Studie von Verivox zeigt, dass immer mehr Banken Negativzinsen erheben

Finanzen : Immer mehr Banken erheben Negativzinsen

Eine Untersuchung zeigt: Speziell kleinere Institute greifen zu der unpopulären Maßnahme. Doch noch gibt es Alternativen.

Immer mehr Banken erheben Negativzinsen für höhere Einlagen. Die EZB hatte vor drei Wochen den Einlagenzinssatz für Banken weiter ins Negative gesenkt, sie erhebt nun Strafzinsen von 0,5 statt wie bisher von 0,4 Prozent, wenn Banken überschüssige Gelder bei ihr parken. Allerdings wird sie zum Ende des Monats eine Staffelung dieser Negativzinsen einführen, die den Finanzinstituten Erleichterung verschaffen soll.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat schon vorgerechnet, dass das die deutschen Institute um 500 Millionen Euro im Jahr gegenüber 2018 erleichtern werde – sie müssen dann etwa 1,9 Milliarden Euro im Jahr an die EZB zahlen. Andere Schätzungen setzen sogar eine Ersparnis von 900 Millionen Euro an. Der Staffelzins bringe zwar eine gewisse Entlastung, sagt eine Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Doch das gesamte Niedrigzinsniveau mache den Instituten zu schaffen.

16 Institute haben inzwischen ihre Bedingungen für Privatkunden verschärft, rechnet das Vergleichsportal Verivox vor, das die aktuellen Tagesgeldkonditionen von etwa 800 Finanzinstituten in Deutschland im Blick hat. Dabei erheben diese vor allem kleineren Institute nicht nur einen Negativzins, sie senken zum Teil auch den Freibetrag, ab dem Negativzinsen erhoben werden. Die sind nämlich bei einigen Geldhäusern inzwischen schon ab 100.000 Euro fällig. Kleinsparer möchte man offenbar möglichst verschonen.

So hat auch die Skatbank Altenburg, Pionierin beim Erheben von Strafzinsen, diesen Freibetrag von zuvor 500.000 auf eben 100.000 Euro gesenkt – und sie verlangt statt bisher 0,4 Prozent Strafzinsen nun 0,5 Prozent. Auch die Berliner Volksbank hat einen Negativzins von 0,5 Prozent für Guthaben ab 100.000 Euro eingeführt, der wird laut Online-Auskunft jedoch nur für Neukunden genannt. Das gilt auch für die Ethik-Bank, die für diese jedoch nur Strafzinsen von 0,4 Prozent verlangt. Den gleichen Zinssatz verlangen nach Angaben von Verivox die Sparda-Bank Berlin, die Volksbank Eisenberg oder die Volksbank Stendal – jeweils auch für Einlagen von mehr als 100.000 Euro.

Mittel- bis langfristig dürfte es nicht bei den 16 von Verivox genannten Banken bleiben. Zum einen haben weitere Institute offenbar schon Negativzinsen eingeführt, die ihre Preisaushänge nicht online veröffentlichen – nur diese wertet das Vergleichsportal aus. Nach und nach dürften weitere nachziehen, glaubt offenbar die Sparkasse München. Seit dem 1. Oktober müssen Kunden, die ein privates Giro- oder Cashkonto eröffnen, eine Zusatzvereinbarung unterzeichnen. Diese ermöglicht es der Bank, zu einem späteren Zeitpunkt ein „Verwahrentgelt“ auf diesen Konten zu berechnen. Damit will sich die Sparkasse absichern für den Fall, dass andere Institute Strafzinsen einführen. Denn die Münchner Sparkasse befürchtet, dass dann viele Kunden von denen zu ihr wechseln.

Es gibt auch Geldhäuser, die sowohl von einem bestimmten Freibetrag an Strafzinsen verlangen als auch Gebühren für das eigentlich sonst kostenlose Tagesgeldkonto. Dazu gehören die Ethik-Bank als auch die Volksbank Eisenberg, die jeweils 3,50 Kontoführungsgebühr verlangen als eben auch 0,4 Prozent Strafzinsen ab 100.000 Euro.

Bisher tauchen in den Listen kleinere Institute auf, vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Die tun sich offenbar besonders schwer mit den Niedrigzinsen, wohl auch, weil sie eine entsprechende Infrastruktur mit Filialen und Geldautomaten vorhalten.

Die Institute, die Negativzinsen an ihre Kunden weitergäben, bemühten sich aber auch, ihren Kunden diesen Schritt zu erklären: „Sie beraten die Kunden, wie sie Gelder von den Tagesgeldkonten in andere Anlageformen umschichten können“, heißt es beim BVR. Denn ohnehin sei ein ausgewogener Mix von Anlageformen empfehlenswert.

Das gilt selbst dann, wenn die Institute keine Strafzinsen erheben. Bei einem Zinssatz von 0,0 Prozent schrumpft das Vermögen real, also nach Abzug der Inflationsrate.

Doch auch momentan gibt es für Sparer Optionen. Einige Tagesgeldkonten bringen immerhin noch 0,8 Prozent Zinsen. Wenn die Sparer ihr Geld zwei Jahre entbehren können, können sie mit Festgeld sogar einen positiven Realzins erwirtschaften, da gibt es einige, die 1,5 Prozent Zinsen bringen. Die Inflationsrate im August lag bei 1,4 Prozent, im September dürfte sie nach ersten Schätzungen bei 1,2 Prozent liegen. Um diese Zinsen zu erhalten, müssten die Anleger jedoch ihr Geld auf Institute im EU-Ausland transferieren, weshalb man sich vorher auch über die Höhe der jeweiligen Einlagensicherung informieren sollte.

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