Gefahrenquelle Internet - helfen Cyber-Versicherungen?

Cyber-Versicherungen im Check : Das Geschäft mit den Internet-Gefahren

Die Gefahr, im Internet einen Schaden zu verursachen oder zu erleiden, ist groß. Das haben auch die Versicherungen längst erkannt. Sie bieten deshalb sogenannte Cyber-Versicherungen an. Doch Verbraucher sollten gewarnt sein.

Das Angebot liest sich gut: „Löschdienst, Straf-, Schadenersatz-, Unterlassungs- und Vertrags-Rechtsschutz, Aktive Strafverfolgung und Beratungs-Rechtsschutz im Urheberrecht.“ In allen diesen Bereichen stünde einem eine große deutsche Versicherung zur Seite, wenn man sich für deren Internet-Rechtsschutzversicherung entschiede. Doch ist eine Cyberversicherung wirklich sinnvoll? Ein Überblick:

Welche Schäden sind von einer Cyber-Versicherung erfasst? Internet- beziehungsweise Cyber-Versicherungen helfen bei Schäden, die im Zusammenhang mit Internetkriminalität entstehen. Ersetzt werden sowohl Eigen- als auch Drittschäden. Angeboten werden sie zum Beispiel für Fälle, wenn rufschädigende Internet-Einträge gelöscht werden sollen, wenn jemand an persönliche Daten gelangt ist und sie unberechtigt nutzt, bei Problemen beim Online-Kauf oder falls die Online-Banking-Daten gestohlen und Zahlungen veranlasst werden.

Gibt es Voraussetzungen vor dem Versicherungsabschluss? Versicherungen gewähren Kunden den Internet-Schutz nicht vorbehaltslos. Oftmals muss der Versicherungsnehmer erst einmal nachweisen, dass er seine Daten und Dateien ausreichend schützt, also zum Beispiel mit einem aktuellen Virenscanner oder einer Firewall.

Sind Cyber-Versicherungen bereits stark nachgefragt? „Noch sind Cyber-Versicherungen für Versicherer ein absolutes Nischenprodukt“, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale NRW. Doch für die Versicherer wird der Markt lukrativer. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) lag der Gesamtbestand aller Cyber-Versicherungen 2018, also einschließlich Industrie und Gewerbe, bei 50.000 Verträgen. Die Beitragseinnahmen lagen bei 50 Millionen Euro. „Das entspricht ungefähr einer Verdoppelung von Verträgen und Beitragseinnahmen im Vergleich zu 2017“, sagt GDV-Sprecher Henning Engelage. Allein bei der Sparkassenversicherung existierten Ende April 24.459 Privatkunden-Verträge im Bereich des Internetschutzes. Mehr als 73 Prozent der Versicherten waren Ende 2018 älter als 31 Jahre alt, 38 Prozent älter als 51.

Sind Cyber-Versicherungen sinnvoll? „Wir raten grundsätzlich eher davon ab, eine Cyber-Versicherung abzuschließen“, sagt Verbraucherschützer Opfermann. „Das Geld ist besser in einen guten Virenschutz investiert. Oftmals hilft auch einfach gesunder Menschenverstand, indem man vorsichtig im Internet unterwegs ist und regelmäßig seine Passwörter verändert.“ Auch der Bund der Versicherten (BDV) rät im privaten Bereich vom Abschluss einer Internet-Versicherung ab. „Die am Markt erhältlichen Produkte in diesem Bereich decken keine zusätzlichen, existenzbedrohenden (Cyber-)risiken ab“, heißt es in einer Stellungnahme. Das heißt: Wer über eine Hausrat-, Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung verfügt, ist in der Regel bereits ausreichend gegen Cyberrisiken geschützt.

Konkret: Durch Online-Banking entstandene Schäden sind oft von der Hausratversicherung erfasst oder werden von der Bank aus Kulanz ersetzt. Wer einem Dritten einen Schaden zufügt, indem er unabsichtlich virenverseuchte Daten verschickt, ist oft bereits über eine Privathaftpflichtversicherung geschützt. Und wer Probleme mit der Lieferung eines online gekauften Produkts hat, findet Hilfe bei seiner Rechtsschutzversicherung.

Zu beachten ist auch, dass Cyber-Versicherungen oft nicht bei Urheberrechtsverletzungen greifen; also zum Beispiel, wenn Dateien ohne Erlaubnis der Rechteinhaber heruntergeladen werden. „Sie sind oft ausgeschlossen, weil sie ein unkalkulierbares Risiko für Versicherer darstellen und meist hohe Kosten verursachen“, sagt Opfermann.

Sinnvoll kann eine Cyber-Versicherung hingegen für Gewerbetreibende sein. „Denn Betriebe tragen ein anderes Risiko als Privatleute“, sagt der Experte der Verbraucherzentrale. Dies gelte vor allem für Freiberufler oder Unternehmen, die mit sensiblen Daten arbeiten, zum Beispiel Hotels. Ratsam ist in jedem Fall, vor dem Abschluss einer Internet-Versicherung erst einmal die bestehenden Versicherungspolicen auf Schadensfälle im Internet zu überprüfen.

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