Insolventer Warenhauskonzern Kommt die Galeria-Zentrale nach Düsseldorf?

Essen/Düsseldorf · In der Essener Hauptverwaltung von Galeria Karstadt Kaufhof fällt die Hälfte der Jobs weg. Was die neuen Eigentümer vorhaben und warum ein Umzug in die Landeshauptstadt plötzlich ein Thema ist.

Das Logo des Warenhauskonzerns vor der Essener Zentrale.

Das Logo des Warenhauskonzerns vor der Essener Zentrale.

Foto: dpa/Oliver Berg

Drei Monate nach dem jüngsten Insolvenzantrag der Warenhauskette Galeria hat Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus am Mittwoch erwartungsgemäß die Family Offices des Amerikaners Richard Baker und des Deutschen Bernd Beetz als künftige Eigentümer präsentiert. Wie viel nach der Übergabe von Denkhaus an die Investoren Ende Juli von dem aktuellen Unternehmen übrig bleibt, ist gegenwärtig noch offen. Auf „voraussichtlich mehr als 70 der 92 Filialen“ beziffert der Insolvenzverwalter die Zahl der Häuser, die Baker und Beetz übernehmen wollen. Dies sei Teil der Investorenvereinbarung, die am Dienstag notariell beurkundet worden sei.

Ob dies eine Zielgröße oder eine Untergrenze ist, blieb aber zunächst offen, ebenso wie die Antwort auf Frage, ob und für welchen Zeitraum sich das Investorenduo verpflichtet haben könnte, eine gewisse Zahl von Galeria-Niederlassungen in eigener Verantwortung zu erhalten. Wie viele Häuser dauerhaft überlebensfähig sein könnten, ist noch einmal eine andere Frage. Die geschätzte Zahl reicht von mittelfristig nur 20 Niederlassungen über ungefähr die Hälfte bis zu 60 plus, und der Grad des Optimismus ist dabei offenbar umso niedriger, je größer die Distanz zum Unternehmen ist. Ende offen.

Fest steht dagegen, dass der Warenhauskonzern ein weiteres Mal in größerem Stil Stellen streichen wird: In der Essener Hauptverwaltung müssen 450 der 900 Beschäftigten gehen. Der notwendige Personalabbau im Filialgeschäft stehe erst fest, wenn klar sei, wie viele Niederlassungen übernommen würden, so Denkhaus. Das sei erst Ende April klar. Aber auch in den Filialen dürfte die Zahl der Beschäftigten, die das Unternehmen verlassen sollen, wieder deutlich vierstellig sein. Aktuell hat Galeria noch etwa 12.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denkhaus erklärte, es solle ein „sozialverträgliches Paket mit einer Transfergesellschaft“ für acht Monate geben. Welche Beschäftigten im Zweifel auf Abfindungen in welcher Höhe hoffen dürfen, bleibt auch noch unklar. Mit den verbliebenen Beschäftigten solle Galeria eine „mittelständische Struktur“ bekommen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern stünden der Interessenausgleich und ein Sozialplan. Was die Unternehmenszentrale angeht, wird aktuell über einen Umzug nach Düsseldorf spekuliert. Dazu wollten sich die Beteiligten am Mittwoch aber nicht äußern. Der Mietvertrag in der aktuellen Unternehmenszentrale läuft nach Angaben von Denkhaus im kommenden Jahr aus. Und wenn die Hälfte der Menschen weg ist, braucht man auch nicht mehr so viel Platz. Womöglich, so wird spekuliert, finde die verbliebene Belegschaft dann in einer Galeria-Filiale Platz.

Zur Zukunft des Warenhausgeschäfts sagte Beetz am Mittwoch, dass in den Verhandlungen mit Vermietern „vernünftige, marktgerechte Mieten“ ausgehandelt werden sollten. Das gilt wohl vor allem für jene, die der insolventen Signa gehören, denn die hat bei den Mietforderungen in der Vergangenheit am stärksten zugelangt. Deshalb ist für Denkhaus und Co. aktuell der Signa-Insolvenzverwalter Torsten Martini wichtigster Ansprechpartner.

Der 73-jährige Ex-Coty-Chef Beetz sieht sich als derjenige, der den Fokus vorgibt für das von dem Belgier Olivier van den Bossche geführte Unternehmen. Er sprach von „operativer Exzellenz“, davon dass man „Erlebniswelten kreieren“ müsse, von der „Liebe zum Warenhaus“, von der „Seele der Innenstädte“. Das sind im Vergleich mit den vielfältigen Versuchen der Vergangenheit, Galeria zu sanieren, in ihrer Bedeutung keine neuen Vokabeln. Aber Beetz glaubt, dass die neuen Macher es besser hinbekommen können als ihre Vorgänger. Vermutlich nimmt er dabei van den Bossche aus, den er als „CEO (Vorstandschef) der Extraklasse“ bezeichnete.

Alles klingt wie: Alles auf Anfang, verbunden mit der Hoffnung, dass es besser wird. Darauf setzt auch die Landespolitik. Die nordrhein-westfälische Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) erklärte, es sei für alle Beteiligten gut, dass ein neuer Investor mit Branchenerfahrung gefunden worden sei: „Damit ist ein entscheidender Meilenstein erreicht, aber die eigentliche Arbeit, die beginnt jetzt: Es braucht ein Zukunftskonzept, bei welchem sinnvollerweise die Erfahrungen der Beschäftigten eingebunden werden. Sie wissen, was gut gelaufen ist und viel mehr, warum Galeria Karstadt Kaufhof nicht mehr profitabel hat wirtschaften können“, so Scharrenbach. Silke Zimmer, Vorständin der Gewerkschaft Verdi, forderte, dass der neue Eigentümer in das Unternehmen investiere, die Standorte erhalte und für die Beschäftigten langfristig die Arbeitsplätze sichern solle. Das hat in der Vergangenheit nicht richtig funktioniert. Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Und zumindest pumpen die neuen Eigentümer laut Beetz „einen ganzen Batzen Cash in Galeria“. Wobei ein Batzen eine relative Größe ist.

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