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Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer droht mit flächendeckenden Streiks

Düsseldorf : Lokführer drohen mit flächendeckenden Streiks

Statt den Kunden Details zum Arbeitskampf zu nennen, streitet sich die Gewerkschaft weiter mit der Bahn.

Der Tarifpoker bei der Bahn hat gestern noch einmal an Schärfe gewonnen. Nachdem sich die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) per Urabstimmung den Rückhalt für einen flächendeckenden Streik geholt hatte, erhob sie gestern in einem sechsseitigen Brief schwere Vorwürfe gegen das Bahnmanagement und drohte erneut mit massiven Arbeitskämpfen.

Den Zeitpunkt für die ersten zeitgleichen Streiks bei Fern- und Regionalzügen, S-Bahnen und Güterzügen ließ die Gewerkschaft allerdings offen. GDL-Chef Claus Weselsky erklärte jedoch: "Wir geben den Streik so rechtzeitig bekannt, dass alle betroffenen Menschen ihre Verkehrsmittel alternativ planen können." Auch an der selbstauferlegten Regel, nicht zeitgleich mit den Piloten der Lufthansa streiken zu wollen, will die GDL festhalten.

Hoffnung auf ein baldiges Ende des Streits zwischen Management und Lokführergewerkschaft gibt es allerdings nicht. Dafür spricht der wütende Brief, den GDL-Chef Weselsky an Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber geschrieben hat. Der Gewerkschaftsvorsitzende erklärt in dem Schreiben, Weber habe nie die Absicht gehabt, ernsthafte Tarifverhandlungen mit der GDL zu führen, und habe den Tarifkonflikt absichtlich herbeigeführt: "Sie arbeiten von Beginn an auf ein- und dasselbe Ziel hin: Tarifeinheit - koste es, was es wolle - entweder durch Unterwerfung der GDL im Rahmen eines von Ihnen diktierten Kooperationsabkommens oder eben durch den Gesetzgeber", so Weselsky.

Hintergrund: War es lange Zeit in Deutschland so, dass nur ein Tarifvertrag pro Unternehmen gelten durfte, verabschiedete sich das Bundesarbeitsgericht 2010 von der Rechtsauffassung der sogenannten Tarifeinheit. Die große Koalition hat mehrfach ein Gesetz zur Tarifeinheit angekündigt, ist dies bislang aber schuldig geblieben.

Die GDL und die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) streiten über die Zuständigkeiten. Hatte die GDL bisher nur für die Lokführer verhandelt, will sie diesmal auch für weiteres Bahn-Personal - etwa die Zugbegleiter - verhandeln und wildert damit bei den EVG-Mitgliedern.

Personalvorstand Weber wies gestern den Vorwurf zurück, die Bahn verweigere Verhandlungen und treibe die Gewerkschaft in den Konflikt. "Der GDL-Führung geht es aber darum, das Terrain von Konkurrenzgewerkschaften erobern zu wollen. Dafür nimmt sie Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen in Kauf."

Die Bahn unterstrich noch einmal, sie wolle lediglich verhindern, dass es mehrere Tarifverträge für dieselbe Berufsgruppe gebe. Denn dann würde es zu unterschiedlichen Löhnen, Zuschlägen, Arbeits- oder Ruhezeiten kommen. "Das erschwert die Dienstplangestaltung sowie das Tauschen von Schichten unter den Kollegen und verlagert die Konflikte in die Betriebe", erklärte der Konzern.

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(RP)