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Berliner Pannen-Flughafen "BER": Gefeuerter Architekt rechnet mit Rainer Schwarz ab

Berliner Pannen-Flughafen "BER" : Gefeuerter Architekt rechnet mit Rainer Schwarz ab

Wann wird der Hauptstadtflughafen vollständig eröffnet? Einem Bericht zufolge könnte dies noch bis Mitte 2015 dauern. Airport-Chef Mehdorn plant eine Teileröffnung. In seinem neuen Buch packt der gefeuerte "BER"-Architekt Meinhard von Gerkan aus.

So etwas habe er in all den Jahren seiner Tätigkeit als Architekt noch nicht erlebt, schreibt Meinhard von Gerkan in seinem neuen Buch "Black Box BER": Am 23. Mai 2012 trudelte vom Bauherrn die Kündigung per Fax ein. Kurz vor der dritten abgeblasenen Eröffnung des Groß-Flughafens Berlin Brandenburg.

Nur eine von vielen Geschichten, die die Arbeitsweise am neuen Berliner Pannen-Flughafen dokumentieren. Mehrfach wurde die Eröffnung verschoben. Die Kosten für das Projekt explodierten. Der Bauträger wechselte. Stühlerücken im Aufsichtsrat.

"Überfallartige Änderungswünsche"

In seinem Buch nennt der gefeuerte Architekt das Skandal-Projekt eine "an der Realität vorbei geplante Phantomarchitektur". Als Hauptproblem bezeichnet von Gerkan die "überfallartigen Änderungswünsche" der Auftraggeber.

286 Planänderungsanträge und 201 Anordnungen habe es in seiner Zeit gegeben. Alle sollten realisiert und umgesetzt werden. Ein Beispiel: "Mitten in der fix und fertig durchgeplanten Hauptabfertigungsebene mussten unmittelbar hinter den Sicherheitskontrollen 1800 Quadratmeter Aviation-Fläche für den Walk-through-Shop abgetreten werden". Die Anweisung kam vom Bauherrn.

Ähnlich bedenklich sei die nicht vorhandene Kommunikation zwischen Entscheidungsträgern gewesen. So kritisiert von Gerkan die Kommunikation mit dem ehemaligen Technikchef Manfred Körtgen und mit dem Ex-Chef der Flughafengesellschaft Rainer Schwarz.: "Schwarz und Körtgen waren in jeder Hinsicht dialogresistent."

Kritik von Mehdorn

"Es ist nicht klug, das Buch jetzt geschrieben zu haben", sagte Mehdorn dem Nachrichtenmagazin "Focus" und blieb damit ungewöhnlich diplomatisch. Er versucht seit Monaten, nach langer Schockstarre auf der Baustelle die Schatten der Vergangenheit abzuschütteln und durchzustarten.

Derweil meldet die "Bild"-Zeitung am Freitag, dass die vollständige Eröffnung des Hauptstadtflughafens mindestens bis Sommer 2015 dauern könnte. Das Blatt beruft sich auf einen Siemens-Bericht zur Brandschutzanlage. Demnach dürften die notwendigen Bauarbeiten frühestens im März 2015 abgeschlossen sein.

Anschließend würden weitere vier Monate mit Bauabnahmen und Probebetrieb ins Land gehen, so dass eine vollständige BER-Eröffnung unter optimalen Bedingungen am "31. Juli 2015" möglich sei, so die Zeitung. Flughafensprecher Ralf Kunkel wies den Bericht als "reine Spekulation" zurück.

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Der Zeitplan steht

"Wir sind derzeit in Verhandlungen mit den Firmen zur Lösung der Brandschutzprobleme. Hier sind aber noch keine Entscheidungen getroffen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa am Freitag. Es bleibe bei dem verabredeten Zeitplan, wonach bei der Aufsichtsratssitzung im Oktober über den Zeitplan für die Eröffnung entschieden werden solle.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn plant eine Teileröffnung des Airports im kommenden Jahr und wollte die Pläne an diesem Freitag im Aufsichtsrat vorstellen. Der Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter hält eine solche Teileröffnung des Milliardenprojekts nicht für den richtigen Weg. Eine "Kleinst-Eröffnung" halte er für wenig sinnvoll, sagte Hofreiter, der Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses ist, im Inforadio des RBB. Dies sei unwirtschaftlich und bringe die Flughafengesellschaft in noch größere finanzielle Schwierigkeiten.

Nach den Überlegungen Mehdorns sollen Passagiere zunächst nur im Nordflügel des Flughafen-Neubaus einchecken. Mit wenigen Starts und Landungen will Mehdorn die Abläufe im Neubau testen.

Neubesetzung für Platzecks Posten

Hofreiter hat sich bei der Suche nach einem neuen Flughafen-Aufsichtsratschef zudem für eine Stärkung dieser Position ausgesprochen. Es wäre wichtig, einen Aufsichtsratschef zu haben, "der seine ganze Kraft und Zeit" für den Flughafen einsetzen könne.

Es hält auch eine Bezahlung für den bislang ehrenamtlichen Posten für denkbar. Als möglichen Kandidaten nannte er den früheren Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender.

Nach dem angekündigten Rückzug des bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), muss der Posten neu besetzt werden. Der scheidende Regierungschef leitet die Sitzung des Kontrollgremiums zum letzten Mal. Vertreter ist der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (ebenfalls SPD).

(dpa)