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Gewinn vervierfacht: Deutsche Bank verdient 2,5 Milliarden Euro

2,5 Milliarden Euro Überschuss : Deutsche Bank vervierfacht ihren Gewinn

Deutschlands größte Bank schafft das beste Ergebnis seit zehn Jahren und will auch die Aktionäre wieder stärker beteiligen. Die Steigerung hat sie zu wesentlichen Teilen dem Investmentbanking zu verdanken.

Wenn ein Unternehmen den höchsten Gewinn seit zehn Jahren verbuchen kann, dann ist das ein bemerkenswertes Ergebnis. Insofern kann Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing zufrieden sein. Rund 2,5 Milliarden Euro hat Deutschlands größtes Geldhaus 2021 unter dem Strich verdient, und mit der Vervierfachung des Jahresüberschusses gegenüber dem Vorjahr sieht sich die Bank auch wieder in der Lage, die Aktionäre am Erfolg zu beteiligen. Rund 700 Millionen Euro will sie an ihre Anteilseigner ausschütten, was einer Dividende von 20 Cent je Aktie entspricht. Der erste Schritt auf dem Weg zu mehr Geld für die Aktionäre, für die in den nächsten Jahren fünf Milliarden Euro geplant sind. In welchem Zeitraum, sagt die Bank aber (noch) nicht.

„Alle vier Kerngeschäfte haben unsere Planung erreicht oder übertroffen, und unser Abbau von Altlasten kam schneller voran als erwartet. Wir freuen uns, die Kapitalausschüttungen an unsere Aktionäre wieder aufzunehmen, wie wir es im Sommer 2019 versprochen haben“, erklärte Sewing am Donnerstag. Zudem ist ein Aktienrückkaufprogramm über 300 Millionen Euro geplant, das in den ersten sechs Monaten dieses Jahres abgeschlossen werden soll. Beides zusammen hat den Aktienkurs am Donnerstagmorgen um drei Prozent nach oben getrieben.

Vor Steuern hat der Konzern 3,4 Milliarden Euro verdient, mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr. „Wir haben mehr Gewinn gemacht, als uns das irgendjemand im Juli 2019 zugetraut hat“, so Sewing. Damals stand die Bank am Anfang der Transformation. Das vergangene und das laufende Jahr sollen solche sein, in denen die Bank wieder nachhaltig profitabel sein will; 2023 bis 2025 steht Wachstum auf der Agenda.

Die Kosten des Konzernumbaus seien fast verdaut, hat Sewing am Donnerstag verkündet. Rund 1,5 Milliarden Euro hat die Transformation im vergangenen Jahr noch einmal gekostet. Bei dem Umbau sollten 18.000 Stellen gestrichen werden, an vielen Stellen wurde gespart, besonders riskante Teile des Investmentbankings wurden abgestoßen. Der relevanteste davon war der Aktienhandel, dessen Aus die Bank etwa zwei Milliarden Euro an Erträgen gekostet hat. Im Kapitalmarktgeschäft, das jetzt noch beispielsweise den Handel mit Anleihen und Währungen sowie die Begleitung von Börsengängen umfasst, will die Bank nach Sewings Angaben aber weiter wachsen.

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Tatsächlich wäre die Gewinnsteigerung ohne das Investmentbanking auch geringer ausgefallen. Die stark von der Entwicklung der Kapitalmärkte abhängige Sparte  liefert immer noch dreimal so viel Vorsteuergewinn wie die anderen Bereiche zusammen.Die Abhängigkeit davon war in der Vergangenheit häufig ein Kritikpunkt gewesen. Aber das Kapitalmarktgeschäft liefert eben einen maßgeblichen Beitrag dazu, die acht Prozent Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften, die das Management als Mantra für 2022 vor sich her trägt.

„Wir ernten jetzt die Früchte unserer Arbeit“, meint Sewing. Dabei ist Kostendisziplin ein Eckpfeiler der Verbesserung. Die Risikovorsorge beispielsweise ist deutlich kleiner ausgefallen als 2020. Für faule Kredite stellte die Bank 500 Millionen und damit 1,3 Milliarden Euro weniger zurück. Das schreibt Sewing aber auch nicht nur striktem Kostenmanagement, sondern auch  dem verbesserten wirtschaftlichen Umfeld zu. Dass die bereinigten Kosten (ohne Aufwendungen für den Umbau) weniger stark gesunken seien als im Vorjahr, nämlich um ein Prozent auf 19,3 Milliarden Euro, liegt laut Sewing zum einen daran, dass der Kampf gegen Geldwäsche forciert worden sei. Zudem sollen aber auch die Boni offenbar wieder steigen. „Wir haben mehr Geld für die variable Vergütung unserer Beschäftigten zurückgestellt. Ich weiß, dass das neue Schlagzeilen bringen wird“, räumte der Vorstandsvorsitzende ein, „aber wir wollen marktgerecht entlohnen und uns dem Wettbewerb um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht entziehen.“ Deutlich mehr als zwei Milliarden Euro Boni sollen dem Vernehmen nach fließen; das wären 15 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie zuletzt vor vier Jahren. Damals hatte der Sparkurs der Bank begonnen.

Auf der Ertragsseite hat die Bank etwa sechs Prozent auf 25,4 Milliarden Euro zugelegt. Das hat sie vor allem Zuwächsen im Investmentbanking und der Vermögensverwaltung zu verdanken, während die Erträge in der Unternehmerbank und dem Privatkundengeschäft deutlich langsamer zulegen. Das BGH-Urteil zu den Kontogebühren hat die Deutsche Bank nach Angaben von Finanzvorstand James von Moltke etwa 200 Millionen Euro gekostet.

Kritiker würden nun behaupten, Sewing und Co. betrieben vor allem Nabelschau angesichts zweistelliger Milliardengewinne, die Teile der europäischen und erst recht der amerikanischen Konkurrenz vorweisen können. Doch das Umfeld ist auch ein völlig anderes als bei den Wettbewerbern und anders als vor zehn Jahren. Das hat mit dem gewaltigen Umbauplan der Bank zu tun, mit den Altlasten, die sie aus den risikoreichen Investmentbanking-Geschäften der Vergangenheit noch mit sich herumschleppt, mit dem zersplitterten deutschen Markt, auf dem Sparkassen und Volksbanken im Massengeschäft den Ton angeben. Und in Teilen des internationalen Kapitalmarktgeschäfts ist die Deutsche Bank bei allen Verbesserungen doch häufig weniger gefragt als Amerikas Topadressen. Bei denen steigen die Boni aber auch noch stärker als in Frankfurt.