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Französischer Luxuskonzern kauft Tiffany

Übernahme : Französischer Luxuskonzern kauft Tiffany

Das Unternehmen LVMH ist bekannt für Edel-Marken wie Louis Vuitton oder Dior. Nun kommt der US-Juwelier hinzu.

Der Preis ist höher als erwartet. Das US-Unternehmen Tiffany wird für 16,2 Milliarden Dollar (14,7 Milliarden Euro) an den französischen Luxusgüterkonzern LVMH verkauft. Das bedeute einen Preis in Höhe von 135 US-Dollar je Aktie, wie LVMH am Montag in Paris mitteilte. Es gebe eine endgültige Vereinbarung für die Übernahme, die Aktionäre von Tiffany müssten allerdings noch zustimmen. Die Übernahme soll Mitte kommenden Jahres abgeschlossen werden.

Der vor 182 Jahren gegründete Juwelier ist weltweit bekannt für seine türkisfarbenen Kartons und seine Rolle im Hollywoodfilm „Frühstück bei Tiffany“. Bernard Arnault, Chef des französischen Unternehmens, prophezeite dem US-Juwelier eine glänzende Zukunft: „Wir haben die Absicht, Tiffany zum Strahlen zu bringen.“

Die Strategie der Franzosen ist offensichtlich. Dem Konzern LVMH gehören bereits 75 Marken, darunter Christian Dior, Fendi, Givenchy und der Uhrenhersteller Tag Heuer. Die Geschäfte laufen vor allem wegen des boomenden asiatischen Marktes sehr gut. Reiche Chinesen sind auf der Suche nach europäischem Luxus bereit, sehr viel Geld auszugeben. Doch die Geschäftsstrategen wollen sich ein weiteres Standbein sichern, denn die Zukunft ist mehr als ungewiss. Sorgen bereiten dem Management die aktuellen Handelskonflikte zwischen Peking und Washington, ebenso die seit Monaten andauernden Unruhen in Hongkong. Für LVMH sind das alles Gründe, das Geschäftsfeld zu erweitern und die Aktivitäten in den USA ausbauen. Nach dem Kauf von Tiffany wird LVMH fast 25 Prozent seines Umsatzes in den Vereinigten Staaten machen und knapp 36 Prozent in China.

Wie wichtig die Franzosen den US-Markt nehmen, wurde bei der Einweihung einer neuen Louis-Vuitton-Fabrik in Texas Anfang Oktober deutlich. Die gesamte Führungsetage des Konzerns war anwesend – inklusive Firmenpatriarch Bernard Arnault. Stargast der öffentlichkeitswirksam präsentierten Eröffnung war allerdings ein anderer: US-Präsident Donald Trump. Der lobte überschwänglich, dass die Franzosen in der Wüste rund 1000 Arbeitsplätze schaffen würden und erhielt eine kleine Führung durch die neue Fabrik.

Angesichts der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Spannungen zwischen den USA und Frankreich empfanden viele Franzosen die Inszenierung allerdings als allzu anbiedernd. Wobei die Familie Arnault mit einem geschätzten Privatvermögen von 70 Milliarden Euro bei den eigenen Landsleuten immer wieder Kopfschütteln hervorruft. Zuletzt machten der Clan nach dem Brand von Notre-Dame Schlagzeilen, als er sich mit der Familie Pinault, der unter anderem die Modemarken Saint Laurent, Gucci und Brioni gehören, einen regelrechten Spendenwettkampf lieferte. Noch während die Kirche auf der Ile de la Cité in Flammen stand, ließ François-Henri Pinault mitteilen, dass er für den Wiederaufbau von Notre-Dame 100 Millionen Euro geben würde. Angesichts dieser Großzügigkeit wollte sich Bernard Arnault nicht lumpenlassen und versprach, die doppelte Summe in den Spendentopf zu werfen: 200 Millionen Euro. Viele Franzosen empfanden dies nicht als ein Zeichen der Großzügigkeit, sondern der Hybris.