Ankündigung per Instagram-Selfie Bundesregierung will Start-ups mit 3,5 Milliarden Euro fördern

Berlin/Düsseldorf · Die frohe Botschaft kam per Selfie: Wirtschaftsminister Robert Habeck und Finanzminister Christian Lindner kündigten auf Instagram an, Start-ups mit 3,5 Milliarden Euro fördern zu wollen. In der Gründerszene sorgte das nicht nur für Begeisterung.

 Mit diesem Selfie verkündeten Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) die frohe Botschaft.

Mit diesem Selfie verkündeten Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) die frohe Botschaft.

Foto: dpa/-

Es ist ein Selfie, das in die Internet-Geschichte eingehen könnte: Mit einem gemeinsamen Foto auf Instagram kündigten Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) am Mittwoch an, Start-ups mit 1,75 Milliarden Euro fördern zu wollen. 1,6 Milliarden Euro sollen aus dem bereits bestehenden Zukunftsfonds fließen, die restlichen 150 Millionen Euro kommen aus dem European-Recovery-Program-Sondervermögen. Letzteres wurde 1948 bereitgestellt, um den Wiederaufbau der Wirtschaft zu fördern; das Bundeswirtschaftsministerium verwaltet es.

Laut Habeck soll noch einmal derselbe Betrag hinzukommen – den habe der Bund aus privaten Mitteln mobilisiert. Insgesamt handelt es sich also sogar um 3,5 Milliarden Euro. Profitieren werden innovative junge Unternehmen – egal, ob sie sich mit Künstlicher Intelligenz, Klima-, Quanten- oder Biotechnologie beschäftigen. Ziel sei es, den Wirtschaftsstandort Deutschland und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Doch die eigentliche Nachricht ging in den Instagram-Kommentaren beinahe unter: „Das hat Meme-Potenzial. Bin gespannt“, schrieb ein Nutzer unter das Foto, auf dem Habeck und Lindner wie zwei Freunde in die Kamera lächeln. Er sprach damit offenbar fast 2700 anderen Nutzerinnen und Nutzern aus der Seele, die den Kommentar mit einem „Gefällt mir“ markierten. Kurz zur Erklärung: Memes sind lustige Bilder, die im Internet kursieren und mit Sprüchen versehen werden. Das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ postete das Bild beispielsweise ebenfalls – und zwar mit der Bildüberschrift: „Dieses nervige On-Off-Pärchen, wenn es sich gerade mal wieder frisch versöhnt hat“.

Der Start-up-Szene ist dagegen eher weniger zum Lachen zumute. Das Geld sitzt bei Investoren nicht mehr so locker, steigende Zinsen, politische Unsicherheiten und die anhaltende Inflation stürzten viele Gründerinnen und Gründer in eine Krise. Fast 300 junge Unternehmen meldeten 2023 Insolvenz an, wie der Start-up-Verband gemeinsam mit dem Datendienst Startupdetector ermittelte. Das waren 65 Prozent mehr als 2022 und 33 Prozent mehr als 2021. Auf die Neuigkeit vom Bund reagiert die Szene mit gemischten Gefühlen: „Der Zukunftsfonds ist ein entscheidender Hebel, um den Venture-Capital-Markt in Deutschland weiter zu stärken und den Wachstumskurs von Start-ups zu unterstützen. Gut, dass es jetzt weitergeht. Die geplante Weiterentwicklung begrüßen wir“, sagte Christoph Stresing, Geschäftsführer des Start-up-Verbands. Gleichzeitig erhoffe man sich noch mehr Unterstützung vom Bund: „Trotz dieser positiven Maßnahmen ist Deutschland in Sachen Start-up-Finanzierung immer noch schwächer aufgestellt als vergleichbare europäische Standorte“, so Stresing. Daher dürfte man in den Anstrengungen nicht nachlassen. Das Geld sei da, es müsse aber auch zukunftsorientiert investiert werden. Dafür sei es notwendig, mehr Kapital von institutionellen Investoren zu mobilisieren. „Andernfalls verlieren wir mittelfristig unsere Relevanz als Innovationsstandort“, sagte Stresing.

Madeleine Heuts, Vorsitzende vom Start-up-Verein NRWalley, sieht das ähnlich: „Das Geld ist ein gutes Signal, aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagte sie.

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