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Gold allein macht auch in der Krise nicht glücklich

Serie „Mein Geld“ : Gold allein macht auch in der Krise nicht glücklich

Während die Aktienkurse abgestürzt sind, ist der Goldpreis zum Wochenstart auf fast 1703 Dollar pro Feinunze gestiegen. So hoch war er zuletzt im Dezember 2012. Wie so oft verlief der Trend entgegengesetzt zum Aktienmarkt.

Man sollte sich jedoch nicht der Illusion hingeben, dass Gold eine sichere Anlage ist. Goldbarren oder -münzen mögen etwas sein, was man festhalten kann, und besitzen somit immer einen Wert. „In dieser Hinsicht schützt physisches Gold, weil es nie einen Totalverlust geben wird“, sagt Ralf Scherfling, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale NRW. Aber die Verlustgefahr gibt es dennoch: „Wer Ende der 70er Jahre Gold gekauft hat, musste rund 25 Jahre warten, bis er den Einstiegskurs wieder erreicht hat.“

Dennoch ist das Edelmetall in der Niedrigzinsphase bei Anlegern sehr beliebt. „Besonders im Dezember 2019 konnte man einen echten Run auf Gold sehen“, sagt Robert Hartmann, Mitgründer des Goldhändlers Pro Aurum. Jetzt könnte es wieder einen Ansturm geben. Allerdings sollte niemand sein gesamtes liquides Vermögen in Gold zu stecken. „Ich rate dazu,zwischen fünf und maximal 20 Prozent in Gold zu investieren“, sagt Hartmann. Wie viel genau, hänge von der eigenen Mentalität und Risikobereitschaft ab.

Wer in Gold investieren möchte, kann Barren oder Münzen kaufen oder börsengehandelte Produkte wie ETFs oder ETCs. Wer physisches Gold kauft, muss sich des Währungsrisikos bewusst sein. Gold wird typischerweise in Dollar gehandelt, so dass sich „Währungsschwankungen auf den Goldgegenwert in Euro auswirken“, wie Verbraucherschützer Scherfling zu bedenken gibt. Außerdem sollten Anleger gut überlegen, was sie nach dem Kauf mit dem Gold anstellen. Wer es in einem Schließfach bei der Bank deponiert, sollte bei der Bank fragen, bis zu welchen Wert der Schließfach-Inhalt versichert ist. Zudem schmälern die Kosten für Sicherheit mögliche Kursgewinne. Das sollte man einrechnen.

In großer Stückelung ist Gold günstiger als in kleinen Portionen. Heißt: Für einen Kilo-Goldbarren zahlt man weniger als für zehn 100-Gramm-Barren. „Besteht jedoch Liquiditätsbedarf, kann man die kleinen Barren besser verkaufen, da man immer nur ganze Barren verkaufen kann“, sagt Hartmann. Ein Kilobarren kostet immerhin auch 47.000 Euro.

Bei Goldmünzen rät der Experte, nur Münzen zu kaufen, die sich gut verkaufen lassen. Dies wären die Klassiker Krügerrand, Maple Leaf, Känguru und Wiener Philharmoniker. Außerdem: Neben dem Goldpreis zahlt man einen Aufschlag für den Sammlerwert. Der kann Rendite, bringen, wenn er steigt, aber auch Verluste.

Es empfiehlt sich, physisches Gold mindestens fünf Jahre zu halten. Wer schneller Gewinne erzielen möchte, ist mit ETFs und ETCs besser bedient. Diese können schon nach einem Jahr verkauft werden. Gold-ETCs sind Schuldverschreibungen, die meistens mit physischen Gold besichert sind. Gold-ETFs sind den Gold-ETCs sehr ähnlich, werden in Deutschland jedoch nicht gehandelt. Man kann dies aber in der Schweiz tun. Allerdings droht bei Zertifikaten der Totalausfall, wenn der Emittent Insolvenz anmelden muss. Denn in einem Insolvenzverfahren, werden Schuldverschreibungen nachrangig bedient. Zudem handelt es sich um Wetten auf Preisentwicklungen. Wer Gold als Sicherheit betrachtet, sollte lieber physisches Gold kaufen.