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Serie "Mein Geld": Warum Sparen auch bei Minizinsen lohnt

Serie "Mein Geld" : Warum Sparen auch bei Minizinsen lohnt

Anlegen, vorsorgen, versichern - Geld ist ein zentraler Bestandteil des Lebens. Damit befassen wir uns in unserer neuen Serie. Zum Auftakt geht es ums Sparen.

Wer hat sich in den vergangenen Monaten nicht geärgert, weil er bei seinem Bankberater auf die Frage nach einer möglichst sicheren und noch halbwegs rentablen Geldanlage nur noch ein hilfloses Achselzucken geerntet hat? Darüber, dass man 10.000 Euro auf ein Festgeldkonto packen kann, aber kaum mehr als 25 Euro an Zinsen für ein Jahr kassiert? Dass man, wenn man noch ein bisschen Verzinsung seines Kapitals will, mehr Risiko eingehen muss, als man vielleicht möchte? Dass man ansonsten irgendwann Gefahr laufen könnte, dass man von der Bank in Form von Negativzinsen bestraft wird fürs Deponieren auf dem Sparkonto?

Die Konsequenz, die manche aus diesem Phänomen ziehen, ist indes in ihrer Einseitigkeit falsch und mitunter folgenschwer: "Sparen lohnt sich nicht mehr, wenn man keine Zinsen mehr bekommt." Eine solche Sicht der Dinge definiert Sparen beinahe ausschließlich als Geldvermehrung durch die Rendite. Das ist falsch. In Wirklichkeit ist Sparen zunächst einmal Konsumverzicht in der Gegenwart, um mehr Konsum in der Zukunft möglich zu machen. Ganz simpel funktioniert das in der aktuellen Werbung für Überraschungseier, in der Kindern, die ihr Ei nicht sofort, sondern erst später öffnen, für ihre Geduld ein zweites versprochen wird.

Lebensqualität im Alter in Gefahr

Bei den Kleinen siegt im Werbespot dann oft die Neugier über die Vernunft, und schon ist das Ei verputzt. In Sachen Geldanlage ist das Ganze ein bisschen schwieriger. Wer jetzt sein Geld ausgibt und den Sparzwang beispielsweise mit Blick auf das Rentenalter nicht bedenkt, der gefährdet seine Lebensqualität im Alter.

Serie "Mein Geld": Warum Sparen auch bei Minizinsen lohnt
Foto: zörner

"Das ist eine fatale Entwicklung", hat Michael Breuer, Präsident des rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes, im vergangenen Jahr in einem Gespräch mit unserer Redaktion gesagt. Und er hat erklärt, warum Sparen nur bei einem attraktiven Zinssatz der falsche Ansatz ist: "In Zeiten hoher Zinsen vermehrt sich das Vermögen automatisch. Je niedriger der Zins ist, desto mehr muss man für das Alter sparen." Das haben viele allerdings begriffen. Die Sparquote lag im vergangenen Jahr in Deutschland unverändert bei 9,7 Prozent.

Andererseits: Wer Sparen nur als Beiseitelegen von Geld begreift, macht auch alles falsch. Denn das Geld, was heute noch für ein Brot reicht, langt in 15 Jahren vielleicht nur noch für ein halbes, weil das Brot teurer geworden ist. Wer den Wert seines Geldes erhalten will, kann das beispielsweise durch Geldanlage auf einem normalen Sparbuch nur so lange hinbekommen, wie sich die Preissteigerungsrate auch nahe null bewegt. Das war lange Zeit der Fall. Aber im Januar sind die Verbraucherpreise in Deutschland um 1,9 Prozent gestiegen. Bei einer solchen Inflationsrate verliert derjenige real Geld, der auf sein Erspartes eine Verzinsung von weniger als diesen 1,9 Prozent bekommt.

Also muss der gemeine Sparer die Balance finden zwischen der einen Notwendigkeit, gerade in Zeiten mangelnder risikoloser Anlagechancen trotzdem genug Geld auf die hohe Kante zu legen, und der anderen, stets darauf zu achten, dass die wachsende Inflation den realen Wert des mehr oder weniger großen Vermögens nicht in hohem Maße wegfrisst. Man muss sich also deutlich mehr Mühe machen bei der Suche nach rentablen Investments. Mit der Hochzinsphase ist die Bequemlichkeit für den Anleger verlorengegangen, aber nicht jede Chance, Erspartes zu vermehren. Nur wer das Denken einstellt, spart sich am Ende im wahrsten Sinne des Wortes arm.

Hoffen auf Wertzuwachs

Da wäre es womöglich besser, das Geld in langlebige Wirtschaftsgüter zu stecken. Ein Immobilienerwerb beispielsweise ist für jemanden, der ohnehin aus der Mietwohnung in die eigenen vier Wände will, sinnvoll - aber nur dann, wenn er dort Zeit seines Lebens bleiben will oder bei einer Kapitalanlage die richtige Lage für Haus oder Wohnung wählt. Dann darf er auf Wertzuwachs hoffen, und er kann die ersparte Miete als Ertrag der Geldanlage verbuchen.

Oder vielleicht auch in Aktien. Anteilsscheine von Unternehmen sind natürlich ein riskantes Investment, weil Aktienkurse abschmieren können, weil Unternehmen pleitegehen können, weil eine Finanz- und Schuldenkrise ganze Branchen in Schwierigkeiten bringen kann. Aber Aktien bieten auch Chancen - wenn man genau hinschaut oder sich gut beraten lässt, wenn man nicht gleich das ganze Geld in die Börse pumpt, wenn man sicher sein kann, dass man das Ersparte nicht von heute auf morgen wieder nötig hat, sondern im Zweifel auch Jahre darauf verzichten kann. Auch das ist natürlich eine Form des Sparens, genauso wie die viel geschmähte Lebensversicherung, die gerade die für ihre Überlebensfähigkeit dringend notwendige Modernisierung erlebt.

Wohlergehen der Volkswirtschaft

Fazit: Wegen Minizinsen gar nicht mehr zu sparen, ist keine Lösung. Man muss entweder mehr sparen, um ein eventuell ursprünglich vorhandenes Sparziel zu erreichen, oder man spart anders, indem man höhere Risiken bei der Geldanlage eingeht.

Wer trotz dieser Argumente für sich persönlich immer noch keinen Sinn im Sparen sieht, der kann sich vielleicht wenigstens für das Wohlergehen der Volkswirtschaft erwärmen. Was wir sparen, verleihen Banken und Sparkassen nämlich in Teilen als Kredite an Unternehmen, die dieses Geld wiederum investieren, neue Produkte herstellen und diese an Kunden verkaufen. Zumindest funktioniert es idealtypisch so.

Sollten Sie übrigens glauben, wir erlebten gerade ein nie dagewesenes Renditetief, dann sei Ihnen gesagt: Der Ertrag auf Geldanlagen war zu Beginn des Jahrtausends, als die damalige Börsenblase platzte, und vor neun Jahren inmitten der Finanzkrise deutlich kleiner als heute.

(RP)