Luftfahrt Fußball-EM bringt Eurowings Sonderboom

Düsseldorf/Köln · Der Lufthansa-Ableger erhöht die Zahl der Tickets um 13 Prozent. Alleine zur EM sind 70 Sonderflüge geplant. Um Geld zu sparen, hat der Vorstandschef einen klaren Tipp.

Düsseldorf ist mit 42 im Sommer statioierten Jets der mit Abstand wichtigste Flughafen von Eurowings.

Düsseldorf ist mit 42 im Sommer statioierten Jets der mit Abstand wichtigste Flughafen von Eurowings.

Foto: dpa/Henning Kaiser

Der Lufthansa-Ableger Eurowings rechnet mit einem stark steigenden Sommergeschäft in diesem Jahr, während sich die Kunden auf bis zu fünf Prozent höhere Ticketpreise einstellen müssen. Das sagte Eurowings-Chef Jens Bischof bei einem Pressegespräch zum Saisonausblick. Er hoffe, trotz deutlich gestiegener Kosten die Preiserhöhungen auf unter fünf Prozent begrenzen zu können, eine Auslastung der rund 120 Jets von mehr als 80 Prozent soll dabei helfen. Für Kunden, die sparen wollen, hatte Bischof diesen Tipp: „Der Frühbucher hat es besser, er erhält den höchsten Rabatt.“ Kurz vor Abflug seien die Preise dagegen erfahrungsgemäß hoch.

Das Unternehmen mit Sitz in Köln wird 13 Prozent mehr Tickets in diesem Sommer anbieten als im Vorjahr, als das Geschäft bereits stark gegenüber 2022 angezogen hatte. Pro Tag werden 600 Flüge in ganz Europa abheben. Alleine in Düsseldorf als wichtigstem Standort werden 42 Jets stationiert sein. Pro Woche sind hier 650 Abflüge zu insgesamt 109 Zielen geplant, vor einem Jahr waren es 636 Flüge pro Woche im Hochsommer. 60 Mal pro Woche geht es ab der NRW-Landeshauptstadt nach Palma de Mallorca. „Mallorca ist auf Rekordkurs“, sagte Bischof.

Ab Köln-Bonn werden pro Woche 350 Abflüge pro Woche starten, von denen 46 hin zur Lieblingsinsel der Deutschen abheben werden. Ab November soll es ab der Domstadt erstmals besonders weite Flüge nach Jeddah in Saudi-Arabien geben, was durch neue Airbus-Jets mit besonders wenig Spritverbrauch und umso höherer Reichweite ermöglicht wird.

Eine Sonderkonjunktur erwartet der Lufthansa-Ableger durch die Fußball-EM in Deutschland, die zwischen dem 14. Juni und 14. Juli stattfinden wird. „Wir haben Top-Buchungen für Juni und Juli“, sagte Bischof. Für rund 70 Sonderflüge wurden bereits 13.000 Tickets verkauft. Je nach Verlauf des Turniers wird Eurowings weitere Sonderflüge anbieten, insgesamt rechnet der Vorstandschef damit, 50.000 bis 60.000 Tickets im Zusammenhang mit der EM verkaufen zu können. „Wir werden weiter aufstocken, wenn weitere Gäste aus Nationen erwartet werden, die besonders fußballbegeistert sind“, sagte er.

Hauptgrund für das allgemein wachsende Geschäft ist die ungebremste Freude der Bürgerinnen und Bürger an Urlaubsreisen. Insgesamt bietet Eurowings von 26 Flughäfen 426 Flüge pro Woche nach Mallorca im Sommer an. Aber auch Geschäftsreisende würden wieder mehr fliegen – unter anderem zu Messen, sagte Bischof. In diesem Zusammenhang lobte er den Airport Düsseldorf, der in Kooperation mit Eurowings eine Fast-Lane für eine besonders schnelle Kontrolle von Passagieren nach Berlin und Hamburg eingerichtet hat. „Wir haben da eine großartige Zusammenarbeit“, sagte er. Nun wird für Düsseldorf geprüft, die Fast-Lane auch auf einige vergleichbare Ziele auszudehnen, also insbesondere nach München. Bischof stellt aber klar, Eurowings halte es grundsätzlich nur für sinnvoll, innerdeutsche Flüge anzubieten, wenn die Zugreise hin und zurück mindestens acht Stunden brauche.

Der Manager gab sich erleichtert, dass dem Unternehmen keinerlei Streiks in absehbarer Zukunft drohen, weil die Tarifabschlüsse mit allen Berufsgruppen abgeschlossen seien. Insgesamt hat Eurowings rund 5000 Beschäftigte.

Die Zufriedenheit der Kunden sei hoch, auch wegen sehr guter Pünktlichkeitswerte. Anders als der Mutterkonzern war Eurowings bei den laufenden Tarifgesprächen nicht direkt von Arbeitskämpfen betroffen.

Bischof zeigte Verständnis dafür, dass die Einheimischen in einer Reihe von Urlaubsregionen wie in Teneriffa und neuerdings auch Mallorca gegen eine zu hohe Belastung durch den Massentourismus aufbegehren. Eine „kluge Balance“ sei notwendig zwischen dem Abfertigen vieler Gäste und gleichzeitiger Rücksicht auf Umwelt und Einwohner. Umgekehrt müsse aber auch gesehen werden, dass der Tourismus beispielsweise auf den Balearen die wichtigste Einnahmequelle sei und viele Arbeitsplätze sichere.

Mallorca sei jedenfalls auf „einem guten Weg“, womit er offensichtlich die Abkehr vom reinen Billigtourismus und die zunehmende Zahl an höherwertigen Angeboten meint. Noch jüngst sei er mit dem Fahrrad an der Playa de Palma entlanggefahren und habe dort gesehen, wie sich das Angebot weiter verbessere.

Mallorca würde außerdem davon profitieren, dass die Reisesaison sich deutlich verlängert. Viele Hotels seien dieses Jahr schon im Februar geöffnet gewesen, zwei Monate früher als vor einigen Jahren üblich in den meisten Häusern. Auch im Herbst sei die Saison länger als früher.

Früher buchten Urlauber 40 Prozent der Sitze bei Eurowings, nun sind es rund 60 Prozent. Dieses Geschäft will Bischof ausbauen, indem rund um die Flüge ganze Pauschalreisen angeboten werden. Der Ableger Eurowings-Holidays baut dafür das Geschäft auf. Aktuell würden rund 1000 Reisen am Tag verkauft.

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