstopp respektive ein Öl-Embargo wie in den USA gäbe) und so die weltweite Produktion bremsen; drittens ist die Sorge groß, dass auch ohne weitere Eskalation der Kämpfe die alten Konfrontationen des Kalten Krieges drohen und die Handelsströme in den kommenden Jahren nachhaltig beeinträchtigt werden. Das alles sind Argumente dafür, dass der Goldpreis weiter steigen könnte, es mithin für einen Einstieg von Investoren noch nicht zu spät ist.

Aber: Zumindest das Argument, dass Gold vor der Geldentwertung schützt, funktioniert nicht mehr wie früher. Die extremen Preisanstiege bei Öl und Gas treiben zwar die Teuerungsraten immer weiter und lassen die alte Mär von Gold als Inflationsschutz wieder aufleben. Die hat auch in der Zeit der Hyperinflation zwischen den beiden Weltkriegen und auch in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchaus ihre Berechtigung gehabt. Im Gegensatz zum Papiergeld ist Gold ja auch nicht beliebig durch die Notenbanken vermehrbar.

Aber die Preisentwicklung beim Gold hängt nicht nur an der Inflationsrate selbst, sondern unter anderem auch an den Konsequenzen, die Zentralbanken daraus ziehen. Selbst Preissteigerungen von mehr als fünf Prozent in den Vereinigten Staaten haben zum Ende des vergangenen Jahres den Goldpreis nicht mehr durch die Decke gehen lassen, weil die US-Notenbank Fed zuvor mehrere Zinserhöhungen für 2022 in Aussicht gestellt hatte. Sobald nämlich die Zinsen steigen, werden entsprechende Anlagen in Zinspapieren wieder attraktiver, der Reiz des Goldes schwindet. Erst recht, wenn die Amerikaner die Zinsen erhöhen. Denn das steigert den Wert des Dollar und macht den Goldkauf für Anleger aus anderen Währungsräumen teurer.

Noch gilt freilich, dass selbst bei einem Zinsanstieg auf beispielsweise zwei Prozent Anleger bei einem Investment in Zinstitel real immer noch verlieren, weil die Inflationsrate weiterhin deutlich über diesen zwei Prozent liegt und Gold somit bis auf Weiteres der bessere Inflationsschutz wäre. Doch zumindest müssten Anleger dann hinschauen, ob ein Aktien-Investment nicht doch lukrativer sein könnte.

Wer Geld in Goldanlagen stecken möchte, hat dafür übrigens mehrere Möglichkeiten. Man kann beispielsweise Barren oder Münzen kaufen, also in sogenanntes physisches Gold investieren. Das hat aber den Nachteil, dass man beispielsweise den Barren auch nur als Ganzes verkaufen kann und man auf jeden Fall ein Schließfach für die Aufbewahrung braucht, das weiteres Geld kostet. Auf der anderen Seite muss man bei einem Verkauf von Maple Leaf oder Krügerrand keine Abgeltungsteuer zahlen, wenn man die Münzen vorher mindestens ein Jahr gehalten hat. Eine Alternative dazu sind Aktien, also Anteilsscheine beispielsweise von Minenbetreibern oder Gesellschaften, die das Gold weiterverarbeiten. Und dann gibt es noch die Gold-ETFs, also Fonds, die den Vorteil haben, dass sie auch keinen physischen Platz brauchen. Verkauft man die ETFs, fällt aber Abgeltungsteuer an – soweit der Freibetrag des Investors von 801 (bei Paaren 1602) Euro überschritten wird. 

Nicht nur der Goldpreis hat zuletzt zugelegt. Auch die Preise für andere Rohstoffe, von denen einige unter anderem aus Russland kommen, sind deutlich gestiegen. Am Montag kostete beispielsweise eine Tonne Kupfer bis zu 10.835 Dollar. Das Metall, das man beispielsweise in Kabeln und für Elektrogeräte verwendet, wird auch im Ural abgebaut. Aluminium kostete erstmals mehr als 4000 Dollar je Tonne und erreichte wie Kupfer ein Rekordhoch. Und der Nickel-Preis stieg immerhin auf ein 15-Jahres-Hoch.