US-Präsident Donald Trump verklagt die Deutsche Bank

Geldhaus droht massiver Imageschaden : US-Präsident Donald Trump verklagt die Deutsche Bank

Der US-Präsident will verhindern, dass seine politischen Gegner Finanzunterlagen einsehen können. Die Bank kooperiert.

Die gemeinsame Geschichte Donald Trumps und der Deutschen Bank nimmt ihren Lauf Ende der 80er, eingangs der 90er Jahre. Damals hat der heutige US-Präsident als mitunter allzu waghalsiger Unternehmer mit Engagements in Spielcasinos und Flugzeuggesellschaften Milliardenschulden angehäuft, derer er nicht mehr Herr wird. Viele Banken versagen ihm neue Kredite; zu denen, die ihn nicht fallen lassen, gehört die Deutsche Bank. Mindestens mehrere hundert Millionen Euro sollen die Forderungen des größten deutschen Geldhauses gegen den von seinen Fans als Immobilienmogul gefeierten Trump zeitweilig betragen haben. Die Summe ist heute angeblich längst nicht mehr so hoch. Aber es ist immer noch (unbestätigt natürlich) von einem Engagement in dreistelliger Millionenhöhe die Rede.

Die Geschäftsbeziehung gibt es also auf jeden Fall noch. Sie wird immer stärker zum Politikum, je intensiver über eine mögliche Verwicklung Russlands in den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 diskutiert wird. Jetzt haben Trump und seine Familie die Deutsche Bank verklagt, weil diese auf Aufforderung amerikanischen Ermittlern und Behörden Unterlagen ausgehändigt hat, die Einblick in Trumps Finanzwelt verschaffen könnten. Die Klage richtet sich sich gegen die Deutsche Bank und den US-Finanzkonzern Capital One.  Aber tatsächlich zielt sie auf Ausschüsse im Repräsentantenhaus, einer der beiden Kammern im US-Kongress, von den Demokraten dominiert, welche die Dokumente angefordert haben. „Einmischung“ und „Belästigung“ wirft Trump seinen Gegnern vor; sie durchwühlten seine Finanzen, klagt er, und dies alles nur, weil die Opposition ihm und seinen Kindern politisch an den Kragen wolle. Die Argumentation der Beteiligten ist hinlänglich bekannt. Trump und seine Anwälte sagen, die Vorladungen hätten keine rechtliche Basis, die Demokraten sind sich sicher, Trumps Klage habe keine Aussicht auf Erfolg.

Die Aufregung ist groß, und das ist allzu verständlich. Denn der Flurschaden für die Beteiligten könnte beträchtlich sein, falls es den Ermittlern gelingen sollte, eine Dreiecks-Verbindung zwischen Trump, Russland und der Deutschen Bank herzustellen. Eine von mehreren Vermutungen hinter dem Gedanken an eine unheilvolle Ménage a trois: Russische Banken oder Oligarchen könnten für Trumps Kreditrückzahlungen an die Deutsche Bank gebürgt haben. Eine These in einem Beziehungsgeflecht, in dem es auch um Anschuldigungen geht, Trump-Firmen hätten das Geld russischer Krimineller gewachsen, womöglich mit Hilfe von Banken. Solche Gedankenspiele haben vermutlich auch damit zu tun, dass das größte deutsche Geldhaus vor einigen Jahren schon 630 Millionen Dollar Strafe wegen angebicher Verwicklung in Geldwäsche gezahlt hat. Womöglich hat die Erfahrung die Bank auch jetzt zu der Erkenntnis geführt, dass es vorteilhafter sein könnte, sich mit der US-Justiz und den Ermittlern zu arrangieren, als die privaten Daten des Kreditkunden Trump zu schützen.Jedenfalls hat eine Sprecherin der Bank erklärt, man wolle Unterlagen an die dafür autorisierten Stellen weitergeben und sich an Gerichtsentscheidungen in dem Fall halten.

Andererseits müssen nach Informationen der „New York Times“ auch die amerikanischen großbanken JPMorgan Chase, Bank of America und Citigroup Unterlagen liefern. Doch gilt die Beziehung zwischen der Deutschen Bank und dem amerikanischen Präsidenten als besonders gefährliche Liebschaft – vor allem für die Deutsche Bank. Die Deutschen basteln bekanntlich gerade nach den geplatzten Fusionsgesprächen mit der Commerzbank an einer Strategie, um die Zukunftsfähigkeit der Bank dauerhaft zu sichern – da könnte eine Verstrickung in Wahlkampf-Machenschaften in den USA gleich welcher Art einen neuerlichen Vertrauensschaden auslösen. Der Traum davon, doch noch einmal in die globale Weltspitze vorzudringen, könnte für die Banker aus Frankfurt zumindest in den Vereinigten Staaten schnell platzen.

Mehr von RP ONLINE