„Tatort“-Nachlese Ein bisschen mehr Spannung bitteschön

Freiburg · Sie ist lange Zeit die einzige Verdächtige – und am Ende natürlich doch nicht die Täterin: Lisa Hagmeister spielt die Hauptrolle im „Tatort: Die Blicke der Anderen“ aus dem Schwarzwald. Kein schlechter Fall, aber ein bisschen mehr Spannung würde dem Team gut zu Gesicht stehen.

 „Die Blicke der Anderen“ ist der neunte Fall für das Duo Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner).

„Die Blicke der Anderen“ ist der neunte Fall für das Duo Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner).

Foto: SWR/Benoît Linder

Worum ging’s? Ein Mann und sein kleiner Sohn verschwinden, eine Blutlache im Schlafzimmer deutet auf eine Gewalttat hin. Wenige Tage später werden sie tot in einem Brunnenschacht gefunden, fußläufig vom Zuhause der Familie entfernt. Vater Gerd starb durch einen Messerstich, Sohn Noah wurde erstickt.

Einzige Verdächtige ist lange Zeit Mutter Sandra (Lisa Hagmeister) und das vor allem, weil sie partout nicht darüber reden möchte, wo sie in der Nacht der Tat gewesen ist. Und weil sie so unnahbar ist, kaum Emotionen zeigt – und damit auf Unverständnis bei Ermittlern, Zuschauern und ihrem Umfeld stößt. Darin geht es in „Die Blicke der Anderen“, sie ist die Hauptfigur in dieser tragischen Geschichte.

Am Ende gibt sie ihren Aufenthaltsort dann doch preis, der deprimierender kaum sein könnte: alleine in einem schmucklosen Hotelzimmer an der Autobahn, weil die Affäre nicht gekommen ist, und ihre Affäre, den Bürgermeister, gleich mit. Was gleichzeitig zur ziemlich überhasteten Aufklärung führt: Die betrogene Ehefrau wollte mit dem betrogenen Ehemann sprechen, es kam zum Streit, sie griff zum Messer – und rief dann ihren Mann. Der kam und weil der Sohn des Toten auf einmal aufwachte, musste er auch sterben.

Was war gut? Der Zuschauer bekommt ein Gefühl dafür, wie mühsam Ermittlungsarbeit sein kann, wenn es keine guten Spuren gibt und die einzige Person, die etwas beitragen könnte, das einfach nicht tut. Die Ermittler Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) beißen sich an Sandra Vogt und an diesem Fall lange die Zähne aus; das ist zwar nicht besonders spannungsgeladen, den beiden und der überzeugenden Lisa Hagmeister schaut man aber trotzdem gerne zu. Zumal der „Tatort“ seine Einbettung in die ARD-Themenwoche „Das Wir in der Gesellschaft“ dankenswerterweise eher subtil umsetzt.

Was wäre wünschenswert? Bedächtig kann der Schwarzwald-„Tatort“, das beweist nicht erst dieser neunte Fall des Duos. Aber die beiden können auch ganz anders, ausgelassen und verrückt wie im Fasnachts-Fall „Ich hab im Traum geweinet“ (2020) oder spannungsgeladen wie im brillant-flirrenden „Für immer und dich“ (2019), in dem es um eine verschwundene 15-Jährige geht, die mit einem älteren Mann unterwegs ist. Schade, dass sie das nicht öfter zeigen. Es muss ja nicht immer eine wilde Verfolgungsjagd sein oder ein grausamer Serienmörder, im Gegenteil: Aber etwas mehr Spannung würde dem Duo mal wieder gut tun.

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