Arbeiten im Alter: Für Frührentner soll sich Arbeit mehr lohnen

Arbeiten im Alter : Für Frührentner soll sich Arbeit mehr lohnen

Die Regierung will zwei neue Renten schaffen: Eine Kombi-Rente soll die Erwerbsarbeit für Frührentner attraktiver machen. Eine neue Zuschuss-Rente soll Geringverdiener und Menschen mit längeren Lebensphasen ohne Erwerbsarbeit vor Altersarmut schützen.

Über die Kombi-Rente hatten sich Union und FDP in den Grundzügen schon Ende 2011 geeinigt. Sie soll die Hinzuverdienstmöglichkeiten von Frührentnern erheblich verbessern. Wer bislang im vorgezogenen Ruhestand mehr als 400 Euro verdient, muss empfindliche Renten-Abschläge hinnehmen. Ab 2013 sollen Frührentner nur einen Teil ihrer Rente in Anspruch nehmen und so viel hinzuverdienen können, dass ihr früheres Bruttogehalt nicht überschritten wird. Der Vorteil: Ein Renten-Abschlag wird dann nur auf die geringere Rente berechnet, und auf den Teil der Rente, der nicht in Anspruch genommen wird, zahlt der Arbeitgeber noch Rentenbeiträge. Grundlage für die Berechnung soll nicht wie bislang geplant der monatliche Durchschnittsverdienst der vergangenen drei Jahre sein, vielmehr soll das höchste Gehalt der letzten 15 Jahre zugrunde gelegt werden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Voraussetzung für die Kombi-Rente: Der Arbeitnehmer muss 63 Jahre alt sein und mindestens 35 Versicherungsjahre nachweisen können. Die Kombi-Rente soll aus Sicht der Koalition den Übergang in die Rente ab 67 erleichtern.

Während die Kombi-Rente in der Koalition Konsens ist, gibt es über die Zuschuss-Rente Streit. Geplant ist, dass Geringverdiener und Menschen mit Lebensphasen ohne Erwerbsarbeit eine Aufstockung ihrer Rente erhalten. Voraussetzung ist, dass sie mindestens 40 Jahre Mitglied der Rentenversicherung waren, 30 Jahre Beschäftigung nachweisen können und privat vorgesorgt haben. Für diese Fälle sollen die Altersbezüge auf bis zu 850 Euro pro Monat aufgestockt werden. Die Kosten dafür liegen bei 90 Millionen Euro 2013 und steigen auf 3,39 Milliarden Euro im Jahr 2030, wie aus einer Vorlage der Regierung hervorgeht, die unserer Zeitung vorliegt. Finanziert werden soll die Zuschuss-Rente durch einen Mix aus Steuermitteln und Beitragsgeldern. Die Finanzierung über Beiträge kostete die Rentenkasse ab 2017 rund eine Milliarde Euro jährlich.

An eben diesem Punkt hat der Koalitionspartner FDP Kritik geübt. "Den Vorschlägen, die auf dem Tisch liegen, können wir nicht zustimmen", sagte FDP-Rentenexperte Heinrich Kolb. Die Liberalen bestehen darauf, dass die Zuschussrente allein aus Steuermitteln finanziert wird: "Wir wollen jeden Spielraum zur Beitragssenkung erhalten." Der Rentenexperte der Grünen, Wolfgang Strengmann-Kuhn, bezeichnet die Zuschuss-Rente als "maximalen Murks". Er kritisiert, dass höchstens 850 Euro, teilweise auch weniger gezahlt würde. Zudem sieht er eine Gerechtigkeitslücke: "Wer durchgängig wenig verdient hat, wird begünstigt. Menschen mit unterbrochener Erwerbsbiografie sind im Nachteil."

(RP/jh-)
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