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Drei Szenarien: Wie endet diese Krise?

Drei Szenarien : Wie endet diese Krise?

Düsseldorf (RPO). Die Finanzkrise macht vielen Angst. Weder Bürger noch Konjunkturforscher wissen, was noch kommt. So hat es auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer heutigen Regierungserklärung bekräftigt. Wie sich die Krise entwickeln wird, kann aber auch sie nicht sagen. Drei Szenarien sind denkbar.

Nachdem sich die Regierungen in den jüngsten Tagen auf Rettungspakete in gigantischer Größenordnung verständigt haben, kehrt bei Bürgern und Anlegern offenbar zögerlich das Vertrauen zurück.

Knapp 60 Prozent der Menschen fühlen sich bei ihrer Bank wieder sicher, teilt das Meinungsforschungsinstitut Psychonomics mit. Der Aktienmarkt quittierte die Rettungs-Maßnahmen der Politik in Gesamthöhe von geschätzten zwei Billionen Euro mit steigenden Kursen, ließ allerdings am Mittwoch wieder etwas nach.

Noch aber ist für Entwarnungen zu früh. Darauf weist an diesem Vormittag auch die Kanzlerin bei der Bundestagsdebatte zur Finanzkrise unmissverständlich hin. "Lassen Sie es mich deutlich sagen, dass die Gefahr noch nicht gebannt ist", ließ Merkel die Parlamentarier wissen.

Experten wissen: Auf die Bürger und Aktienmärkte kommt es nicht an. Denn wenn die Banken nicht beginnen, sich wieder Geld zu leihen, versiegt auch in der Realwirtschaft der Geldfluss. Was zählt, ist der so genannte "Interbankenmarkt", sagt etwa Jan Pieter Krahnen, Finanzexperte an der Universität Frankfurt dem Handelsblatt.

Entspannung sei dort aber noch nicht in Sicht. Nach wie vor herrsche großes Misstrauen unter den Instituten. Die Gründe für die Zurückhaltung der Banken sind plausibel. Sie müssten für eine Inanspruchnahme der staatlichen Garantiegelder draufzahlen, weil der Staat für die geliehenen Gelder Zinsen beansprucht. Die Rede ist von etwa zwei Prozent.

So bleibt unverändert offen, in welche Zukunft die Finanzwelt in den kommenden Monaten steuert. Vertrauen ist eine weiche Größe, die sich über Garantiepakete und staatliche Instrumentenkasten nicht so einfach wiederherstellen lässt. Was bleibt, sind theoretische Optionen. Finanzexperte Thorsten Schmidt vom Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung hält drei Szenarien für möglich.

Szenario 1: Rezession

Das Misstrauen bleibt. Die Banken verleihen kein Geld, die Kreditklemme greift mit voller Wucht auch auf Europa über. Die Folge wäre eine tief greifende Rezession. Weitere Banken gehen pleite, die Industrie verzeichnet massive Einbrüche in den Auftragsbüchern, ein Negativ-Wachstum stellt sich ein.
Nach Einschätzung des aktuellen Herbstgutachtens für Deutschland beträgt es in diesem Fall minus 0,8 Prozent. 400.000 Arbeitsplätze gingen verloren.

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Die von den Staaten bereitgestellten Rettungsgelder kommen zum Einsatz, finanziert vom Steuerzahler. Den öffentlichen Haushalten stünde eine gewaltige Neuverschuldung ins Haus. Neun Monate, vielleicht ein Jahr würde es Schmidt zufolge dauern, bis sich die Wirtschaft fängt und die Finanzkrise ausgestanden ist.

Wahrscheinlichkeit: 20 Prozent

Darauf hoffen alle. Vor allem Angela Merkel und Peer Steinbrück. Die Instrumente des Rettungspaketes greifen, das Vertrauen kehrt zurück. Die vom Staat zur Verfügung gestellten Rettungsmilliarden werden gar nicht benötigt, die Bereitstellung hat die psychologische Bremse gelöst. Wo der Staat Aktienanteile von Banken erworben hat, kann er sie sogar mit Gewinn wieder verkaufen.

Die deutsche Wirtschaft — derzeit auch noch durch eine Konjunkturflaute belastet — bleibt vom Schlimmsten verschont. Die Finanzkrise wandert zurück in die USA, wo der Immobilienmarkt — eigentlicher Auslöser der Krise — das System auch im Kern beschädigt hat. "Die Ansteckungsgefahr für den deutschen Markt", so sagt Schmidt, "war nie so real begründet."

Wahrscheinlichkeit: 20 Prozent

Die Rettungsmilliarden der Staatenwelt lindern das Schlimmste und verhindern den Crash. Doch hat die Finanzkrise weltweit für tief greifende Verunsicherung gesorgt. Immer wieder kommt es zu Rückschlägen, Banken und andere Finanzinstitute beanspruchen Rettungsgelder. Ein Klima der Zögerlichkeit entsteht. Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, auch weil sie erst die Unternehmensberichte abwarten wollen, die zum Ende des Jahres anstehen.

Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent

Hier geht es zur Infostrecke: Fragen zum Rettungspaket der Bundesregierung