Frankfurt/M.: Gerüchte um Rücktritt des Bundesbank-Präsidenten

Frankfurt/M. : Gerüchte um Rücktritt des Bundesbank-Präsidenten

Aktienkurse werden weiß Gott nicht nur von Fakten und Zahlen beeinflusst, sondern auch von Zukunftsvisionen und Kursphantasien. Und natürlich auch von Gerüchten, deren Wahrheitsgehalt zum Teil nicht einmal verschwindend geringe Kursveränderungen rechtfertigen würde. Als solches haben Börsianer gestern Spekulationen über einen möglichen Rücktritt von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann identifiziert. "Kompletter Blödsinn" lautet die Reaktion eines Bundesbank-Sprechers auf die Meldung, die offenbar über mehrere Twitter-Accounts verbreitet wurde – und womöglich auch nur ein Versehen war, weil sie von jemandem verbreitet wurde, der offenbar gut mit Tweets umgehen, aber Weidmann nicht von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler unterscheiden kann. Der hatte ja zwischenzeitlich zumindest nachgedacht über den Rücktritt vom FDP-Parteivorsitz. Aber die FDP ist eben nicht gleich Bundesbank.

Ob die Spekulationen über eine bevorstehende Gewinnwarnung der Deutschen Bank eine ähnliche Qualität haben wie die Meldung vom vermeintlichen Weidmann-Rücktritt, lässt sich noch nicht beantworten. Aus Finanzkreisen verlautete aber, an der Ergebniserwartung der Bank habe sich nichts geändert. Beides zusammen – die Gerüchte über Weidmann und die Bank – haben aber ausgereicht, um den Dax gestern kurzzeitig um etwa eineinhalb Prozent abstürzen zu lassen. Sogar von Marktmanipulation ist jetzt schon die Rede. Was bedeuten würde: Jemand hat mutwillig falsche Nachrichten an der Börse verbreitet, um Kurse in die entsprechende Richtung zu bewegen. "Wir schauen uns das genau an", sagte eine Sprecherin der Finanzaufsicht.

Zumal es zur Deutschen Bank noch eine weitere möglicherweise kursbeeinflussende Meldung gab: Der Branchenführer und die Stuttgarter Landesbank LBBW sind laut "Börsen-Zeitung" von der Bafin gebeten worden, die möglichen Konsequenzen eines Trennbanken-Systems durchzuspielen. Trennbanken – das heißt unter anderem, das Einlagengeschäft mit den Geldern der Sparer von hochspekulativen Handelsgeschäften der Banken zu trennen. Das ist seit dem Ausbruch der Bankenkrise vor einigen Jahren ein Thema, aber jetzt könnte Bewegung in die Sache kommen. Was sich daraus für Erwartungen an die Aktienkurse der Geldhäuser ableiten, war einfach zu beobachten: Nicht nur die Deutsche Bank musste Kursverluste von knapp zwei Prozent hinnehmen. Die Commerzbank-Aktie büßte sogar 2,5 Prozent ein und war damit nach dem Papier des Energiekonzerns RWE (minus 2,9 Prozent) der größte Verlierer im Dax. Insgesamt verlor der deutsche Leitindex am Ende aber nur 0,67 Prozent. Das entsprach rund 52 Punkten, und das wiederum ist etwa als ein Zehntel dessen, was der Dax gestern vor fünf Jahren verloren hatte. Damals stürzte er an einem Tag um mehr als 500 Punkte ab, und erst nach und nach wurde der französische Händler Jerome Kerviel als Urheber des Desasters bekannt. Dagegen sind die Folgen der Gerüchte um Weidmanns Rücktritt beinahe banal.

(RP)