Was sich bei Betriebsrenten ändert - Hintergrund, Zahlen und Fakten

Zahlen und Fakten : Was sich bei Betriebsrenten ändert

Am Donnerstag hat der Bundestag das Gesetz zur Entlastung von Betriebsrentnern verabschiedet. Künftig werden auf die meisten Betriebsrenten geringere Krankenkassenbeiträge anfallen. Wir erklären, was passiert und wer profitiert.

Was ändert sich?

Es wird ein monatlicher Freibetrag von 159,25 Euro eingeführt. Bis zu dieser Summe fallen keine Krankenkassenbeiträge auf eine Betriebsrente an. Auf die darüber hinausgehende Summe muss der volle Krankenkassenbeitrag (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) von derzeit im Bundesdurchschnitt 15,5 Prozent (allgemeiner Beitragssatz von 14,6 Prozent plus durchschnittlicher Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent) entrichtet werden.

Wie wird der Krankenkassenbeitrag bisher berechnet?

Bisher gibt es keinen Freibetrag, sondern nur eine Freigrenze von 155,75 Euro im Monat. Das bedeutet, bis zu dieser Grenze wird kein Krankenkassenbeitrag erhoben, darüber aber der volle Beitrag auf die gesamte Betriebsrente. Also: Wer 155,75 Euro bekommt, zahlt nicht - wer aber 155,76 Euro bekommt, dem werden 15,5 Prozent abgezogen.

Wer sich die Betriebsrente auf einmal auszahlen lässt, dem werden gegenwärtig 18,55 bzw. 18,8 Prozent für die Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen, zu zahlen in den ersten zehn Jahren nach Rentenbeginn.

Wer profitiert?

Am stärksten profitieren die Rentner, die eine Betriebrente zwischen rund 155 und 320 Euro monatlich beziehen. Für sie halbiert sich der Krankenkassenbeitrag. Bezieher höherer Renten werden weniger stark entlastet. Für kleine Renten muss schon heute kein Beitrag gezahlt werden. Rentner, die sie die Betriebsrente auf einmal auszahlen lassen, profitieren in gleicher Abstufung von dem neuen Freibetrag.

Wer profitiert nicht?

Rentner, die freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, werden nicht entlastet. Für sie gibt es keinen Freibetrag, sie zahlen den Krankenkassenbeitrag auf ihre gesamte Betriebsrente.

Was ändert sich nicht?

Der Beitrag zur Pflegeversicherung muss weiterhin voll bezahlt werden, dafür gilt der Freibetrag nicht. Das sind für Kinderlose 3,3 Prozent, für Rentner mit Kindern 3,05 Prozent.

Wann greifen die Änderungen?

Das Gesetz gilt ab dem 1. Januar 2020. Der Spitzenverband der Krankenkassen (GKV Spitzenverband) hat aber erklärt, es sei technisch nicht möglich, die Krankenkassenbeiträge schon ab Januar neu zu berechnen. Das heißt: Die Abzüge werden laut GKV Spitzenverband zunächst weiter genauso hoch sein wie im Dezember 2019. Die zu viel gezahlten Beiträge müssen später rückerstattet werden.

Wie viele Menschen betrifft das?

Laut Bundesgesundheitsministerium sollen vier Millionen Betriebsrentner von den Entlastungen profitieren.

Was kostet die Entlastung und wer bezahlt sie?

Die Krankenkassen nehmen jährlich rund 1,2 Milliarden Euro weniger ein. Die Mindereinnahme soll am Anfang vollständig und bis 2023 abnehmend aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds finanziert werden, danach von den Krankenkassen. Das heißt, es zahlen überwiegend die Beitragszahler, also Arbeitnehmer und Arbeitgeber, und anfangs in geringem Umfang auch die Steuerzahler, weil in den Gesundheitsfonds ein Steuerzuschuss einfließt.

(felt/epd)