1. Wirtschaft
  2. Finanzen

Schuldenstaat Griechenland: Wer die Finanzhilfen bezahlt

Schuldenstaat Griechenland : Wer die Finanzhilfen bezahlt

Düsseldorf (RP). Europa und der Internationale Währungsfonds wollen Griechenland aus der Schuldenkrise retten. Rund 45 Milliarden Euro könnte Europa und der Weltwährungsfonds die Unterstützung von Griechenland gegen den Staatsbankrott kosten – ein riesiger Betrag. Wir erklären, wie die Banken mit ins Boot geholt werden können und welche Folgen die Turbulenzen für Bürger und hiesige Hausbesitzer haben.

Düsseldorf (RP). Europa und der Internationale Währungsfonds wollen Griechenland aus der Schuldenkrise retten. Rund 45 Milliarden Euro könnte Europa und der Weltwährungsfonds die Unterstützung von Griechenland gegen den Staatsbankrott kosten — ein riesiger Betrag. Wir erklären, wie die Banken mit ins Boot geholt werden können und welche Folgen die Turbulenzen für Bürger und hiesige Hausbesitzer haben.

Wäre es nicht einfacher, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt?

Zwei Gründe sprechen dagegen: Eine neue unabhängige griechische Währung würde in einem solchen Fall massiv gegen den Euro abgewertet — da aber die Schulden in Euro zu bezahlen sind, wären die Schulden danach umso erdrückender. Die EU müsste am Ende Programme gegen Massenarmut bezahlen — hunderttausende Menschen würden nach Deutschland auswandern.

Deutlich riskanter ist aber der Domino-Effekt: Noch zahlen Italien, Irland, Spanien und Portugal trotz sehr hoher Staatsschulden halbwegs niedrige Zinsen, weil ihre Kredite als indirekt über die starken EU-Länder (Deutschland, Frankreich) abgesichert gelten. Falls Griechenland fällt, müssten diese Länder viel höhere Zinsen zahlen — dann stünden die nächsten Krisen bevor. Das kann noch mehr Geld kosten.

Müssen die Banken mitzahlen?

Ja, für Griechenland könnte eine internationale Schuldnerkonferenz vereinbart werden, bei der auch die Geldhäuser gewisse Zugeständnisse machen. Allerdings ist an einen Schuldennachlass von mehr als zehn Prozent aber schwer zu denken: Je härter ein Schnitt käme, umso mehr würden danach die Zinsen für andere Euro-Länder wegen geforderter Risikoaufschläge steigen.

Und was hätten die Banken von einem Schuldenverzicht?

Als Gegenleistung würden die starken Euro-Staaten und der Weltwährungsfonds für die Restkredite geradestehen. Indirekt wäre das ein gutes Geschäft für die Banken: Aktuell notieren griechische Anleihen oft nur zu 80 Prozent ihres Wertes. Ist aber eine Rückzahlung von 90 Prozent vereinbart und damit sicher, bekommen die Banken mehr als beim jetzt drohenden Staatsbankrott.

Wie trifft die Krise Privatkunden?

Nur gering, da nur wenige Bürger griechische Anleihen direkt halten. Falls ein Fonds oder eine Lebensversicherung griechische Anleihen hat, wird der Anteil am Gesamtvermögen fast immer nur gering sein.

Müssen deutsche Hauseigentümer künftig höhere Zinsen zahlen?

Die Zinsen könnten anziehen, falls die Sorgen vor steigender Inflation oder vor zu hohen Staatsschulden auch in Deutschland wachsen. Aktuell profitieren deutsche Kreditnehmer aber von der Krise: Weil "Fluchtgeld" aus Griechenland und anderen Ländern nach Deutschland fließt, sind Baukredite aktuell so günstig wie (fast) noch nie. Ein Zinssatz von deutlich unter vier Prozent ist beim Aufnehmen eines gut gesicherten Hauskredits drin.

Belohnt eine Rettung Griechenlands nicht nur die Spekulanten?

Ja und nein. Die meisten Geldhäuser, die Griechen-Anleihen kauften, suchten solide Geldanlagen und ließen sich ebenso wie die EU und die griechischen Bürger über die dortigen Staatsfinanzen täuschen. Aber es gibt Spekulanten, die momentan gezielt die im Kurs abgestürzten Anleihen kaufen, um von deren Kurserholung nach einer Rettungsvereinbarung zu profitieren. Das können private Anleger aber auch: Die Anleihen sind für jedermann erwerbbar — aber riskant.

Hier geht es zur Infostrecke: Was die Hilfen Deutschland kosten