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Wie Kunden einem Strafzins entgehen

Große Summen auf Tagesgeld- und Girokonten : Wie Kunden einem Strafzins entgehen

Deutsche-Bank-Vermögensverwalter Asuka Wöhrmann glaubt, Negativzinsen seien in Deutschland bald häufiger. Manche Depotbanken erheben die Zinsen offenbar bereits. Der Rat der Experten: notfalls die Bank wechseln.

Gut vier Wochen ist es her, dass Theodor Weimer, der Vorstandschef der Hypovereinsbank, eine nachhaltige Warnung an seine Branche ausgab: "Es wäre eine Ungeheuerlichkeit, wenn private Sparer uns Geld geben und wir von ihnen dafür Geld verlangen." Weimers Meinung deckt sich bislang mit der von großen Teilen der Branche. Aber die Front scheint zu bröckeln. Seit Samstag verlangt die genossenschaftliche Deutsche Skatbank einen Strafzins für große Summen auf Tagesgeld- und Girokonten. Und wer das Institut aus dem thüringischen Landkreis Altenburg noch als Sonderling abtut, den könnten dann vielleicht die Aussagen Asuka Wöhrmanns alarmieren. Nach Einschätzung des obersten Vermögensverwalters der Deutschen Bank werden Strafzinsen auf Konten und Sparbüchern bald zur Normalität.

"Einige wenige Banken berechnen ihren Kunden jetzt schon negative Zinsen", sagte Wöhrmann der "Welt am Sonntag". Und er ergänzte: "Dann wird hoffentlich jedem klar, dass es sich nicht lohnt, immer mehr Geld auf Sparkonten herumliegen zu lassen." Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erheben einige Depotbanken Strafgebühren. Sie hätten einzelne Fondsmanager und Vermögensverwalter darüber informiert, dass sie nun negative Einlagenzinsen zahlen müssten auf Kundengelder, die die jeweilige Bank als Depotbank für die Investmentfonds verwaltet, berichtete die Zeitung unter Berufung auf ihr vorliegende Schreiben.

Wöhrmanns Einschätzung teilt der Bankenprofessor Wolfgang Gerke: "Das ist ein ganz trauriges Signal. Der Sparer bekommt jetzt vor Augen geführt, dass er am Ende die Zeche für die Finanz- und Schuldenkrise zahlt." Was Gerke meint: Die Idee mit den Strafzinsen ist den Banken gekommen, weil sie selbst Strafzinsen bei der Europäischen Zentralbank zahlen müssen, wenn sie ihr Geld dort parken, anstatt es als Kredit an Unternehmen zu vergeben. Die EZB will damit die Kreditvergabe ankurbeln und hofft, dass darüber die Wirtschaft in der Euro-Zone stärker wächst als derzeit. Aber der beabsichtigte Effekt scheint sich bisher nicht eingestellt zu haben.

Die Branchenverbände wollen von Negativzinsen in größerem Stil nichts wissen. "Der Verband spricht sich weiterhin gegen negative Zinssätze für Einlagen von Privatkunden aus", hatte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) vor einigen Tagen gesagt. Und aus Sicht des Sparkassen-Verbandes DSGV ist der Wettbewerb in der Branche so hart, dass Strafzinsen sich am Markt gar nicht durchsetzen ließen.

Aber: "Das schließt nicht aus, dass einzelne Sparkassen und Volksbanken aus dem Verbund ausscheren. Die Skatbank wird meiner Meinung nach kein Einzelfall bleiben", vermutet auch Bankexperte Gerke. Erst recht, wenn der Kunde den möglichen Wettbewerb gar nicht anstachelt, sondern aus lauter Bequemlichkeit seinem Anbieter die Treue hält.

Was bleibt den Sparern, wenn ihre Bank tatsächlich einen Strafzins fordern sollte? "Der Kunde muss sich besser informieren über Angebote der Konkurrenz. Denn es gibt durchaus noch Banken in Deutschland, die attraktive Angebote machen. Man darf der Hausbank eben nicht zwanghaft treu bleiben — das tut die Hausbank ja auch nicht", sagt Experte Gerke.

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(RP)