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GDL: Deutsche Bahn knickt ein - Ulrich Weber will getrennte Tarifverhandlungen

Düsseldorf : Deutsche Bahn knickt vor GDL ein

Nach langer Weigerung schwenkt der Konzern auf gesonderte Verhandlungen mit GDL und EVG um. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die GDL auch für andere Berufsgruppen wie Zugbegleiter eigene Konditionen aushandeln wird.

Es ist ein Etappensieg für die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL): Nach sechs Streiks und dem gescheiterten Spitzengespräch von Dienstagnacht knickt das Management der Deutschen Bahn vor der Spartengewerkschaft ein. Personalvorstand Ulrich Weber erklärte gestern Morgen, man werde aus Rücksicht auf Kunden und Belegschaft getrennte Tarifverhandlungen mit GDL und der Konkurrenz von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) eingehen. Diese sollen schon morgen beginnen.

Damit lässt die Bahn indirekt zu, dass die GDL künftig nicht wie bislang ausschließlich die Lokführer vertritt, sondern auch eigene Tarifverträge für einen Teil der Zugbegleiter, Disponenten, Trainer und Bordgastronomen. Für diese hatte bislang ausschließlich die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandelt.

Dass auch die GDL für andere Berufsgruppen Tarifgespräche führen könne, habe man sowieso nie infrage gestellt, sagte Perosnalvorstand Weber am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Tatsächlich hatte die Bahn der GDL in den laufenden Gesprächen jedoch zunächst nur höhere Löhne für die Lokführer angeboten. Beim übrigen Personal war sie lange nur dazu bereit, mit der GDL über künftige Verhandlungen zu reden.

Die Bahn steht nun mehr denn je vor der Situation, dass sie zwei unterschiedliche Tarifverträge für ein- und dieselbe Berufsgruppe bekommen könnte. Die Folge wäre ein Chaos in den Personalabteilungen, denn grundsätzlich darf der Konzern seine Mitarbeiter nicht danach fragen, welcher Gewerkschaft sie angehören. Zudem würden unterschiedliche Vertragsbedingungen - etwa bei der Arbeitsplanung - die Personalplanung erheblich behindern. "Unser Ziel bleibt eine Gleichbehandlung von Mitarbeitern derselben Berufsgruppe, unabhängig davon, in welcher Gewerkschaft sie Mitglied sind", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube bei einem Auftritt in Düsseldorf. "Die Kunst wird darin bestehen, mit beiden Gewerkschaften darauf hinzuwirken, dass wir zu identischen Regelungen in durchaus unterschiedlichen Tarifverträgen kommen", assistierte Personalvorstand Weber.

In dieser Kunst wird sich das Management bereits morgen üben: Am Morgen trifft sich Weber zunächst mit der Delegation der EVG, am Nachmittag folgen Gespräche mit der GDL. Die Bahn will beiden Gewerkschaften Angebote machen. "Wir werden am Freitag kein Ergebnis erzielen, aber ich bin froh, dass wir wieder an zwei Tischen miteinander sitzen, um endlich inhaltlich zu werden", sagte Weber. Dass am Ende womöglich doch zwei unterschiedliche Tarifverträge für ein- und dieselbe Berufsgruppe herauskommen könnten, nannte er ein "Worst-case-Szenario, über das wir derzeit noch nicht nachdenken".

Erstmals äußerte sich die Bahn auch zu den Kosten der jüngsten GDL-Arbeitskämpfe: "Die Streiks der Lokführer haben unseren Konzern bislang 100 Millionen Euro gekostet", sagte Vorstandschef Grube unserer Zeitung. Mit Blick auf die morgigen Tarifverhandlungen sagte der Bahn-Manager: "Ich gehe davon aus, dass wir vernünftige Gespräche führen und weitere Streiks vermieden werden." Zugleich bezeichnete er die derzeitigen Auseinandersetzungen mit den beiden Gewerkschaften GDL und EVG als "die größten Herausforderungen für die Bahn". Es sei bitter, dass da zwei Gewerkschaften sich nicht grün seien und ihren Konflikt auf dem Rücken der Bahn und der Bahnkunden austragen würden. "In Italien sind die Verhältnisse besser. Da müssen Streiks zehn Tage vorher angemeldet werden, und in der Rushhour darf da gar nicht gestreikt werden", so der Bahn-Chef.

(RP)