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Galeria Karstadt Kaufhof: Die Namen Karstadt und Kaufhof gibt es bald nicht mehr

Galeria Karstadt Kaufhof : Das Ende einer Warenhaus-Tradition

Der Einzelhandelskonzern Galeria Karstadt Kaufhof wird zum wiederholten Mal umgebaut. Künftig soll es drei Kategorien von Häusern geben. Die geschichtsträchtigen Namen der Ketten drohen damit zu verschwinden.

Was für ein Ende einer großen Tradition! Vor 140 Jahren .wurde in Wismar das Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft Karstadt gegründet, zwei Jahre vorher war in Stralsund bereits der Vorläufer der späteren Kaufhof-Kette an den Start gegangen. Und jetzt, nach fast eineinhalb Jahrhunderten (zuletzt gemeinsamer) Warenhaus-Geschichte drohen die beiden Traditionsnamen  von der Bildfläche zu verschwinden. „Es ist Zeit, dass man auch an der Marke sieht, dass wir jetzt ein Unternehmen sind“, hat Unternehmenschef Miguel Müllenbach dem „Handelsblatt“ gesagt. Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass der Namen dem des bereits bestehenden Internet-Auftritts angepasst wird. Der heißt galeria.de.

Das mögliche Ende der großen Namen ist Teil eines groß angelegten Umbaus bei Galeria Karstadt Kaufhof. Zum wiederholten  Mal versucht der Konzern mit einer neuen Strategie zurück zu früheren Erfolgen seiner Vorgängerunternehmen zu finden. Geplant sind Müllenbachs Angaben zufolge drei Typen von Warenhäusern: das Weltstadthaus, der regionale Magnet und das lokale Forum. Drei Filialen in Frankfurt, Kassel und Kleve sollen als Modellprojekte für diese Kategorien stehen. Mindestens 50 Warenhäuser sollen umgebaut werden. Etwa 600 Millionen Euro an Investitionen veranschlagt Müllenbach in den kommenden Jahren für die Neuausrichtung, davon allein 400 Millionen für die Modernisierung des Filialnetzes, rund 200 Millionen Euro für E-Commerce, IT und Logistik.

Vom Warenhaus alter Prägung bleibt nicht mehr viel. Nach Jahren, in denen man den einstmals großen Vertretern der Branche vorgeworfen hat, ihre Filialen seien überdimensioniert und vom Sortiment her nicht mehr zeitgerecht, will Deutschlands einzigerverbliebener Warenhausbetreiber sich nun kleiner setzen. Weniger Verkaufsfläche für den Handel, mehr Platz für andere Anbieter – für Betreiber von Paketshops, für E-Bike-Verkäufer, für Bürgerbüros von Kommunen. Das Ganze verbunden mit neuen App-Angeboten für die Kunden.

Der nächste Versuch, das Unternehmen wieder flott zu machen.Diesmal muss es auch noch die Folgen der Pandemie abschütteln. Rund 1,8 Milliarden Euro habe Galeria Karstadt Kaufhof in der Krise an Umsatz verloren, sagt Müllenbach. Die Zwangsschließungen im Lockdown haben das Unternehmen im vergangenen Jahr zusätzlich in die Bredouille gebracht, so sehr, dass es vor knapp dreizehn Monaten Insolvenz anmelden musste. Damals sprang der Staat mit einem Kredit über eine knappe halbe Milliarde Euro in die Bresche. Jetzt werde über ein neues Darlehen verhandelt, hat Müllenbach verraten.