Geld und Leben Anlage in Festgeld eignet sich nicht für jeden

Meinung | Düsseldorf · Endlich ist sie vorbei, die Zeit der mageren Renditen. Viele Menschen legen ihr Geld in Festgeld an, weil es wieder Zinsen gibt. Doch das ist nicht immer klug.

 Zahlreiche Banknoten zu zehn, 20 und 50 Euro liegen auf einem Tisch.

Zahlreiche Banknoten zu zehn, 20 und 50 Euro liegen auf einem Tisch.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Endlich ist sie vorbei, die Zeit der mageren Renditen. Bis zu vier Prozent Jahreszins zahlen Banken für kurzfristige Einlagen – gar nicht übel, oder? Kein Wunder, dass Kunden bei deutschen Banken mit über 4000 Milliarden Euro Ende 2023 einen Rekordstand von schnell verfügbarem Geld horteten.

Spricht man mit Anlegern, so findet man zwei Motive. Erstens: Die Weltlage ist unsicher – das schickt Aktien und sogar Anleihen auf Berg- und Talfahrt. Ein Festgeld schont dagegen die Nerven. Und verglichen mit der nachlassenden Inflation wirken vier Prozent auch gar nicht so übel. Zumal viele große Investoren auf erhaltene Zinsen keine Steuern zahlen. Zweitens: Im Idealfall genießt man eine ganze Weile die üppige Rendite auf dem Konto und steigt später zu nie­drigen Kursen in den Aktienmarkt ein. Toll, wenn’s klappt. Die Statistik sagt jedoch: Es gelingt so gut wie nie.

Denn diese Strategie des „Überwinterns“ widerspricht einer der wichtigsten Börsenweisheiten: Man muss für die Welt anlegen, die man vorfindet, nicht für die, die man sich wünscht. Und in der wirklichen Welt ist Festgeld nur Champion, wenn die anderen nicht gut abschneiden. So wie 2022, als die Märkte von hoher Inflation und schwachem Wachstum, vor allem in China, auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Den anschließenden Fall von Festgeld ans Tabellenende der Renditen haben die meisten in ihrer Freude über die hohen Zinsen gar nicht bemerkt. US-Aktien etwa haben 2023 gut sechsmal so viel gebracht wie die beste Kontoverzinsung. Dabei haben die meisten für ihr Festgeld nicht einmal die genannten vier Prozent pro Jahr erhalten. Doch interessantere Anlageklassen zeigen meist dann die höchsten Wertzuwächse, wenn es niemand erwartet. Wer sie verpasst, bekommt fast nie eine zweite Chance, sondern schaut dem Börsenzug hinterher. Allen, die schon einen Kaufvertrag unterschrieben haben und bald das Boot, das Haus oder gar eine Firma bezahlen müssen, sei gesagt: Festgeld ist für sie goldrichtig. Für alle anderen aber nicht.

Unser Autor leitet die Vermögensabteilung von HSBC Deutschland in Düsseldorf. Er wechselt sich hier mit den beiden Wirtschaftsprofessoren Ulrike Neyer und Justus Haucap ab.

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