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Wie man das Ersparte gegen Inflation schützt​

Geldanlage : Wie man das Ersparte gegen Inflation schützt

Bei acht Prozent Teuerungsrate lässt sich der reale Vermögensverlust gegenwärtig nur begrenzen, wenn man risikobereit ist. Etwa mit dem Kauf von Aktien, Gold oder anderen Rohstoffen.

In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten ist es für Anleger lange Zeit relativ einfach gewesen, den realen Wert des Vermögens zu schützen. Dazu muss die Rendite des eigenen Investments über der Inflationsrate liegen, und die betrug auf Jahresbasis seit 1996 nur dreimal mehr als zwei Prozent. Meist lag sie zwischen 0,5 und 1,5 Prozent, und das war bis zum Beginn der Niedrig- und Nullzinsphase mit einer mehr oder wenigen risikolosen Festgeld-Strategie zu toppen. Jetzt gibt es seit Jahren keine Zinsen mehr, und die Verbraucherpreise sind zuletzt um fast acht Prozent gestiegen. Kann man da das Ersparte überhaupt noch vor einem immensen Wertverlust bewahren?

Ja, wenn man acht Prozent Rendite schafft, könnte die einfache Weisheit lauten. „Das ist das Dilemma des Privatanlegers. Entweder man scheut das Risiko, dann wird die Substanz angefressen. Oder man muss bereit sein, mehr zu riskieren“, sagt der unabhängige Kapitalmarktexperte Chris-Oliver Schickentanz. Wer nicht alles aufs Spiel setzen will, für den geht es womöglich zumindest aktuell vor allem um Schadenbegrenzung. Wie die gelingen kann:

Festgeld Zumindest aktuell noch nicht wirklich hilfreich. Ein Blick in das Portal Finanzencheck24.de zeigt, dasss in vielen Ländern Europas die Verzinsung häufig noch bei weniger als 0,5 Prozent liegt. Das lindert den Verlustschmerz für Sparer nur marginal, könnte sich aber ändern, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) nicht nur im Juli, sondern auch danach noch mehrfach die Zinsen erhöhen würde.

Aktien „US-amerikanische Aktien sind in der Krise stark abgestraft worden und damit kurzfristig attraktiv, aber europäische Aktien sind gegenwärtig deutlich preiswerter“, so Schickentanz. Dazu könnten beispielsweise Papiere aus dem Maschinenbau, der Spezialchemie sowie aus dem Pharma- und Gesundheitsgeschäft gehören. „Auch Autoaktien könnten interessant sein und mit der Zinswende der EZB auch ausgewählte Finanzwerte“, meint Schickentanz. Wichtig auf jeden Fall: langfristig denken. In der Corona-Krise hat beispielsweise der Deutsche Aktien-Index(Dax) zwar auch deutlich verloren, aber über drei Jahre gerechnet beträgt das Plus immer noch mehr als 23 Prozent. Da lässt sich auch die Abgeltungssteuer bequem verschmerzen.

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Rohstoffe Dabei denken alle zunächst mal vor allem an Gold. „Davon würde ich aber nicht zu viel erwarten. Gold ist vor allem eine geopolitische Versicherung“, sagt Schickentanz. Heißt: Ein Investment macht vor allem dann Sinn, wenn beispielsweise der Krieg noch weiter eskalieren sollte, wenn Russland auf anhaltende Waffenlieferungen an die Ukraine mit dem Stopp von Energielieferungen reagieren würde. Die akute Gefahr ist aber bei aller Grausameit des Krieges derzeit nicht abzuschätzen. „Bei Gold würde ich derzeit zu einem Anteil von drei bis fünf Prozent am Gesamtportfolio raten“, sagt Schickentanz. Womöglich könnten Investments in Energierohstoffe und aus dem Industriebereich mehr Sinn machen.

Immobilien Die lohnen sich für Selbstnutzer als Vorsorge fast immer, weil dann im Alter die Wohnkosten für Eigentümer deutlich unter denen für Mieter liegen. Aber unter Renditeaspekten ist Schickentanz vorsichtig: „Politische Eingriffe in den Mietmarkt sind derzeit kaum voraussehbar. Das macht ein Investment für Kapitalanleger nur schwer kalkulierbar.“

Hochzinsanleihen Ein schwieriges Terrain. Einerseits sind diese Papiere, wie der Name schon sagt, mit einer attraktiven Verzinsung ausgestattet. Aber die gibt es andererseits nur, weil diese Papiere häufig eine schlechtere Bonität ausweisen, die sich beim Rating meist unterhalb von „BBB“ bewegt. „Das ist ein hohes Risiko“, räumt Schickentanz ein, „in dem Bereich wäre ich eher bei Unternehmens- als bei Staatsanleihen.“ Beispiele sind italienische Unternehmen wie Telecom Italia, Intesa San Paolo, Autostrade.

Emerging Markets Dazu gehört aus Analystensicht auch das aufstrebende China noch, dessen staatlich kontrollierte Unternehmen bei ihren Anleihen den Investoren durchaus Renditen zwischen drei und vier Prozent versprechen könnten.