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Paris: France-Telecom-Chef unter Verdacht

Paris : France-Telecom-Chef unter Verdacht

Konzernchef Stephane Richard gerät wegen der Tapie-Affäre in die Kritik.

Gegen den Chef des französischen Telefonriesen France Télécom-Orange, Stéphane Richard, ist ein Anklageverfahren wegen bandenmäßigen Betrugs eingeleitet worden. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, hat der 51-Jährige Richard bei einer zweitägigen Vernehmung zu einem umstrittenen Schlichtungsverfahren die Verdachtsmomente nicht ausräumen können.

Richard wird vorgeworfen, vor fünf Jahren als Büroleiter der damaligen französischen Wirtschaftsministerin Christine Lagarde eine aus der Staatskasse finanzierte Entschädigungszahlung von rund 400 Millionen Euro an den schillernden Geschäftsmann Bernard Tapie ermöglicht zu haben. Dieser hatte sich von der früheren Staatsbank Crédit Lyonnais beim Verkauf seiner Anteile am deutschen Sportartikelhersteller Adidas geprellt gesehen und deswegen geklagt. Nach Ansicht von Ermittlern hätte es das zu der Entschädigungszahlung führende Schiedsgerichtsverfahren nicht geben dürfen. Als brisant gilt der Fall vor allem, weil Bernard Tapie im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2007 den damals siegreichen Kandidaten Nicolas Sarkozy unterstützt hatte.

Dass Richard wegen der Vorwürfe seinen Chefposten bei France Telecom aufgeben muss, galt bis zuletzt als unwahrscheinlich, da zahlreiche Anklageverfahren dieser Art im Sande verlaufen. Die Regierung teilte allerdings mit, dass das Aufsichtsgremium von France Télécom-Orange in den nächsten Tagen mögliche Konsequenzen in der Angelegenheit prüfen werde. Der französische Staat ist Großaktionär des Unternehmens.

Christine Lagarde, die heute Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist, war im Mai zwei Tage lang zu den Vorwürfen in Sachen Tapie befragt worden – allerdings nicht von der Staatsanwaltschaft, sondern von dem für ehemalige Regierungsmitglieder zuständigen Gerichtshof der Republik. Die Ermittler stuften Lagarde anschließend als "verdächtige Zeugin" in dem Ermittlungsverfahren ein. Dies bedeutet, dass Indizien für die Beteiligung an einer Straftat vorliegen, sie aber nicht für ein Anklageverfahren ausreichen

(dpa)