Geld und Leben Der digitale Euro muss schnell kommen

Meinung | Düsseldorf · Die Deutschen sind konservativ, was ihre Bargeldnutzung betrifft. Dabei ist der digitale Euro ein sicheres, günstiges und effizientes neues Zahlungsmittel.

Der digitale Euro wird nach Überzeugung von Bundesbank-Präsident Nagel schon in wenigen Jahren zum Alltag der Menschen gehören.

Der digitale Euro wird nach Überzeugung von Bundesbank-Präsident Nagel schon in wenigen Jahren zum Alltag der Menschen gehören.

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Im Juni legte die Europäische Kommission einen Gesetzgebungsvorschlag für die Einführung eines digitalen Euros vor. Damit können wir vielleicht schon Ende 2026 mit dem digitalen Euro zahlen. Ein Freund von mir sagte: „Digitaler Euro? Brauche ich nicht. Ich habe Bargeld, eine Girokarte, eine Kreditkarte, Paypal – das reicht!“ Ich widersprach. Der digitale Euro ist eine gute Sache. Er soll herkömmliche Zahlungsmittel ergänzen. Er erlaubt, Zahlungen digital abzuwickeln – wie mit Karten oder über Paypal. Aber man verfügt eben nicht über sein Girokonto, sondern über Euro, die man in einer elektronischen Geldbörse hat, zum Beispiel auf dem Smartphone. Will man seine elektronische Geldbörse füllen, hebt man Geld von seinem Girokonto ab. Das landet dann aber nicht im Portemonnaie in der Hosentasche, sondern in der Geldbörse auf dem Smartphone. Wie beim Bargeld handelt es sich um von der Europäischen Zentralbank ausgegebenes und damit sicheres staatliches Geld. Der digitale Euro bietet viele Chancen.

Besonders relevant für den Verbraucher: Er soll als gesetzliches Zahlungsmittel mit Annahmeverpflichtung deklariert werden; Basisdienstleistungen wie Abhebungen vom Girokonto und Zahlungen mit dem digitalen Euro sollen kostenlos sein. Auch sollen Zahlungen einen hohen Schutz der Privatsphäre bieten: Wie mit Bargeld könnten Zahlungen etwa im Supermarkt und in der Apotheke anonym möglich sein, nur eben digital und damit effizient. Auch bei Zahlungen im Internet könnte man mit der Angabe von weniger Daten auskommen. Damit stünde den Verbrauchern ein im gesamten Euroraum akzeptiertes, kostengünstiges, effizientes, sicheres und anonym nutzbares Zahlungsmittel zur Verfügung.

Mit der Einführung des digitalen Euros sind auch Risiken verbunden. Inwiefern insgesamt die Chancen eines digitalen Euros genutzt und seine Risiken begrenzt werden können, hängt entscheidend von seiner genauen Ausgestaltung ab. Daran wird zurzeit gearbeitet.

Unsere Autorin ist Professorin für monetäre Makroökonomik an der Universität Düsseldorf. Sie wechselt sich hier mit dem Wettbewerbsökonomen Justus Haucap und dem Vermögensexperten Karsten Tripp ab.